Mit dem Laufen begonnen, den Krebs besiegt

| Anja Herrlitz I Fotos: Jörg Schüler

Vom übergewichtigen Kettenraucher zum Halbmarathon-Läufer. Auf dem Weg in ein neues Leben hat Stephan seinen Alltag aufgeräumt und den Krebs bezwungen. Hier erzählen wir seine Geschichte.

Marathon in Köln. Stephan steht an der Strecke und schaut den Läufern zu, wie sie ins Ziel laufen. „Ich dachte geil, das will ich auch mal erleben. Wenn andere das können, muss das bei mir doch auch gehen.“ Allerdings: Er wiegt zu diesem Zeitpunkt 97 Kilo bei einer Größe von 1,77 Metern. Und raucht täglich rund zwei Schachteln Zigaretten.

Dass er unsportlich ist, kann man allerdings nicht sagen. „Ich habe immer Sport gemacht und habe auch mal hauptberuflich als Fitnesstrainer in Köln gearbeitet.“ 2005 macht er sich dann allerdings als Vermögensberater selbständig und der Sport wird erst einmal hintenangestellt. 92 Kilo trainierte Masse werden zu 92 Kilo untrainierter Masse. Später kommen noch einmal fünf Kilo dazu. Um ein wenig Gewicht zu verlieren, dreht er regelmäßig mit dem Mountainbike seine Runden. Laufend ist er allerdings nicht unterwegs.

Motivation für 2016: Neues Heft plus Laufkalender mit 3200 Events jetzt am Kiosk

Das neue Magazin von laufen.de ist da!

Motivation für 2016: Neues Heft plus Laufkalender mit 3200 Events jetzt am Kiosk

Damit wird 2016 dein Laufjahr: Unser neues Magazin verrät, wie du deine Ziele in Sachen Fitness und Gesundheit erreichst. Tolle Erfolgsstorys von Menschen, die durchs Laufen ihr Leben verändert haben, wechseln sich ab mit spannenden Reportagen, Produkttests, Wintertipps und mehr. Das 100 Seiten starke Heft liegt ab sofort am Kiosk - zusammen mit dem 228 Seiten und über 3200 Termine starken DLV-Laufkalender.

4,90 €

mehr erfahren
Stephan
"Fast alles im Leben ist Kopfsache. Mit einer positiven Einstellung und dem richtigen Willen ist alles zu schaffen" - und Stephan weiß, wovon er redet. ©JörgSchüler
Also steht dem Laufen nichts mehr im Wege. „Am Anfang habe ich mir gedacht, wenn du fünf Kilometer schaffst, dann ist das schon cool. Irgendwann bin ich zehn gelaufen und habe mich gefühlt wie nach einem Halbmarathon“, blickt er schmunzelnd auf seine Laufanfänge zurück. Mit einem Bekannten unterhält er sich über den Bonn-Marathon – und meldet sich einfach an. Das Ziel ist gesetzt: 6. April 2014. Das Training beginnt. Zu diesem Zeitpunkt weiß er nicht, dass er an diesem Tag gegen etwas ganz anderes kämpfen wird als gegen den inneren Schweinehund und müde Beine.
2015_01_13_einsteiger_marten_stephan_2_schüler

Der Kampf gegen den Krebs beginnt

Ende Januar 2014 geht er mit einem Kollegen laufen. Sie starten an ihrem Büro in Nideggen bei Düren in der Eifel. Als Stephan danach unter der Dusche steht, fühlt er einen Knoten am Hoden. Einer seiner Kunden in seinem Alter hatte vor ein paar Jahren Hodenkrebs, seitdem ist Stephan für das Thema sensibilisiert. Danach geht alles ganz schnell: „Am 5. Februar war ich beim Urologen. Beim Ultraschall wurde ein Tumor gefunden. Am nächsten Tag habe ich im Büro meine Vertretung organisiert, am 7. Februar wurde der Hoden operativ entfernt. Drei Tage später war ich wieder daheim.“ Doch das Thema ist damit nicht ausgestanden. Die Ärzte raten ihm zu einer Chemotherapie. Am besten sofort. „Zuerst stand ich da, habe angefangen zu heulen und mich gefragt, wieso ausgerechnet ich. Ich habe dann recherchiert und rausgefunden, dass Männer, die als Kind einen Hodenhochstand hatten, zur Risikogruppe gehören. Das war bei mir so.“

Stephan erbittet sich eine kleine Schonfrist. Anfang März hat er mit seiner Frau und Freunden ein Haus gemietet, zusammen wollen sie ein schönes Wochenende verbringen. Die Ärzte geben ihr Okay. Am Montag nach dem gemeinsamen Wochenende, am 10. März 2014, beginnt seine Chemotherapie im Krankenhaus in Düren. Unterstützung erhält er nicht nur von seiner Frau und Familie, sondern auch von Kollegen, die ihn im Gemeinschaftsbüro vertreten. „Die Ärzte haben gesagt, wir hauen mit allem drauf, was wir haben, sie sind jung, sie sind fit. Wir geben Vollgas, wir bekommen sie wieder gesund“, erinnert er sich.

Stephan2
Auf diese Medaille ist Stephan besonders stolz: 2014 finishte er – nur fünf Monate nach seiner letzten Chemotherapie-Infusion – seinen ersten Halbmarathon in Köln. ©Jörg Schüler
Eins ist jedenfalls sicher: Auch wenn die Rückstände der Chemotherapie erst nach zehn Jahren komplett aus dem Körper heraus sind – schon heute fühlt er sich unglaublich fit. Nicht zu vergleichen mit der Zeit, als er noch regelmäßig rauchte und an den 100 Kilo kratzte. Und anstatt einer Zigarette hat er heute auch viel lieber die Laufschuhe in der Hand – um sich für den nächsten Lauf fertigzumachen.
Stephans Tipp für Lauf-Einsteiger
Stephans Tipp für Lauf-Einsteiger

Fast alles im Leben ist Kopfsache. Mit einer positiven Einstellung und dem richtigen Willen ist alles zu schaffen.  Man sollte jedoch immer auf seinen Körper hören. Wenn mir nicht nach laufen ist, lasse ich es sein. Außerdem: Den Einstieg sollte man möglichst so gestalten, dass er einfach ist. In einen vernünftigen Laden gehen und eine Laufschuhanalyse machen lassen, um ordentliche Schuhe zu kaufen. Und dann: Ziele setzen, um dranzubleiben.

Zurück