Hanna Klein: Die Lauf-Aufsteigerin

Die Überraschung der bisherigen Saison auf der Laufbahn heißt Hanna Klein. Die 24-Jährige hat nach fulminanten Steigerungen schon zwei WM-Normen in der Tasche. Die Reise nach London würde sie am liebsten zusammen mit ihrem Freund antreten.

Hätte man vor dem Start der Sommersaison unter Leichtathletik-Experten eine Umfrage gemacht, welcher deutsche Top-Athlet als Erster zwei WM-Normen in Einzeldisziplinen schafft, wären an erster Stelle wahrscheinlich die Sprinter genannt worden. Die Namen Julian Reus (TV Wattenscheid 01), Gina Lückenkemper (LG Olympia Dortmund), Rebekka Haase (LV 90 Erzgebirge) oder Lisa Mayer (Sprintteam Wetzlar) wären wahrscheinlich am häufigsten gefallen. Oder vielleicht der des Mittel- und Langstrecken-Asses Konstanze Klosterhalfen (TSV Bayer 04 Leverkusen).

Doch keiner des Quintetts ist es, sondern eine Athletin, die bis vor wenigen Wochen noch „unter dem Radar lief“, nun aber mächtig Tempo aufgenommen hat: Hanna Klein (SG Schorndorf). Erst knackte die 24-Jährige am 19. Mai in Karlsruhe im Windschatten von Konstanze Klosterhalfen dank einer Zehn-Sekunden-Steigerung auf 15:17,14 Minuten die London-Norm über 5.000 Meter. Acht Tage später siegte sie Oordegem (Belgien) mit Meetingrekord über 1.500 Meter. 4:06,91 Minuten bedeuteten eine Steigerung um 1,65 Sekunden.
An den Fersen von Konstanze Klosterhalfen

„Bei den 5.000 Metern habe ich davon profitiert, dass Konstanze erst auf den letzten zwei Kilometern richtig Gas gegeben hat. Was sie leistet, ist der Wahnsinn“, zollt die Psychologiestudentin, die gerade ihren Bachelor gemacht hat und im Herbst mit dem Master-Studium beginnen wird, ihrer vier Jahre jüngeren Konkurrentin Respekt. Sie selbst habe sich im Vorfeld gar nicht so sehr mit der WM-Norm von 15:22,00 Minuten beschäftigt, ihr Trainer Uwe Schneider schon: „Ich wusste nach den Trainingsleistungen, dass sie die Norm laufen kann.“

Das Herz gehört der Mittelstrecke

Nach drei Wettkämpfen an acht Tagen steht für Hanna Klein nun wieder ein längerer Trainingsblock auf dem Programm. Der nächste Start in Rennspikes könnte die Team-EM am 24./25. Juni in Lille (Frankreich) sein. Denn die gebürtige Pfälzerin weiß: Trotz der beiden WM-Normen ist ihr der Start in London noch längst nicht sicher. Zu stark ist mittlerweile die Konkurrenz unter den deutschen Läuferinnen bei nur drei WM-Startplätzen pro Nation. „Darum kommt der Trainingsblock auch genau richtig“, sagt sie. Wichtigstes Qualifikationsrennen werden die Deutschen Meisterschaften am 8./9. Juli in Erfurt werden.

Obwohl Hanna Klein zuletzt auf den 3.000 Metern (Hallen-EM-Neunte) und 5.000 Metern überzeugen konnte, sieht sie sich ganz und gar nicht als Langstrecklerin. Ihr Herz gehört (noch) den 1.500 Metern: „Meine Lieblingseinheit im Training sind 3x5x200 Meter.“ Man sieht: Die Schorndorferin steht auf schnelle Läufe, selbst in der Vorbereitungsphase kommt sie nur auf relativ geringe Umfänge von 90 bis 100 Wochenkilometern. In den kommenden Wochen möchte sie zudem noch ein schnelles 800-Meter-Rennen bestreiten. „Mein Traum ist es, irgendwann unter zwei Minuten zu laufen“, sagt sie. Mit „Schallmauern“ auf den längeren Strecken hat sie sich hingegen noch gar nicht beschäftigt.

Klappt es mit dem WM-Start in London, würde sie die Reise zu gern mit ihrem Lebensgefährten antreten. Doch noch fehlen Marcel Fehr (SG Schorndorf) knapp neun Sekunden zur WM-Norm über 5.000 Meter. Der 24-Jährige steigerte sich in Oordegem ebenfalls deutlich auf 13:31,31 Minuten. Nun will er in den kommenden Wochen einen nächsten Norm-Anlauf wagen. Marcel Fehr wurde einst im Schüleralter von Uwe Schneider entdeckt und gefördert. Nach dem Verkauf seiner IT-Firma ist der Coach wie er selbst sagt als „ehrenamtlicher Vollzeittrainer“ tätig.

Als Duo von Schorndorf nach London?

Nach drei Attributen gefragt, die ihren Trainer am besten charakterisieren, sagt Hanna Klein ohne großes Zögern: „leidenschaftlich, ehrlich, emotional.“ Als Außenstehender möchte man am liebsten noch „erfolgreich“ hinzufügen. Schließlich hat er es mit viel Ausdauer geschafft, in einem kleinen Verein zwei WM-Kandidaten zu formen.

Dass sich durch ihre Beziehung zu Marcel Fehr auch im Alltag alles ums Laufen dreht, verneint Hanna Klein. „Wir trainieren meist dreimal die Woche zusammen. In der Gruppe gehen wir so miteinander um wie mit den anderen Sportlern auch. Außerdem haben wir viele außersportliche Interessen: Beispielsweise gehen wir gern ins Kino und reisen viel“, sagt die 24-Jährige. Urlaubspläne für Mitte August haben die beiden nicht gemacht. Mit einer rein sportlichen Reise zur WM nach London wird Hanna Klein allerdings bestens leben können.