Erlebnis
Gehen Sie laufen, Herr Bundespräsident!
Hab' mich mal wieder hingesetzt und eine Kolumne verfasst. Diesmal geht's um die Ausdauer unseres Bundespräsidenten.

Es wird Zeit, dass ich mich hier einmal gesellschaftspolitisch zu Wort melde. Ich denke in letzter Zeit viel an unseren gebeutelten Bundespräsidenten – und an den ehemaligen Bundesaußenminster Joschka–ich-habe-früher-Polizisten-verkloppt-Fischer.

Selbstüberprüfung beim Laufen

Der letzte war ja mal ein Walross auf zwei Beinen, bevor er mit dem Laufen die Pfunde verlor, gleichzeitig an Glaubwürdigkeit und politischem Schwergewicht gewann. Er, der gute alte Grünen-Joschi, hat darüber sogar ein Buch geschrieben. „Mein langer Lauf zu mir selbst.“ Darin wird ihm das Laufen zum Symbol für die Veränderung seines Denkens und Handelns schlechthin, ein Akt der Selbsterfahrung und der Selbstüberprüfung.

Nun weiß ich nicht, ob Christian Wulf, unserer erster Mann im Staate, ob also unser Bundespräsident selbst gelegentlich die Laufschuhe schnürt oder ob er sich überhaupt körperlich ertüchtigt. Schaden könnte es ihm grundsätzlich nicht. Ausdauer zu haben kann jedenfalls nie schaden. In einem außerkörperlichen Sinne beweist er diese Tugend ja seit mehreren Wochen, in denen das Staatsoberhaupt  derart die Schlagzeilen beherrscht, das manche längst eine Beschädigung des Amtes konstatieren.  

Mit Ausdauer im Amt

Christian Wulf hält mit einer Ausdauer am Amt fest, dass man fast schon wieder Hochachtung haben muss. Ich weiß ja nicht, aber vielleicht hat er ja – wie einst der Herr Fischer in den Berliner Wäldern und Fluren – seinerseits seine Ausdauer im Garten des Schlosses Bellevue laufend trainiert, um auch körperlich fit zu sein für die Belastungen.

Und doch wünsche ich mir als Staatsbürger, den das Staatsoberhaupt wie jeden anderen Bürger dieses Landens auch vertritt, auch eine Entwicklung innerer Art, wie sie Joschka in seinem Buch beschreibt, der seine körperliche Entwicklung nur als äußeres Zeichen einer Persönlichkeitsveränderung verstanden wissen wollte.

Wünsche mir eine Verwandlung

Nun steht es mir ebenso wenig zu wie es meine Intention ist, den Bundespräsidenten zu belehren, ihm etwa anzuraten, seinen Posten zu räumen (das würde mir schon deshalb nicht gefallen, weil mir übel würde bei dem Gedanken, das ganz wesentlich die Bild-Zeitung einen  Bundespräsidenten platt gemacht hätte), aber wünschen würde ich mir schon eine Metamorphose wie sie einst der Außenminister beschrieb.

Also, verehrter erster Mann im Staate: ich verlange nicht, das sie aus dem Amt laufen, aber wenn Sie mal die freie Zeit finden, regelmäßig zu laufen, dann eröffnet sich vielleicht ein neuer Blick, eine neue  Perspektive auf Sie selbst. Wir als Laufcommunity würden sie zumindest vorurteilsfrei gern als einen von uns aufnehmen, der sie ja als erster Bürger des Staates sowieso sind.
von  Lasse Laufen
27.01.2012 17:23
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