Perfektes Equipment finden
Laufschuhe: Eine ganz neue Ära

| Interview: Christian Ermert & Anja Herrlitz | Fotos: Nike, Puma
Das Frühjahr 2016 bringt neue, aufregende Laufschuh-Modelle. Im Interview spricht Nike-Vizepräsident Phil McCartney über die wichtigsten Laufschuh-Trend

Das Frühjahr 2016 bringt neue, aufregende Schuh-Modelle. Herausragend dabei: Der Nike Lunar Epic, eine Reihe neuer Free-Modelle und die Wiederauferstehung der Disc-Technologie von Puma, die in 90er-Jahren schon einmal auf den Markt kam. Wir haben mit Phil McCartney von Nike über die wichtigsten aktuellen Trends gesprochen. Der Brite verantwortet als Vize-Präsident des größten Sportartikel-Herstellers der Welt die gesamte Produkt-Palette für Läufer und sieht ein neues Zeitalter, das in der Konstruktion von Laufschuhen begonnen hat.

Phil McCartney, was sind aus deiner Sicht die wichtigsten Laufschuhtrends des Olympia-Jahres 2016?

Phil McCartney: Laufen ist ein einfacher Sport. Der wichtigste Trend für mich ist, es nicht zu sehr zu verkomplizieren. Bei der Laufschuh-Entwicklung konzentrieren wir uns voll darauf, wie wir die Passform des Schuhs immer weiter verbessern können. Und darauf wie wir Schuhe produzieren können, die Läufern genau das Laufgefühl bieten, das sie suchen. Außerdem müssen Laufschuhe den natürlichen Bewegungsablauf des Läufers optimieren. Das heißt: Sie verstärken die positiven Elemente und schränken gleichzeitig Bewegungsmuster ein, die die Leistung begrenzen und die Verletzungsanfälligkeit erhöhen können.

Klingt einfach, aber dahinter stecken Forschung, Entwicklung und vor allem Ideen, schon gute Schuhe noch besser zu machen. Wie entstehen bei Nike neue kreative Ansätze fürs Laufschuh-Design?

Phil McCartney: Neben der Arbeit im Labor und am Computer sprechen wir viel mit Weltklasse-Läufern wie Mo Farah, Galen Rupp oder Shalane Flanagan, die sehr oft auf dem Nike-Campus in Portland trainieren. Sie geben uns das beste Feedback zu unseren Produkten, das man sich vorstellen kann. Und sie haben Ideen für Verbesserungen. Die fließen dann in die Entwicklung ein.

Der LunarEpic Flyknit von Nike mit Knöchelkragen

Im Test

Der LunarEpic Flyknit von Nike mit Knöchelkragen

Ein Laufgefühl wie auf weichem, federndem Waldboden – egal auf welchem Untergrund du grade unterwegs bist. Und dazu eine überragende Passform durch eine strumpfähnliche Verlängerung des Schaftes, die über den Knöchel reicht. Das verspricht der LunarEpic Flyknit von Nike. In unserem Test hat sich gezeigt, dass der Schuh hält, was Nike verspricht. Der Kragen über dem Knöchel sorgt tatsächlich für eine überragende Passform, zumal der Schuh mit zwei verschieden dicken Einlegesohlen geliefert wird, mit denen er sich der individuellen Fußform noch besser anpassen lässt. Und das Laufgefühl mit dem Schuh ist tatsächlich etwas ganz Neues. Nicht so direkt wie bei einem Natural Running-Schuh, aber doch sehr nah am Untergrund. Und trotzdem spürt man eine sehr komfortable Dämpfung und Unterstützung. Uns hat der Schuh auf Anhieb begeistert. Empfehlen können wir ihn aber vor allem Läufern mit einer neutralen Abrollbewegung, die nicht untrainiert sind und nicht zu schwer sind. Wer noch ein paar Kilo zu viel mit sich rumschleppt und beim Laufen im Sprunggelenk stark nach innen abknickt (Überpronation), sollte eher zu einem traditionelleren Schuh greifen, der ihm noch mehr Stabilität und Unterstützung bietet

180,00 €

mehr erfahren

Das wichtigste ist Abwechslung

Was können Hobbyläufer von solchen Weltklasse-Athleten lernen?

Phil McCartney: Vor allem, dass das wichtigste im Training Abwechslung ist. Beim Lauftempo, bei den Trainingsformen, aber auch beim Untergrund und den Schuhen, die sie tragen. Diese Athleten machen Tempoläufe auf der Bahn, lange Dauerläufe, laufen barfuß auf Gras und joggen auch mal ganz langsam, um sich zu erholen. Denn sie wissen: Nur wer nicht täglich dasselbe macht, wird besser und schützt sich gleichzeitig vor Verletzungen. Und wir bei Nike haben es uns zum Ziel gesetzt, jedem Läufer für jede Art von Lauftraining einen optimalen Schuh anzubieten, mit dem er genau die Lauf-Erfahrung machen wird, die er sich wünscht.

Klingt nach einer immer größeren Modell-Vielfalt …

Phil McCartney: … ja, aber damit Läufer nicht den Überblick verlieren und einfach Schuhe finden, die zu ihnen passen, haben wir unsere Modellpallette in drei Kategorien eingeteilt, die sich an den Erlebnissen orientieren, die Menschen beim Laufen haben wollen: Die erste richtet sich an alle, die schnell laufen wollen. In der „Run Fast“-Kategorie bieten wir leichte Modelle an, die optimal fürs schnelle Laufen geeignet sind. Die zweite Kategorie sind Schuhe, die Läufer auf langen Strecken unterstützen. Sie sind mit Top-Dämpfung auf Komfort ausgelegt und unterstützen den Läufer in seinem Bewegungsablauf immer dann, wenn er es braucht. Wir nennen diese Kategorie „Run Easy“. Zur dritten Kategorie – „Run Natural“ – zählen vor allem die Schuhe aus unserer Free-Serie, die dem Läufer helfen, den Bewegungsapparat zu stärken.

 

Der neue Puma Ignite Disc mit Dreh-Schnürung

Im Test

Der neue Puma Ignite Disc mit Dreh-Schnürung

Puma Disc? Da war doch was. Genau! Vor 25 Jahren brachten die Herzogenauracher einen Schuh mit der innovativen Dreh-Schnürung auf den Markt. Durchgesetzt hat sich das Disc-System allerdings (zunächst) nicht. Doch andere Hersteller adaptierten die Puma-Idee mit einer Zug-Schnürung. Man denke nur an Salomon, Hoka One One oder Mammut, die seit Neuestem auch auf eine Dreh-Schnürung setzen. Nun also das Disc-Comeback. Das Dreh-System ist deutlich filigraner und leichter als das früherer Jahre. Die Schnürung arbeitet extrem genau, der Schuh sitzt dadurch richtig gut am Fuß. Und das in Sekundenschnelle. Der knapp über 300 Gramm schwere Disc macht am meisten Spaß bei flotteren, nicht zu langen Läufen auf Straßen oder ebenen Waldwegegen. Die Ignite-Dämpfung arbeitet zuverlässig und ist dabei auch nicht zu weich. So bietet der schnittige Schuh ein sehr direktes Laufgefühl. Für nicht zu schwere Läufer ist der eher schmal geschnittene Neutralschuh eine echte Alternative (die gibt‘s übrigens auch bei der Farbwahl). Der Ignite ist der bis dato einzige Disc-Laufschuh. Weitere Modelle für schwerere Läufer und Läufer, die zur Überpronation neigen, sollen im Laufe des Jahres folgen. Auch in anderen Sportarten wird das Disc-System verwendet werden. Spikes gibt‘s bereits. So wird der schnellste Mensch aller Zeiten, Sprint-Weltrekordler Usain Bolt, auf dem Weg zu seinem (vielleicht) dritten Olympia-Hattrick die Disc-Spikes Evo-Speed tragen.

130,00 €

mehr erfahren

Lasertechnik für ein Laufgefühl wie auf weichem Nadelwaldboden

2016_04_12_lunar epic_nike_action

Wo ordnest du den brandneuen LunarEpic Flyknit ein, der mit seinem knöchelhohen Kragen und der Außensohle ganz ohne das übliche Hartgummi eine der größten Laufschuh-Innovation der vergangenen Jahre darstellt?

Phil McCartney: Der LunarEpic Flyknit soll eine vollkommen neue Ära der Laufschuhe eröffnen. Der über den Knöchel reichende Schaft bietet sicheren Halt. Der Schuh zählt zu den Modellen für lange Läufe. Er bietet Komfort, ein eher softes Laufgefühl und genügend Unterstützung, wo der Läufer sie braucht. Gleichzeitig vermittelt er aber auch ein überraschend direktes Laufgefühl. Wir haben ihn entwickelt, um Läufern einen Schuh mit überragender Passform zu bieten. Und ich denke, das ist uns gelungen.

Welche Technologien kommen dabei zu Einsatz?

Phil McCartney: Ich beginne mal mit der Passform. Das gesamte Obermaterial des Schuhs ist in einem Stück hergestellt – unser Flyknit-Material kommt ganz ohne Nähte aus und steigert die Nachhaltigkeit in der Produktion, weil viel weniger Abfall anfällt als in der herkömmlichen Laufschuh-Produktion, wo die einzelnen Teile für das Obermaterial zurechtgeschnitten und zusammengenäht werden müssen. Was aber noch wichtiger ist: Wir können damit genau die Materialeigenschaften herstellen, die der Fuß an den verschiedenen Stellen braucht. Ein sehr leicht dehnbares Material am neuen Kragen, das sich perfekt an den Knöchel anschmiegt und den Einstieg in den Schuh ganz leicht macht. Besonders atmungsaktiv ist der Schuh an den Stellen, wo beim Laufen viel Wärme entsteht. Wo der Fuß Unterstützung und Schutz braucht, ist das Material dagegen fest und sehr strapazierfähig. Einen großen Beitrag zur Passform liefert auch unsere Flywire-Technologie. Die Fäden sind in das Obermaterial eingewebt und bilden die Ösen für die Schnürsenkel. So passt der Läufer bei jedem Schnüren den Schuh exakt an seinen Mittelfuß an.

Auffällig ist auch, dass der LunarEpic ganz ohne die übliche, belastbare Außensohle auskommt, in der normalerweise eine härtere Gummimischung zum Einsatz kommt, die resistent gegen Abrieb auf Asphalt ist und für den nötigen Grip sorgt.

Phil McCartney: Als wir vor 18 Monaten mit der Entwicklung des Schuhs begonnen haben, war es unser Ziel, eine Sohle zu kreieren, die dem Läufer auf jedem Untergrund das Gefühl gibt, er liefe auf federndem Waldboden - bedeckt mit Fichten-, Tannen- oder Kiefernnadeln. Nach solch einem Untergrund suchen ja seit Jahrzehnten Läufer in aller Welt. Das ist uns gelungen, indem wir im LunarEpic mit der neuen Dual-Injection-Technologie durch Hitze – statt dem üblichen Klebstoff – zwei Schaumstoffschichten zu einem Stück verschmelzen. Dann werden mit Lasertechnik Lamellen in die Mittelsohle geschnitten, die für perfekte Dämpfung sorgen und gleichzeitig die natürliche Abrollbewegung des Fußes optimal unterstützen. Die Laser-Schnitttechnik erlaubt es uns auch, auf die Außensohle aus hartem Gummi zu verzichten. Die lammellenartigen Schnittstrukturen der Außensohle verringern die Reibung und erhöhen so die Haltbarkeit der Sohle. Gleichzeitig sorgen sie aber auch für Grip, indem sie sich jedem Untergrund anpassen. Unser Vorbild waren dabei Geckos. Die kleinen echsenartigen Tiere können dank der Lamellen an ihren Füßen ganz einfach senkrechte Wände hoch und runter laufen. Das Ergebnis ist ein bisher unerreichtes Laufgefühl. Sowohl Dämpfung als auch Grip werden maximiert.

Die neuen Free-Modelle von Nike

2016_04_12_nike_free_alle

Neben dem LunarEpic gibt es auch gleich drei neue Versionen der Natural Running-Schuhe aus der Free-Serie. Was hat sich hier verändert?

Phil McCartney: Wir haben vier Jahre lang daran gearbeitet, dass sich unsere Free-Modelle noch besser der natürlichen Bewegung des Fußes beim Laufen anpassen. Dazu muss man wissen, dass jeder Fuß beim Aufsetzen auf dem Boden größer wird: um zwei Weiten in der Breite und um eine ganze Größe in die Länge. Wir haben die neue Mittelsohle mit der geometrischen Tristar-Form entwickelt, die sich auseinanderspreizt und die natürliche Vergrößerung der Auftrittfläche erlaubt. Dadurch erreichen wir ein komplett neues Laufgefühl bei unseren Free RN-Modellen fürs Laufen. Und mit dem Free Train Force und dem Free Transform Flyknit, trainieren Frauen und Männer bei jedem Work-out ihre Fußmuskulatur gleich mit.

Die neuen Free-Modelle von Nike mit innovativer Mittelsohle

Im Test

Die neuen Free-Modelle von Nike mit innovativer Mittelsohle

Gleich fünf neue Free-Modelle bringt Nike dieses Frühjahr an den Start: Drei fürs Laufen und zwei fürs Work-out im Studio, im Kraftraum oder im Freien. Sie alle verbindet eine neue Technologie, mit der Nike neuen Forschungsergebnissen Rechnung trägt: Der Fuß wird beim Aufsatz auf dem Boden sowohl beim Laufen als auch im Fitnesstraining beim Hüpfen und Springen bis zu einer ganzen Größe länger und bis zu zwei breiter. Um dem Fuß diese natürliche Bewegung optimal zu ermöglichen, haben die Nike-Designer eine ganz neue Mittelsohle für die Free-Modelle entwickelt. Dreieckige Strukturen („Tristar-Form“) mit zahlreichen Kerben sorgen dafür, dass  der Schuh sich allen Bewegungen des Fußes anpasst. Wir haben sowohl die Trainings- als auch die Laufmodelle mit der neuen "auxetischen" Mittelsohlentechnologie getestet. Das Ergebnis: 2016 sind die besten Free-Modelle zu haben, die es je gab. Nicht nur, dass die Mittelsohle tatsächlich dem Fuß, die Bewegungsfreiheit lässt, die er braucht, wenn es zum Trainingsziel gehört, die Fußmuskulatur zu stärken. Besonders gut gefallen hat uns, dass das Flyknit-Obermaterial dem Fuß genau da Halt gibt, wo er ihn braucht, gleichzeitig aber an anderen Stellen die Freiheit gibt, für die Nikes Free-Modelle seit mittlerweile 12 Jahren stehen.

Die neuen Free-Modelle im Überblick

Bereits im Handel erhältlich sind die Die Modelle Nike Free RN, Nike Free RN Flyknit, Nike Free Transform Flyknit und Nike Free Train Force Flyknit. Der Nike Free RN Motion Flyknit folgt am 5. Mai. Alle Modelle können auf NIKEiD individuell personalisiert werden.

mehr erfahren