Alkoholfreies Bier: Optimal für schnelle Regeneration

Nach dem Laufen ist Bier ohne Alkohol ein sehr guter Durstlöscher. Warum Hopfen und Malz so empfehlenswert sind, erklärt hier unser Experte Günter Wagner vom Deutschen Institut für Sporternährung in Bad Nauheim.

Und wir haben 12 Sorten auf Geschmack und Inhaltsstoffe getestet. Von Pils über Weizen bis hin zu Mix-Getränken mit Bier. Hier geht's zum großen Biertest von laufen.de!

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Herr Wagner, ein alkoholfreies Bier schmeckt besonders nach langen Läufen richtig gut. Es ist ein schöner Kontrast zu den süßen Riegeln und Sportgetränken, die es meist auf der Strecke gibt. Aber ist alkoholfreies Bier auch aus ernährungswissenschaftlicher Sicht in dieser Situation zu empfehlen?

Günter Wagner:

Sehr sogar. Es ist magenfreundlich, das ist grade nach anstrengenden Belastungen wichtig, bei denen die Durchblutung der inneren Organe zugunsten der Extremitäten zurückgefahren wird. Aber vor allem enthält Bier die Nährstoffe, die Sportler nach der Belastung brauchen, um die entleerten Speicher wieder aufzufüllen: natürliche Kohlenhydrate, B-Vitamine und Kalium. Bier wird ja aus Weizen oder Gerste hergestellt. Und Getreide enthält von Natur aus Nährstoff-Komponenten in der richtigen Zusammensetzung, die dafür sorgen, dass der Körper Kohlenhydrate ganz schnell wieder einlagern kann. Dafür benötigt er vor allem Kalium. Und hier ist alkoholfreies Bier vielen Sportgetränken und Mineralwässern überlegen – die enthalten meist nur sehr wenig Kalium. Hinzu kommt, dass alkoholfreies Bier isotonisch ist. Das heißt die Konzentration der in ihm gelösten Teilchen entspricht der des Blutes. So können Wasser, Kohlenhydrate, Mineralien und Vitamine aus dem Bier sehr schnell vom Körper aufgenommen werden. Der Durst wird perfekt gelöscht, und die Regeneration beginnt schnell.

Aber warum trinkt man es dann nicht auch schon während des Sports?

Günter Wagner:

Das Kalium aus dem Bier benötigt der Körper nicht während der Belastung. Zu diesem Zeitpunkt geht es ja darum, Kohlenhydrate und Wasser schnell übers Blut den Muskelzellen zur Verfügung zu stellen, damit sie damit Energie für die Bewegung gewinnen können. Deshalb sind hier natriumhaltige Mineralwässer oder isotonische Sportgetränke mit dem richtigen Kohlenhydratgehalt die bessere Wahl – zumal der Hopfen im Bier ja auch beruhigend wirkt. Und das braucht man im Wettkampf ja eher nicht. Unter Belastung ist der Kalium-Spiegel im Blut erhöht, das Mineral geht aber auch über den Schweiß verloren. Wenn man nach dem Sport Kalium und Kohlenhydrate gleichzeitig zu sich nimmt, hilft man dem Körper, die entleerten Glykogen-Speicher schnell wieder zu füllen und beschleunigt so die Regeneration.

Unser Experte: Günter Wagner vom Deutschen Institut für Sporternährung
Unser Experte: Günter Wagner vom Deutschen Institut für Sporternährung

Günter Wagner berät am Deutschen Institut für Sporternährung in Bad Nauheim zahlreiche Hobby- und Spitzensportler. Er hat zahlreiche Bücher zum Thema Sporternährung veröffentlicht. In seinem Buch "Trink dich fit" beantwortet er so ziemlich jede Frage rund ums richtige Trinken beim Sport, bei der Arbeit und in der Freizeit. Das 176 Seiten starke Buch hat er zusammen mit Dr. med. Johannes M. Peil und Uwe Schröder verfasst.

Trink Dich Fit | 176 Seiten | pala-verlag Darmstadt | 14,00 Euro | ISBN 978-3-89566-291-1

Pils oder Weizen – Was ist besser?

Es gibt sicher auch Unterschiede zwischen den einzelnen Sorten. Ist alkoholfreies Weizen besser als alkoholfreies Pils?

Günter Wagner:

Was die Inhaltsstoffe angeht, sind beide Sorten gleich empfehlenswert. Allerdings enthält Pils weniger Kohlensäure als Weizenbier, das fast schon mit Sekt mithalten kann, was den Sprudelfaktor angeht. Weil man von Getränken mit geringerem Kohlensäuregehalt mehr trinken kann, würde ich direkt nach dem Sport eher zum magenfreundlicheren Pils raten, um genügend Wasser und Nährstoffe aufzunehmen. Aber die Entscheidung zwischen Pils und Weizen ist natürlich auch Geschmackssache.  

Wie findet man als Sportler das richtige alkoholfreie Bier für sich?

Günter Wagner:

Da kann man sich gut vom Geschmack leiten lassen. Dank des deutschen Reinheitsgebotes, das bei der Herstellung nur Malz, Hopfen, Wasser und Hefe als Zutaten zulässt, ähneln sich alkoholfreie Biere in der Zusammensetzung. Als Sportler kann man aber darauf achten: Je länger und intensiver man aktiv ist, desto höher kann der Kohlenhydratgehalt sein, je weniger intensiv, desto niedriger. Daneben ist auch ein möglichst hoher Gehalt an Vitamin B9, das auch als Folsäure bekannt ist, und an Vitamin B12 entscheidend. Diese Vitamine spielen wichtige Rollen im Stoffwechsel und sind auch an der Bildung der roten Blutkörperchen beteiligt. Das ist gerade für Ausdauersportler wichtig. Eine besondere Bedeutung hat Vitamin B12 für Vegetarier und Veganer. Da es fast nur in tierischen Lebensmitteln vorkommt, sind viele Sportler, die sich vegan ernähren, von einer Vitamin B12-Unterversorgung betroffen. Alkoholfreies Bier ist eines der wenigen rein pflanzlichen Lebensmittel, die Vitamin B12 in nennenswerten Mengen enthalten. Und natürlich sollten Sportler auf die Menge des enthaltenen Kaliums achten.

Sind alkoholfreie Mischgetränke mit Bier genauso empfehlenswert als Getränk nach dem Sport wie alkoholfreies Bier?

Günter Wagner:

Sie sind auch empfehlenswert, enthalten aber oft mehr Zucker als alkoholfreies Bier und und somit auch mehr Kalorien. In ihnen sind manchmal auch weniger natürliche Vitamine. Hier muss man genauer auf die Inhaltsstoffe des betreffenden Produktes schauen. Generell gilt hier: Je geringer der Limonadenanteil, desto höher ist der Bieranteil und desto empfehlenswerter ist das Getränk. Und umgekehrt: Je mehr Limonade ein Getränk enthält, desto geringer der Anteil der positiven Wirkstoffe des alkoholfreien Bieres im Mischgetränk.

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Direkt nach dem Sport ist Bier mit Alkohol tabu

Wird diese positive Wirkung durch den geringen Restalkohol abgeschwächt, der in den meisten alkoholfreien Bieren noch enthalten ist? Das Gesetz erlaubt ja einen Alkoholgehalt von bis zu 0,5 Prozent ...

Günter Wagner:

… physiologisch haben diese Alkoholkonzentrationen keine Wirkung. Es macht also nur psychologisch einen Unterschied, ob man zu alkoholfreien Bieren greift, in denen garantiert kein Alkohol enthalten ist, oder zu solchen mit den wirklich sehr geringen Restalkoholmengen im alkoholfreien Bier.

Ganz anders sieht das aber beim Bier mit Alkohol aus, oder?

Günter Wagner:

Ja. Von Bier mit 4, 5 oder 6 Prozent Alkoholgehalt kann ich direkt nach dem Sport nur abraten. Es verlängert Regenerationszeiten deutlich. Denn wenn der duch Sport belastete Körper mit größeren Alkoholmengen konfrontiert wird, ist er immer bestrebt, dieses „Vergiftungsproblem“ zuerst zu lösen, bevor er sich den regenerativen Prozessen widmet, mit denen die vom Sport angegriffenen Strukturen wieder aufgebaut werden. Und da Alkohol-Abbau und Regeneration teilweise von den gleichen Organen – wie beispielsweise der Leber – erledigt werden, dauert die Regeneration deutlich länger. Ein, zwei Bier mit Alkohol kann man sich zwar gönnen, aber man sollte damit warten, bis die Regeneration nach dem Sport in Gang gekommen ist und man etwas gegessen hat. Das Essen ist ja auch wichtig, um das für die Regeneration nötige Eiweiß zuzuführen. Denn das fehlt – wie in fast jedem natürlichem Erfrischungsgetränk – auch im Bier.