Laufschuh-Designer Sean McDowell im Interview: „Immer besser werden“

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Nike Schuhdesign McDowell
Sean McDowell ist Creative Director bei Nike und verantwortlich für die Innovationen im Laufschuhbereich. | Foto: Nike
Die Free-Modelle von Nike zählen zu den erfolgreichsten Laufschuhen des vergangenen Jahrzehnts. Die leichten Barfuß-Schuhe sind als Sneaker und Laufschuh extrem beliebt. Wir haben mit dem Mann gesprochen, der hinter dem Erfolg der Nike Free steht: Sean McDowell (Foto) ist Creative Director bei Nike und verantwortlich für die Innovationen im Laufschuhbereich. Im Interview verrät der US-Amerikaner, wieso der Nike Free solch eine Erfolgsgeschichte aufweisen kann und wie eine neue Version eines bereits guten Schuhs noch besser wird.Sean McDowell, der Nike Free feiert dieses Jahr seinen zehnten Geburtstag und ist ein absoluter Bestseller. Hätten Sie vor zehn Jahren damit gerechnet, dass er so erfolgreich werden würde?Sean McDowell:Nicht in unseren kühnsten Träumen. Wir bei Nike haben uns immer das Beste gewünscht, aber wir hätten nie gedacht, dass er so erfolgreich werden würde. Alles begann relativ klein und wurde immer größer und größer.Warum ist der Nike Free solch ein Erfolg?Sean McDowell:Ich denke es gibt derzeit einen generellen Trend hin zum Natürlichen. Im Laufbereich hin zu natürlichen Bewegungen. Aber das gleiche kann man auch bei Bio-Lebensmitteln oder zum Beispiel Fortbewegung beobachten – wir wollen wieder mehr Fahrrad fahren und laufen. Ich denke der Nike Free passt mit seinem Konzept perfekt in diesen größeren Trend.Wenn der Nike Free schon jetzt eine Erfolgsgeschichte ist – wieso arbeiten Sie und Ihr Team immer weiter an Verbesserungen?Sean McDowell:Wenn man schon richtig gut ist, aber noch besser wird, dann kann man etwas richtig Großes erreichen. Für uns gilt deshalb: There’s no finish line – es gibt keinen Zielstrich. Wir hören nicht auf ein Produkt weiterzuentwickeln, nur weil etwas gut ist. Denn gut heißt nicht, dass es nicht großartig oder unglaublich sein könnte. Man kann immer besser werden.Deshalb gibt es zum zehnjährigen Jubiläum auch eine überarbeitete Version des Nike Free. Was ist neu daran?Sean McDowell:Wir haben drei Dinge verändert. Die Außensohle hat jetzt hexagonale anstatt viereckige Flexkerben. Dadurch unterstützen wir die multidirektionalen Bewegungen, die jeder Fuß macht. Denn Füße bewegen sich nicht nur in eine Richtung. Außerdem ist der Fersenbereich abgerundeter und anatomischer geformt, sodass er sich dem Fuß besser anpasst. Die letzte Neuerung ist, dass wir das Flyknit-Obermaterial, das sich bei anderen Modellen bereits bewährt hat, jetzt auch beim Nike Free einsetzen. Das gibt dem Schuh eine flexible aber gleichzeitig starke Oberkonstruktion.Wie kommen Sie auf all diese Neuerungen?Sean McDowell:Wir haben ein unglaubliches Team. Manche beschäftigen sich nur mit neuen Wegen der Produktion, andere sind immer auf dem neusten Stand der aktuellen Technologien und wieder andere stehen in ständigem Kontakt mit unseren Athleten, von denen sie Rückmeldungen bekommen. All diese Informationen bringen wir zusammen und erreichen so immer höhere Standards.Und was ist Ihre Rolle in diesem Prozess?Sean McDowell:Ich bin Vize-Präsident und Creative Director. Ich würde meine Rolle mit der eines Orchester-Dirigenten vergleichen. Es gibt Geigenspieler und Schlagzeuger und jeder spielt eine andere Rolle. Und ich bin derjenige, der versucht, alle zusammenzuhalten und dafür zu sorgen, dass eine gute Harmonie entsteht.
Nike Schuhdesign
Foto: Nike
Sie haben eben schon angedeutet, dass Sie viele Rückmeldungen von Athleten zu den Produkten bekommen. Können Sie alle Wünsche der Läufer bei Neu-Gestaltungen und Weiterentwicklungen berücksichtigen? Oder müssen Sie sich manchmal für eine Richtung und gegen eine andere entscheiden?Sean McDowell:Nun ja, ein Athlet fragte mich einmal, ob wir nicht Schuhe machen könnten, mit denen man Wände hochlaufen kann. Das können wir noch nicht. (lacht) Aber ich würde sagen, die meisten Wünsche unserer Athleten gehen in die gleiche Richtung. Sie wollen alle gute Dämpfung, sie wollen nicht das Auftreffen auf dem Boden spüren, sondern eine leichte und angenehme Landung. Sie wollen es komfortabel und gut passend und gleichzeitig flexibel.Wie lange dauert es normalerweise, bis ein eine neue Version eines Schuhs im Laden steht?Sean McDowell:Das kommt ganz darauf an wie groß die Veränderungen sind. Manchmal haben wir nur kleine Änderungen, wo wir das Rad nur ein Stückchen weiterdrehen, um ein bisschen besser zu werden. Aber das zehnjährige Jubiläum des Nike Free haben wir dafür genutzt, um mit wirklich großen Veränderungen aufzuwarten.Was ist eigentlich einfacher: einen komplett neuen Schuh zu entwickeln oder einen bereits guten noch ein bisschen besser zu machen?Sean McDowell:Ganz sicher ist es einfacher, einen guten noch besser zu machen. Viel, viel einfacher. Man hat dann schon eine Basis, auf der man aufbauen kann, 90, 95 Prozent des Produkts sind bereits gut und müssen nur noch ein bisschen verbessert werden. Das ist eigentlich recht einfach. Man kann verschiedene Optionen ausprobieren und entscheidet sich dann für die beste.Viele der neuen Schuhe sind sehr bunt. Wie wichtig ist der Style der Schuhe?Sean McDowell:Wir haben in unserem Team einen Farb-Spezialisten, der immer nach den neuesten Trends Ausschau hält. Wir beginnen mit den Ideen der Athleten, arbeiten dann an der Technologie, die in den Schuhen steckt, und zum Schluss kommt noch die Trend-Komponente hinzu. Ich denke wir gehören zu den führenden Herstellern der Industrie, wenn es darum geht vorherzusagen, was die Trendfarben sein werden.Verkauft Nike den eigentlich mehr von den bunten oder doch eher von schwarzen Schuhen?Sean McDowell:Das kommt ganz darauf an. Schwarz ist wohl immer noch die Farbe, von der wir am meisten verkaufen. Aber vor allem Jugendliche stehen besonders auf die bunten Farben.

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