Bett-Sport-Reportage: Besserer Sex durchs Laufen?

Läufer haben einen knackigen Körper und halten lange durch. Gilt das auch fürs Bett? Oder sind die Kilometerfresser abends eher müde vom vielen Training? Wir haben uns mal umgehört ...

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175 Kalorien werden beim Sex bis zum Orgasmus ungefähr verbrannt. Zu wenig, um Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit beim Laufen zu haben. ©Fotolia

Hast du einen Waschbrettbauch und ist dein Po knackig? Sind deine Brüste schön und dein Bauch straff? Dann bist du fit und hast tollen Sex. Das ist die simple Rechnung, von Magazinen, im Fernsehen und im Internet tausendfach übermittelt. Und auch wenn natürlich kein Mensch so aussieht wie die Models auf den Covern der Fitness-Magazine – guter Sex hat mit Fitness zu tun. Und da sind wir Läufer natürlich weit vorn.

Nele ist 28 Jahre alt und hat vor knapp zwei Jahren mit dem Laufen begonnen. „Vorher war ich unzufrieden mit meinem Körper“, erzählt die Münchnerin. Vor einem Mann ausziehen, solange das Licht an ist? „Kam nicht in Frage“, erinnert sie sich kopfschüttelnd. Wenn sie mit ihrem damaligen Freund Sex hatte, dann meist unter der Bettdecke. „Aus heutiger Perspektive war das echt langweilig“, sagt sie.
Dabei war sie nicht mal dick. Sie fand aber ihre Brüste zu klein, die Oberschenkel zu weich und die Taille nicht schmal genug. „Irgendwie passte das alles nicht zusammen.“ Und dann kam die Trennung von ihrem Freund und das Ende ihres Studiums in Freiburg. Sie fand einen Job in der Marketing-Abteilung einer Brauerei in München – und neue Freunde, die sie zum Laufen animierten. „Vorher hatte ich jahrelang gar keinen Sport gemacht.“ Und dann merkte sie, dass ihr Körpergefühl mit jedem Schritt, den sie im Englischen Garten machte, besser wurde. „Natürlich habe ich auch ein paar Kilo abgenommen“, erzählt sie, „aber das ist gar nicht das wichtigste. Ich fühle mich einfach wohler in meinem Körper.“

Mit dem neuen Selbstbewusstsein ist sie auch ganz gern Single. Und kostet die Vorzüge des Nachtlebens in der Metropole München aus. „Ich bin ja nicht mal 30 und war acht Jahre lang mit meinem ersten Freund zusammen. Jetzt will ich was erleben.“ Sie probiert ihre Anziehungskraft aus und ist überrascht, wie stark die ist. „Ich habe das Gefühl, dass mein Sexleben jetzt erst los geht“, sagt sie. Dabei sind ihr One-Night-Stands eigentlich zu anstrengend. „Friends with benefits“ – das ist ihr Modell. Und am liebsten mit Männern, die auch laufen. „Das ist doch super“, sagt sie, „erst gehen wir eine Runde laufen, dann zusammen duschen und dann zeigen die mir, wie fit und ausdauernd sie sind.“

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Es gibt sogar wissenschaftliche Erkenntnisse, mit denen sich begründen lässt, warum Läufer auch im Bett mehr Spaß haben. „Durch Ausdauersport wird die Durchblutung erhöht, das wirkt sich natürlich auch positiv auf den Genitalbereich aus. Auch die Sexualorgane werden in Folge der besseren Durchblutung intensiver mit Sauerstoff versorgt“, erklärt Professor Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule in Köln. Die Folge: Man fühlt mehr und ist leichter erregbar.

Aber nicht nur die gesteigerte Durchblutung sorgt für Läufer-Lust. Auch der Hormonhaushalt wird so beeinflusst, dass der Spaß am Sex größer wird. „Beim Laufen werden in erhöhtem Maß Sexualhormonone ausgeschüttet. Bei Männern Testosteron und bei den Frauen Östrogene. Und das ist nun einmal der Schlüssel zur sexuellen Erregung“, sagt Professor Froböse. Dass Sportler mehr Sex haben als der Rest der Bevölkerung haben amerikanische Wissenschaftler in einer Untersuchung belegt. Danach sind Sportler im Bett um etwa ein Drittel aktiver als Sportmuffel.

Und auch wer Wettkämpfe läuft, muss keine Angst haben, dass Sex in der Nacht zuvor die Leistung schmälern könnte – natürlich vorausgesetzt, es bleibt nachher oder vorher noch genügend Zeit zum Schlafen. Professor Froböse: „Prinzipiell schadet Sex vor dem Wettkampf entgegen landläufiger Meinung nicht. Denn beim Sex werden die Glückshormone Dopamin und Endorphin produziert. Das  wirkt sich stimmungsaufhellend und entspannend aus. Allerdings bleiben die beim Sex produzierten Hormone nur etwa zehn Stunden lang im Körper, sodass ein Wettkampf am Nachmittag des anderen Tages davon gar nicht beeinflusst wird.“

Läufer entwickeln Körpergefühl und Selbstbewusstsein - das macht sie attraktiv.

Umgekehrt kann aber grade Wettkampfsport zumindest kurzfristig zu einem Problem fürs Sexleben werden. „Nach sehr intensivem Sport kann es sein, dass die Lust auf Sex sich in Grenzen hält. Besonders bei Extremsportlern kann das der Fall sein“, sagt Professor Ingo Froböse.

Das hat auch Nele schon erlebt. Vergangenen Herbst ist sie mit einem befreundeten Läufer nach Berlin gefahren. Samstags hin, sonntags läuft er Marathon, sie schaut zu und abends feiern beide gemeinsam – das war der Plan. Und der ging fast auf. Dass am Abend vor dem Rennen trotz des Doppelzimmers mit dem großen Bett nichts laufen würde, war Nele ja klar. „Der Kerl war nervös, musste in aller Herrgottsfrühe aufstehen und war mit den Gedanken ganz woanders.“

Sportler haben mehr Sex als der Rest der Bevölkerung

Was aber in der Nacht nach dem Rennen passierte, überraschte sie doch ein wenig. Nachdem ihr Freund in knapp unter 3:30 Stunden jubelnd ins Ziel gekommen ist, fahren sie ins Hotel. Duschen, ein bisschen ausruhen. Dann ein leckeres Abendessen beim Italiener in Kreuzberg. Nach einer Flasche Wein geht‘s in einen kleinen schnuckligen Club, tanzen, knutschen, reden. Gegen zwölf haben die beiden nur noch ein Ziel: ihr Hotelbett. Nach einer kurzen Taxifahrt geht’s in die Vollen. „Doch er konnte nicht mehr stehen. Und damit meine ich nicht auf den Beinen“, erinnert sich Nele.

Wenn ein Mann eine sportliche Extremleistung vollbracht hat, kann es passieren, dass er keine Erektion mehr halten kann. „Wir Frauen haben es da einfacher“, sagt Nele und lacht. Doch auch das Problem war natürlich nur ein sehr kurzfristiges, wie sich nach acht Stunden Schlaf herausstellte. „Wir hatten nach dem Aufwachen noch viel Spaß.“

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Wenn die beiden noch lange weiter laufen, stehen die Chancen nicht schlecht, bis ins hohe Alter viel Spaß am Sex zu haben. Das bestätigt Professor Froböse: „Wer regelmäßig Sport treibt, bleibt länger mobil und erhält damit auch länger ein selbständiges Leben aufrecht. Dementsprechend kann sich ein aktives und sportliches Leben auch auf ein langes und erfülltes Sexualleben auswirken.“

Und das sollte doch auch eine Motivation sein, lebenslang zu laufen. Denn eins ist klar: Der Gedanke, attraktiv und anziehend für mögliche Sexualpartner zu sein, ist ein großer Antrieb in die Laufschuhe zu schlüpfen. Nicht umsonst sind die Magazine, Websites und TV-Sendungen, die zeigen, wie man mit einem tollen Body mehr und besseren Sex hat, ziemlich erfolgreich.

Schadet Sex vor dem Wettkampf?

Prinzipiell hat Sex vor einem Wettkampf kaum Auswirkungen auf die Ausdauer-Leistungsfähigkeit. Anders  ist das bei Sportarten, die sehr viel Konzentration und Kraft in sehr kurzer Zeit erfordern. Allerdings sind die Effekte bei Frauen und Männern unterschiedlich.

Frauen werden aggressiver
Frauen produzieren beim Sex das männliche Sexualhormon Testosteron und werden dadurch aggressiver. Bei ihnen kann also auch vor einem Sprintwettbewerb der Geschlechtsverkehr leistungssteigernd wirken. Der Mannschaftsarzt der israelischen Olympia-Mannschaft meinte 2000 sogar festgestellt zu haben, dass Frauen, die vor dem Wettkampf Sex hatten, weiter gesprungen und schneller gelaufen sind.

Männer verlieren Angriffslust
Sex baut bei Männern Testosteron und somit Aggressivität ab. Bei schnellkräftigen Disziplinen mit viel Konzentration, wie dem 100-Meter-Sprint oder Gewichtheben, sollte man eventuell auf die Bettertüchtigung am Tag vor dem Wettkampf verzichten. Denn wer weniger aggressiv ist, kommt eventuell nicht so schnell aus den Startblöcken wie die Konkurrenz.