Gesa Krause: „Ich bin hungrig auf mehr!“

Zwei deutsche Rekorde, zwei DM-Titel auf der einen Seite, der Sturz im WM-Finale auf der anderen: Hinter Hindernisläuferin Gesa Krause liegt ein Jahr mit Höhen und Tiefen. Im Interview erzählt die 25 Jahre alte Triererin, weshalb sie trotz der Rekorde ihr Saisonziel nicht erreicht und wie der Sturz im WM-Finale sie verändert hat.

Gesa, es war eine sehr aufregende Saison für dich. Highlights wie deine beiden deutschen Rekorde und der Doppelerfolg bei den Deutschen Meisterschaften steht dein Sturz bei der WM gegenüber. Was würdest du sagen: War es ein gutes oder nicht so gutes Jahr für dich?
Ich würde es grundsätzlich als ein sehr gutes Jahr bezeichnen. Aber auch als ein sehr lehrreiches und eines mit Höhen und Tiefen. Ich musste nach guten Wettkämpfen auch mit Niederlagen zurechtkommen. Aus diesen kleinen Löchern habe ich mich aber immer wieder herausgearbeitet.

Zu den Highlights zählten sicherlich die beiden deutschen Rekorde von 9:15,70 und 9:11,85 Minuten, die du im ersten und letzten Hindernis-Rennen der Saison gelaufen bist.
Ja. Ich bin in Doha früh in die Saison eingestiegen und gleich deutschen Rekord gelaufen. Das war sehr erfreulich. Und nach meinem Sturz im WM-Finale, konnte ich mich für das ISTAF noch einmal motivieren und bin dort zum Ende der Saison noch einmal Bestzeit gelaufen. Dafür habe ich gekämpft. Auch wenn ich von der Zeit jetzt noch nicht ganz da bin, wo ich gerne gewesen wäre, war das Jahr auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung und zeigt mir, dass noch mehr Potential in mir steckt.

Wie schnell wärest du denn gerne gewesen?
Mein Ziel für dieses Jahr war auf jeden Fall, unter 9:10 Minuten zu bleiben. Mein Autokennzeichen ist auch TR-GK 909.

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Trotz deutschem Rekord noch nicht am Ziel

Du bist in Berlin beim ISTAF 9:11,85 Minuten gelaufen – nur zwei Wochen nach deinem Sturz im WM-Finale. Wer so einen Rückschlag in so kurzer Zeit wegsteckt, hätte im WM-Finale sicher noch eine schnellere Zeit laufen können, oder?
Wenn man sich die Konkurrenz und den Rennverlauf von London anschaut, wäre es dort in einem perfekten Rennen möglich gewesen. Aber damit möchte ich mich im Nachhinein nicht mehr beschäftigen. So sind die 9:10 Minuten halt für nächstes Jahr mein Ziel und ich muss mein Nummernschild jetzt noch nicht ändern. Ich hoffe, dass ich das dann nächstes Jahr machen muss.

Vor zwei Jahren hast du bei der WM Bronze gewonnen. Ging es da dieses Jahr für dich wieder um eine Medaille?
Ich habe ein bisschen von einer Medaille geträumt. Ich sage immer, alles ist möglich in so einem Rennen, das hat gerade der erste und zweite Platz der US-Amerikanerinnen gezeigt. Aber an dem Rennen lässt sich nichts mehr ändern, und das ist auch gut so. Es gehört zu mir, zu meiner Geschichte. So traurig es auch war, ich werde stärker daraus hervorgehen.

Die WM-Medaillen sind mit Zeiten zwischen 9:02,58 und 9:04,03 Minuten weggegangen. Sind das Zeiten, die an einem perfekten Tag für dich möglich gewesen wären?
Das sind alles nur Spekulationen, die man jetzt anstellen kann. Die Zeiten sind schon noch einmal ein deutliches Stück schneller, als ich beim ISTAF gelaufen bin. Aber es war für mich auch schwer, nach dem Rennen von London meine Prioritäten so schnell zu verschieben. Zu sagen, okay, mein Saisonhöhepunkt ist schlecht gelaufen, jetzt wird mein Höhepunkt zwei Wochen später sein. Ich würde behaupten, meine Höchstform war in London. Ich war in einer unglaublich guten Verfassung, das zeigt auch, dass ich trotz dieses Sturzes noch 9:23,87 Minuten gelaufen bin, ohne richtig in das Rennen zurückzukommen. Das zeigt, was eigentlich in mir gesteckt hat. Was für eine Zeit das gewesen wäre, das wird man nie wissen. Ich bin mir sicher, dass ich ein Potential für unter 9:10 Minuten hatte, ob es für eine Medaille gereicht hätte, das weiß niemand.

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Hungrig nach Niederlage im WM-Finale

Was nimmst du aus dem WM-Finale mit?
Es hat mir gezeigt, dass in mir noch einiges steckt, was ich rauskitzeln will. Nach so einer Niederlage ist man immer hungriger denn je. Und dabei habe ich mit Wolfgang Heinig einen guten Trainer an meiner Seite. Ich bin sehr dankbar, ihn zu haben. Er hat wie ich Träume und hat seine Ziele auch noch nicht erreicht.

Welche Rolle spielen er und seine Frau Katrin Dörre-Heinig für dich?
Katrin trainiert ihre Tochter Katharina, mit der ich viel trainiere und mich gut verstehe. Wir sind ein Vierer-Gespann, das auch zusammen ins Trainingslager fährt. Ich bin auch in die Familie gewachsen und bin darüber sehr froh, weil ich mich dort wohlfühle. Katrin hat zwar keinen Einfluss auf mein Training, hat aber viel Erfahrung und gibt mir ab und an ein paar Worte mit, von denen ich profitiere. Und ich gehe davon aus, dass die beiden sich als Trainer auch mal austauschen.

Nach dem ISTAF hast du noch ein paar andere Wettkämpfe gemacht. Wie kam das?
Ich wollte Mitte September noch einmal beim Flutlichtmeeting meines Vereins Silvesterlauf Trier starten. Die Zeit zwischen ISTAF und diesem Meeting war aber relativ lange und es wäre mir schwergefallen, noch einmal eine dreiwöchige Trainingsphase einzulegen. Ich wollte ein bisschen Spaß haben und die Freude an Wettkämpfen genießen. Deswegen habe ich mir drei kleinere Wettkämpfe herausgesucht, die auch nicht zu weit weg waren.

In Pfungstadt bist du sogar noch eine Bestzeit gelaufen …
… dort waren nur 800 Meter im Programm und ich bin befreit in einem Männerrennen sehr gleichmäßig 2:03,09 Minuten gelaufen. Das hat mir gezeigt, dass ich auch in der Unterdistanz ganz fit bin.

Du hast dich in diesem Jahr nicht nur auf den Unterdistanzen, sondern auch im Halbmarathon versucht. Wie war das für dich?
Mein Trainer und ich wollten ein paar Dinge ändern im Training. Deswegen bin ich im Februar bei einem Halbmarathon in den Vereinigten Arabischen Emiraten gestartet. Über das Resultat muss man nicht reden, da stand keins, weil ich ausgestiegen bin. Ich hatte ambitioniert trainiert, weil ich nicht einfach nur durchlaufen, sondern eine gute Zeit laufen wollte. Wir sind fünf Tage vorher aus dem Training rausgegangen und direkt aus Kenia angereist. Ich glaube ich war nicht erholt genug, um die Zeit zu laufen, die ich im Training angedeutet habe. Das Projekt war trotzdem kein Fehler, weil das Training gut lief und mir in diesem Jahr sicher auch geholfen hat.

Aber kannst du dir vorstellen, später einmal auf die Straße zu wechseln?
Das ist sicher eine Kopfsache: Ob ich mich darauf einlasse und Spaß daran finde. Im Moment ist es für mich ein tolles Gefühl, meine Spikes zu schnüren und auf der Bahn ein Mittelstreckenrennen zu laufen, wo man auch mal ein bisschen taktieren kann, wo man das Gefühl hat man, läuft im Gleichschritt und wo man auch mal auf die Nase fällt, weil es so eng ist. Für mich ist das Feeling auf der Bahn etwas ganz besonderes. Mit den Straßenrennen kann ich mich bislang noch nicht so ganz anfreunden. Vielleicht kommt das noch.

Gerührt von Reaktionen nach dem WM-Finale

Hattest du nach dem WM-Finale von London eigentlich jemals Kontakt zu der Kenianerin Beatrice Chepkoech, die deinen Sturz verursacht hat?
Nein. Ich bin ihr aber auch nicht böse, es ist einfach unglücklich gelaufen. Zu vielen Kenianerinnen habe ich guten Kontakt, weil wir teilweise auch den gleichen Manager haben. Sie sind sehr freundlich. Beatrice Chepkoech, über die ich in London gestürzt bin, ist nicht bei diesem Manager. Sie ist auch eher schüchtern und zurückhaltend, aber auf keinen Fall unfreundlich, und wir hatten auch vorher nie Kontakt.

Ganz anders war aber die generelle Situation nach dem Rennen. Da haben sich sehr viele bei dir gemeldet, oder?
Ich war echt überrascht über die Resonanz. Die Nachrichten waren durchweg positiv und sehr herzlich, viele haben mich sehr gerührt. Ich hätte nie damit gerechnet, dass dieser Lauf und wie ich damit umgegangen bin, so gut ankommt. Das hat mich beeindruckt. Und ich bin sehr dankbar, die Reaktionen haben einen großen Anteil daran, dass ich alles gut verarbeiten konnte. Ich habe in dem Moment, als ich gestürzt war, an so etwas nie gedacht. Ich habe an meinen Trainer gedacht, es tat mir Leid für ihn, weil wir zusammen große Träume hatten. Wieder aufstehen war ein Reflex.

Hast du seit London eher Angst, bei einem Rennen zu stürzen?
Nein. Ein Sturz kann passieren. Und ich bin zum Glück ja auch nicht so schwer gestürzt, dass ich mir richtig wehgetan habe. Ich habe kein Trauma davongetragen.

Nach so einer Saison hat man sich seinen Urlaub aber auch redlich verdient, oder?
Ich habe mich selten so auf den Urlaub gefreut. Nicht weil ich keine Lust mehr habe, sondern weil ich merke, dass mein Körper am Limit ist. Sowohl physisch als auch mental. Ich konnte mich nur noch schwer motivieren und das Training fiel mir schwer. Direkt nach dem Flutlichtmeeting in Trier bin ich mit meinen Eltern für eine Woche nach Südfrankreich aufgebrochen. Und danach fahre ich mit meinem Freund zwei Wochen nach Bali.

Steht in der Zeit Sport auf dem Plan?
Ich habe Sportschuhe dabei. Aber der Plan ist, zwei Wochen keinen Laufsport zu machen. Danach wird es mir wieder in den Füßen kribbeln, und ich werde wohl auch wieder ein bisschen Sport am Ende des Urlaubs machen. Jemandem, der sonst ein- bis dreimal am Tag trainiert, fällt es schwer, nur auf der faulen Haut zu liegen. Aber ich muss ja nicht unbedingt laufen gehen.

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Vorfreude auf den Trierer Silvesterlauf

Und danach geht es los mit der Vorbereitung auf die EM-Saison?
Mitte Oktober fange ich wieder mit dem Training an. Dann habe ich zweieinhalb Monate Zeit, mich auf den Silvesterlauf in Trier vorzubereiten, um dann mit einer vernünftigen Form das Jahr abzuschließen und das neue Wettkampfjahr einzuleiten. Am 8. Januar geht dann mein erstes großes Trainingslager in Kenia los.

Du bist zum sechsten Mal in Trier am Start. Was macht den Silvesterlauf für dich aus?
Von den deutschen Silvesterläufen ist das einfach der Schönste. Es ist komprimiert mit seiner Ein-Kilometer-Runde durch die Trierer Innenstadt. Die Stimmung ist immer grandios, an jedem Punkt der Strecke ist Publikum und man wird angefeuert und vorwärtsgepeitscht. Auf dem Hauptmarkt mit Start und Ziel steigt ein großes Fest mit viel Musik. Meine Eltern waren die letzten Jahre immer dabei, mein Trainer fühlt sich hier wohl. Es ist für mich einfach der Ort, wo ich Silvester feiern möchte.

Und seit deinem Vereinswechsel ist es auch ein Heimspiel …
Ich fühle mich in Trier heimisch und zuhause, obwohl ich dort nicht wohne und auch nicht von dort komme. In Trier gehöre ich dazu, das hat sich in den letzten Jahren entwickelt. Man schätzt mich, und das ist etwas ganz Besonderes. Ich freue mich deshalb auf die nächsten Jahre.