Andreas Bahl und der Lauf in ein neues Leben

Erst mit fast 40 Jahren begann Andreas Bahl mit dem Laufen. Knapp vier Jahre später nahm er im Projekt #DeinErsterMarathon die 42,195-Kilometer-Distanz erstmals in Angriff und finishte seinen Premieren-Marathon in Rotterdam. Dass er überhaupt zum Läufer wurde, war die Folge einer privaten Krise.

Läufer wurde Andreas Bahl erst über Umwege. Kein ärztlicher Rat, mehr Sport zu treiben, oder das schlechte Gewissen beim Blick auf die Waage waren der Auslöser. Geschweige denn war’s der Lieblingssport seit Kindesbeinen. Nein, die Trennung von seiner Frau vor knapp vier Jahren war indirekt dafür verantwortlich. „Zu Hause ist mir die Decke auf den Kopf gefallen. Da viele meiner Kollegen laufen, habe ich es auch einfach ausprobiert“, erinnert sich der 43-Jährige. Bereuen sollte er es nicht. Im Gegenteil: Laufen ist zum festen Bestandteil seines Alltags geworden. Erste Wettkämpfe folgten – bis zur Marathon-Premiere am 9. April in Rotterdam im Rahmen des Projekts #DeinErsterMarathon.

25 Läufer aus Nordrhein-Westfalen wurden im Projekt von Laufsport Bunert und dem Sportartikelhersteller New Balance auf ihre ersten 42,195 Kilometer vorbereitet. Mehr als 1500 Bewerbungen gab es für die Startplätze. Einzige Voraussetzung: Die „Marathon-Frischlinge“ sollten in der Lage sein, 10 Kilometer unter 70 Minuten zu laufen. Denn nur so war es realistisch, dass sie binnen knapp zehn Monaten den Rotterdam-Marathon finishen können. Wer dazu noch nicht in der Lage ist, sollte eine längere Vorbereitungszeit auf den Marathon wählen. „Ich habe überhaupt nicht damit gerechnet, ausgewählt zu werden. Als die Nachricht kam, habe ich mich umso mehr gefreut“, sagt Andreas.

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„Zur Not gehe ich ins Ziel“

Die Gruppe im Projekt  #DeinErsterMarathon war bunt gemischt. Vom Hobby-Triathleten bis zur Lauf-Einsteigerin ohne Wettkampferfahrung war alles dabei. Und mittendrin: Andreas Bahl. Er freute sich auf den 9. April und die 42,195 Kilometer in der niederländischen Hafen-Metropole. „Wobei ich großen Respekt vor der Strecke habe. Bisher bin ich zwei Halbmarathons gelaufen. Danach konnte ich mir nicht vorstellen, dieselbe Strecke noch einmal zu laufen“, sagt der Gelsenkirchener. Eine bestimmte Zielzeit steuerte er – wie die meisten Läufer des Projekts – ohnehin nicht an. Gut durchkommen hieß die Devise.

Dafür war eigentlich ein regelmäßiges Training von drei- bis viermal pro Wochen nötig. Doch Andreas Bahl machte im Winter des Öfteren die Gesundheit einen Strich durch die Rechnung. Über Wochen schleppte er sich mit einem hartnäckigen Infekt herum. „Da ich sogar Antibiotika nehmen musste, war an Lauftraining nicht zu denken“, sagt Andreas Bahl. Der Krankenpfleger hat 20 Jahre lang in Krankenhäusern gearbeitet und weiß, dass man nur einen gesunden Körper der Belastung des Ausdauertrainings aussetzen sollte.

So arbeitete Andreas seit Jahresbeginn die Trainingsdefizite Schritt für Schritt wieder auf. Sein Vorteil: Er ist im ambulanten Rehazentrum „Medicos Auf Schalke“ beschäftigt, gleich gegenüber der Veltins-Arena. Dort kann er selbst an Geräten Kräftigungsübungen durchführen oder seinen aktuellen Leistungsstand checken, nach dem der Trainingsplan ausgerichtet wird. Zu Beginn des Jahres lagen seine längsten Dauerläufe bei etwa 18 Kilometern. Am liebsten absolviert er die langen Läufe bei und zusammen mit seiner Lebensgefährtin im Erzgebirge. Laut Plan wurden vor Rotterdam einige Läufe von 30 Kilometern und mehr absolviert.

Marathon-Premiere geglückt

Ab und an wurde Andreas von seinem Sohn beim Training begleitet: „Er läuft natürlich nicht die volle Distanz, aber fünf, sechs Kilometer schafft er schon. Und das Wichtigste: Das Laufen macht auch ihm Spaß.“ Das Ziel für den 43-Jährigen beim Rotterdam-Marathon lautete: glücklich finishen. „Zur Not gehe ich auch ins Ziel“, sagt der angehende „Marathoni“.

Der 43-Jährige wollte seinen ersten Marathon ein Stück weit genießen, auch wenn er wusste, dass irgendwann die Schmerzen kommen würden. „Es wird wohl mein erster und einziger Marathon bleiben“, gestand Andreas im Vorfeld. Das haben schon unzählige Läufer vor ihm gesagt – und wurden auf den 42,195 Kilometern dann doch vom Marathon-Virus befallen. Vielleicht wird Andreas ja nicht nur Läufer, sondern auch Marathon-(Viel-)Starter über Umwege?

In Rotterdam feierte er jedenfalls sein erstes Erfolgserlebnis auf den 42,195 Kilometern Nach 5:34 Stunden finishte der 43-Jährige und lief dabei zwei ähnlich schnelle Hälften (2:42 und 2:52 Stunden). Beim Projekt #DeinErsterMarathon lag der Fokus ohnehin nicht auf schnellen Zeiten, sondern alle Starter sollten in ihrem absoluten Wohlfühltempo laufen. Und das war bei Andreas halt jenseits des Sieben-Minuten-Schnitts.

Das Projekt

Am 9. April starteten 25 Läuferinnen und Läufer aus Nordrhein-Westfalen ihr ganz persönliches Marathon-Abenteuer - ihr erstes Rennen über 42,195 Kilometer beim Rotterdam-Marathon. Für alle war es der erste. Wettkampferfahrung brachten einige mit, aber längst nicht alle. Dementsprechend warem die Trainingspläne individuell angepasst. Um keinen Läufer zu über- oder unterfordern, wurde eine spezielle Leistungsdiagnostik durchgeführt. Anhand der Laktatentwicklung im Blut wurden die individuellen Belastungszonen bestimmt.

Auch die passende Ausrüstung durfte natürlich nicht fehlen. New Balance kleidete die Athleten mit funktioneller Bekleidung und hochwertigen Laufschuhen ein. Damit jeder Teilnehmer auch den „richtigen Laufschuh“ für seinen Laufstil am Fuß hatte, erhielten die Gewinner bei Bunert eine professionelle Laufschuhberatung.