Halbmarathon-WM: Titel für Kamworor und Kebede, Scherl abgeschlagen

Geoffrey Kamworor und Netsanet Gudeta Kebede haben bei den Halbmarathon-Weltmeisterschaften in Valencia die Goldmedaillen gewonnen. Bei teilweise windigem Wetter und leichtem Regen lief der Kenianer 60:02 Minuten und sicherte sich diesen WM-Titel bereits zum dritten Mal in Folge während die Äthiopierin überraschend triumphierte und dabei in 66:11 einen Weltrekord für reine Frauen-Halbmarathonläufe erzielte sowie einen äthiopischen Landesrekord.

Seperate Weltrekordliste für Frauen

Der internationale Leichtathletik-Verband (IAAF) führt seit einigen Jahren für reine Frauenrennen, die es im Halbmarathon allerdings nur selten gibt, separate Weltrekordlisten. Die bisherige Bestzeit hielt die aus Kenia stammende Holländerin Lornah Kiplagat, die 2007 bei der WM in Udine 66:25 Minuten gelaufen war. Der Frauen-Weltrekord für die gängigen gemischten Halbmarathonrennen, bei denen Frauen und Männer gemeinsam laufen und die Frauen dann von männlichen Tempomachern profitieren können, steht bei 64:51 Minuten. Diese Bestmarke hatte die Kenianerin Joyciline Jepkosgei im vergangenen Herbst in Valencia aufgestellt.

Überraschender Sieg für Kebede

Joyciline Jepkosgei war auch bei der WM am Sonnabend am Start und galt nach der kurzfristigen, verletzungsbedingten Absage ihrer Landsfrau Fancy Chemutai als große Favoritin. Doch am Ende musste sie sich mit Platz zwei in 66:54 zufrieden geben. Nach einer Malaria-Erkrankung im Spätherbst 2017 ist Jepkosgei noch nicht wieder in Bestform. Dritte wurde ihre kenianische Landsfrau Pauline Kamulu in 66:56.

„Das Rennen lief wie geplant - ich habe dabei nur an die Goldmedaille gedacht“, erklärte die 27-jährige Netsanet Gudeta Kebede, die sich kurz nach Kilometer 13 absetzen konnte und ihren Vorsprung dann nach und nach deutlich vergrößerte. Vor zwei Jahren war sie bei der Halbmarathon-WM bereits Vierte und 2014 hatte sie Rang sechs belegt. 2015 gewann die Äthiopierin die Bronzemedaille bei der Crosslauf-WM, doch ansonsten gab es bisher keine ähnlichen Erfolge.

Ihre Halbmarathon-Bestzeit von 67:26 Minuten machte sie ebenfalls nicht zu einer Top-Favoritin. Deswegen kam ihr Sieg in Valencia am Sonnabend überraschend. Wie sie nach ihrem Triumph erklärte, war es ihre Taktik, den favorisierten Kenianerinnen in der ersten Hälfte nur zu folgen und dann erst später selber die Initiative zu ergreifen. Ihr Training sei darauf ausgerichtet gewesen, das schnelle Tempo durchhalten zu können. Neben der Siegprämie von 30.000 Dollar erhielt Kebede weitere 50.000 Dollar als Weltrekordprämie.

Kein runder Lauf für Anja Scherl

Als einzige deutsche Athletin bei den Weltmeisterschaften in Valencia war Anja Scherl am Start. Doch nach einer Reihe von guten Leistungen war es dieses Mal nicht das Rennen der Läuferin der LG Telis Finanz Regensburg. Mit einer Zeit von 76:13 Minuten kam sie mit großem Rückstand auf Platz 75 ins Ziel und war gut fünf Minuten langsamer als bei ihrer Bestzeit. „Ein Rennen zum Vergessen… Nach einer guten Vorbereitung lief es heute wirklich überhaupt nicht. Erst habe ich meinen Rhythmus nicht gefunden und dann kamen starke Schmerzen im Fuß dazu. Die Zeit von 76:13 ist nicht mein Anspruch, und ich bin sehr enttäuscht von diesem Ergebnis“, erklärte Anja Scherl auf ihrer Facebook-Seite.

Die 31-Jährige hatte in den letzten Monaten ein ungewohnt hartes Wettkampf-Programm absolviert. Im November war Anja Scherl in Valencia als Fünfte in 2:28:54 Stunden ihre zweitbeste Marathonzeit gelaufen, dann wurde sie im Januar Vierte in Osaka mit 2:29:29. Jetzt sollte nach der Halbmarathon-WM eigentlich noch ein Start bei den Deutschen Halbmarathon-Meisterschaften in Hannover am 8. April folgen. Ob es dazu kommt, bleibt abzuwarten. Für den EM-Marathon im August in Berlin ist Anja Scherl aber bereits qualifiziert.

Mit Fünf-Kilometer-Spurt souverän zum Titel

Im Rennen der Männer bewies Geoffrey Kamworor einmal mehr, dass er über die 21,0975-km-Distanz das Maß der Dinge ist. Als zweiter Läufer dieser WM-Geschichte gelang dem 25-jährigen Kenianer ein Hattrick. Zersenay Tadese (Eritrea) hatte zwischen 2006 und 2009, als die WM noch jährlich stattfand, sogar viermal in Folge gewonnen. Gut möglich, dass Geoffrey Kamworor mittelfristig auch einen Angriff auf den Weltrekord von Zersenay Tadese plant. Diese Zeit steht bei 58:23 Minuten. 

Nach einem eher verhaltenen Anfangstempo - eine 32-köpfige Spitzengruppe erreichte die 10-km-Marke nach 29:28 Minuten - machte Geoffrey Kamworor ab Kilometer 15 ernst. Was bis dahin passiert war, war für den Kenianer offenbar nur besseres Jogging-Tempo. Denn den nächsten 5-km-Abschnitt lief er in famosen 13:01 Minuten. Zum Vergleich: Die 5-km-Weltbestzeit - über diese Distanz gibt es keine offiziellen Weltrekorde - von Sammy Kipketer (Kenia) ist mit 13:00 nur um eine Sekunde schneller. Keiner konnte mit Geoffrey Kamworor in dieser Phase Schritt halten, und bei Kilometer 20 hatte er einen Vorsprung von 14 Sekunden auf Abraham Cheroben (Bahrain).

Am Ende gewann Kamworor mit 60:02 Minuten vor dem aus Kenia stammenden Cheroben (60:22). Dritter wurde überraschend Aron Kifle (Eritrea) in 60:31 während kein weiterer Kenianer einen Rang unter den Top Ten erreichte. Nicht unerwartet zeigte Julien Wanders eine starke Leistung. Als bester Europäer wurde der Schweizer mit 61:03 Achter.