Im Test: Sportuhren mit Pulsmessung am Handgelenk

Auf Pulsmessung mag beim Laufen heute kaum noch jemand verzichten. Auf den Brustgurt schon. Pulsmessung am Handgelenk ist eine echte Alternative. Wie sie funktioniert und was die Vor- und Nachteile sind. Plus: Vier Top-Uhren im Check.

Ein Blick auf die Uhr bestätigt, was man schon im Gefühl hatte: Der Puls ist viel zu hoch, das Tempo offensichtlich zu schnell. Lieber einen Gang rausnehmen, den Puls beruhigen und so auf Dauer effektiver trainieren. Wer heute laufen geht, hat meist eine Sportuhr am Handgelenk. Und misst damit nicht nur Zeit und Strecke, sondern beispielsweise auch die Herzfrequenz. Denn die ist bei der gezielten Steuerung des Trainings von zentraler Bedeutung. Wer immer zu schnell bei zu hoher Herzfrequenz unterwegs ist, bei dem kann Training nicht effektiv anschlagen. Viele Läufer stört aber der Brustgurt, den man zur Pulsmessung während des Laufs benötigt. Die einen fühlen sich durch ihn eingeengt, bei anderen scheuerte er. Für diese Läufer bieten die meisten Hersteller mittlerweile eine gute Alternative: Sportuhren mit Pulsmessung am Handgelenk. 

Die unterscheidet sich allerdings durch eine ganz andere Funktionsweise von der Herzfrequenzmessung mittels Brustgurt. Der misst elektrische Impulse direkt am Herz – die Messung ist EKG-genau. Ganz so perfekt läuft Pulsmessung am Handgelenk (noch) nicht, denn hier wird kein elektrischer Impuls gemessen. Das Herz pumpt Blut in den Körper. Dies geschieht stoßweise, sodass der Blutstrom wie der einer Welle ist. Das kannst du am Handgelenk mit dem Finger fühlen. Die Pulsmessung mittels Uhr am Handgelenk ist also im Grunde die technologische Weiterentwicklung der althergebrachten Pulsmessung durch das Auflegen der Finger. 

An der Unterseite einer Sportuhr mit optischer Pulsmessung sind eine oder mehrere LED-Lampen, von denen Licht durch die Haut des Arms gesendet wird. Anhand des zurückgeworfenen Lichtes wird der Blutvolumenfluss und damit der Puls berechnet. Diese Messmethode ist nicht EKG-genau, bringt aber trotzdem gute und verlässliche Ergebnisse.
Probleme gibt es allerdings in manchen Situationen. „Bei einem niedrigen Blutdruck gibt es nur eine kleine Blutwelle, die dann eventuell nicht eindeutig messbar ist. Zu Beginn eines Laufs kann das ähnlich sein“, erklärt Marc Meurer, der bei Polar die Abteilung Produkt und Sportwissenschaft leitet.

Außerdem gibt es weitere Aspekte, die die Messgenauigkeit beeinflussen können. Zum einen darf die Uhr nicht zu locker aber auch nicht zu fest am Handgelenk sitzen. „Sitzt sie zu locker, kann das Licht nicht in die Haut eindringen“, erklärt Marc Meurer. Sitzt sie zu fest, werden die Kapillargefäße der Oberhaut abgeschnürt. Am besten sitzt die Uhr, wenn sie kurz hinter dem Handgelenk getragen wird und der Sensor auf der Unterseite einen leichten Abdruck auf der Haut hinterlässt. Auch die Außentemperatur ist von Bedeutung. „Wenn man im Winter mit kurzen Ärmeln unterwegs ist, ist die Haut entsprechend kalt und nicht gut durchblutet. Dadurch wird es eventuell auch schwieriger zu messen“, so Meurer. Auch eine sehr starke Behaarung kann dafür sorgen, dass das Licht nicht ausreichend eindringt. Außerdem funktioniert das System bei heller Haut sehr viel besser. Dunkelhäutige Menschen werden nicht so glücklich mit der Messmethode. Wer genau an der Stelle tätowiert ist, wo der Lichtsensor sitzt, wird gar kein Ergebnis erhalten, weil das Licht die Farbschicht in der Oberhaut nicht durchdringt.

Vor einem muss man übrigens keine Angst haben: dass das Licht, das in den Körper geleitet wird, schädlich ist. Dazu ist es viel zu schwach und es scheint auch nicht dauernd, sondern nur intermittierend im Tausendstel-Millisekunden-Bereich in die Haut. Auch wenn es nach wie vor Abweichungen zur Herzfrequenz-Messung mit Brustgurt gibt und die Zuverlässigkeit etwas niedriger ist – mittlerweile liefern Sportuhren mit Pulsmessung am Handgelenk sehr gute Ergebnisse, mit denen Hobbyläufer und ambitionierte Sportler gut versorgt sind. Und zwar nicht nur die, die Brustgurte nicht mögen.

laufen.de Experte Manfred Xhonneux vom Runner Shop Aachen
laufen.de Experte Manfred Xhonneux vom Runner Shop Aachen

Mein persönlicher Favorit ist die neue Polar M430. Eine ebenso schicke wie alltagsfähige Multifunktionsuhr mit exzellenter Pulsmessung inklusive einem Fitnesstest am Handgelenk. Die integrierte Funktion zur Schlafoptimierung wertet dieses Modell zusätzlich auf. Für mich ein Laufcomputer mit großem Funktionsumfang zum attraktiven Preis für jede Läuferin und jeden Läufer.

Garmin FR235

Garmin

Garmin FR235
Gewicht 41 g
Wasserdichte bis 50m
Akkulaufzeit mit GPS bis zu 11 Stunden
Displaygröße 215x180 Pixel
Anpassung der Display- 
Einstellungen
direkt an der Uhr,
bis zu je vier Felder auf zwei Seiten
Analyse-Software Garmin Connect
Activity Tracking  ja, Ziel wird angepasst
Besonderheiten sehr leicht, Smartphone-Notifications,
Fahrradmodus, VO2-max-Schätzung,
Lauf-Prognose 
GPS-Ortung und -Konstanz findet GPS schnell und problemlos
und verliert es auch im Wald und Städten
mit hohen  Häusern nicht

349,00 €

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Für ambitionierte Läufer

Wer schon einmal mit einer Garmin-Uhr gelaufen ist, fühlt sich beim Forerunner 235 gleich wohl. Und auch Garmin-Neulinge finden sich schnell zurecht: Die Menüführung ist meist selbsterklärend und die Uhr schnell nach individuellen Wünschen konfiguriert. So können beispielsweise die Daten, die während des Laufs auf zwei verschiedenen Seiten angezeigt werden, nach persönlichen Vorlieben frei zusammengestellt werden – zwischen einem und vier Datenfeldern pro Seite sind möglich. Auf drei weiteren Datenseiten werden verschiedene Herzfrequenzdaten sowie die Uhrzeit dargestellt.

Die Uhr findet das GPS normalerweise innerhalb weniger Sekunden. Schneller geht es, wenn man dort bereits einmal gelaufen ist. Unterwegs hält die Uhr das Signal verlässlich, auch im Wald oder zwischen hohen Häusern ist auf sie Verlass. Und wer einmal nicht im Freien unterwegs ist, sondern in der Halle, kann mit einem integrierten Beschleunigungsmesser Daten zu Distanz und Pace speichern, sodass kein separater Laufsensor nötig ist, man aber nicht auf die Daten zum Lauf verzichten muss. Beim Radfahren kann der Forerunner 235 ebenfalls eingesetzt werden. Auch bei Sonnenlicht lässt sich das Display gut ablesen.

Alle erhobenen Daten können über Bluetooth in die Garmin Connect-App auf dem Smartphone übertragen und dort oder am Computer ausgewertet werden. In den FR 235 ist zudem ein Activity-Tracker integriert, der fortwährend Schritte, zurückgelegte Distanz, Puls, Schlafdaten, Kalorien, Tagesziel-Fortschritt und Inaktivitätszeiten misst.  Kleiner lustiger Bonus: Auf das Display der Uhr kann mithilfe der Garmin Face it-App ein persönliches Foto geladen werden. Alles in allem bietet der Forerunner 235 ein breites Leistungsspektrum, das vor allem ambitionierten und technikbegeisterten Läufern gefallen wird.

Polar M430

Polar

Polar M430
Gewicht 51 g 
Wasserdichte bis 30 m
Akkulaufzeit mit GPS bis zu 8 Stunden
Displaygröße 128x128 Pixel
Anpassung der Display- 
Einstellungen
über Polar Flow
Analyse-Software Polar Flow
Activity Tracking  ja, 24/7
Besonderheiten sehr leicht bedienbar, gutes Display,
Smartpone-Notifications möglich,
Sleep Plus (Überwachung des Schlafs),
über 100 Sportprofile, Trainingspläne,
Erholungsstatus, Track-Back-Funktion
GPS-Ortung und -Konstanz GPS wird schnell gefunden, 
konstante Messung 

229,95 €

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Günstiger Alleskönner

Die Polar M400 war in den vergangenen Jahren Deutschlands meistgekaufte Laufuhr. Hoher Funktionsumfang, fairer Preis. Seit diesem Sommer steht nun der Nachfolger mit Pulsmessung am Handgelenk beim Händler. Und startet ebenso erfolgreich wie sein Vorgänger.  Mit 229,95 Euro ist die M430 zwar etwas teurer geworden, aber im Vergleich zu konkurrierenden Modellen ist das neue Polar-Modell eindeutig Preis-Leistungssieger, schließlich sind neben der sehr genauen Pulsmessung über die von Polar neu entwickelten Technologie mit 6 Mess-Dioden auch andere interessante Funktionen hinzugekommen.

Aber fangen wir mit der Bedienung an. Auch Polar-Neulinge haben die Bedienung der Uhr blitzschnell verstanden. Sicher navigiert man durchs sauber strukturierte Menü. Vorher allerdings sollte man sich bei Polar Flow (flow.polar.com) registrieren und idealerweise auch gleich die App aufs Smartphone  laden. Über Polar Flow lassen sich nach dem Lauf nicht nur alle Auswertungen analysieren, hier können auch die wichtigsten Voreinstellungen vorgenommen werden. Zum Beispiel, welche Daten ich während des Laufs ansehen möchte. Hier fehlt wirklich nichts. Kleines Manko: Die Höhenmessung ist nicht barometrisch – aber das bekommt man ehrlicherweise auch erst in einer deutlich höheren Preiskategorie. 

Ist die Uhr über Bluetooth mit dem Smartphone verbunden, lassen sich die Daten per Knopfdruck blitzschnell ins Polar Flow Portal übertragen. Und in der App lassen sich alle Auswertungen ansehen. Auch in der Uhr selbst sind die wichtigsten Trainingsdaten abrufbar – ein großer Vorteil gegenüber manchem Konkurrenten. Toll ist die neue Schlaffunktion Sleep Plus und das 24/7-Activity-Tracking, die dem User interessante Daten zur erholsamen Schlafzeit und der Tagesaktivität liefern. Die M430 hat uns auf Anhieb begeistert. Mehr Laufuhr bekommt man für diesen Preis nirgendwo anders.

Suunto Spartan Sport Wrist HR

Suunto

Suunto Spartan Sport Wrist HR
Gewicht 74 g
Wasserdichte bis 100 m 
Akkulaufzeit mit GPS bis zu 12 Stunden
Displaygröße 320x300 Pixel
Anpassung der Display- 
Einstellungen
Online über Movescount
Analyse Software Movescount
Activity Tracking  rund um die Uhr,
mit Schritt- und Kalorienangaben
Besonderheiten 80 vorinstallierte Sport-modi,
Routenansicht in 3 D,
Track-Back-Funktion 
GPS-Ortung und -Konstanz Sehr gut,
alternativ GLO NASS wählbar

499,00 €

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Großes Display, stolzer Preis

Mit der Spartan Wrist HR hat Suunto nun auch die erste Sportuhr mit Herzfrequenzmessung am Handgelenk auf den Markt gebracht. Nicht nur optisch macht die Uhr einiges her. Dank der Vielzahl an vorinstallierten Sportprofilen bietet sich die Multifunktionsuhr als optimaler Trainingspartner für ambitionierte Läufer, Triathleten, Radfahrer oder Schwimmer an. 

Der optische Pulssensor misst die Herzfrequenz unkompliziert und zuverlässig am Handgelenk. Das GPS-Signal wird schnell gefunden. Besonders gut gefallen hat uns die Streckenführung auf einer Karte während des Trainings. Hat man eine entsprechende Route geladen, kann man dieser sehr einfach folgen. Die Bedienung der Spartan Sport Wrist HR erfolgt über einen farbigen Touchscreen und drei Tasten. (Wer möchte, kann die Touchscreen-Funktion auch deaktivieren). Das Display reagiert bei Berührung zuverlässig, der Kontrast ist sehr scharf – die Daten sind daher sehr gut ablesbar. Per Bluetooth können bei Verbindung mit dem Smartphone SMS und E-Mails angezeigt werden. 

Die Trainingsdaten lassen sich nach Übertragung am Smartphone, Tablet oder Rechner anschauen und auswerten. Zum Speichern und Analysieren der Trainingsdaten arbeitet Suunto mit dem Programm Movescount. Auf dem Rechner oder in der Smartphone-App lassen sich zudem die Sportprogramme und die Trainingsansichten auf dem Display individualisieren und an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Die Übertragung auf das Smartphone braucht recht lange. Die Übertragung der Daten am Rechner geht deutlich schneller.

Die Spartan Wrist HR ist mit einem Displaydurchmesser von 4,5 Zentimetern recht groß – daher für schlanke Handgelenke nur bedingt geeignet. Das ist – neben dem hohen Anschaffungspreis – jedoch nur ein kleiner Abzug in der B-Note bei dieser sehr hochwertigen und mit vielen Funktionen ausgestatteten Sportuhr.

TomTom Runner 3 Cardio + Music

TomTom

TomTom Runner 3 Cardio + Music
Gewicht 50 g
Wasserdichte bis 40 m
Akkulaufzeit mit GPS bis zu 11 Stunden
Displaygröße 22x25 mm
Anpassung der Display- 
Einstellungen
über Portal
Analyse-Software TomTom Sports
Activity Tracking  Ja, mit Zielangabe
Besonderheiten Musik Player (3GB Speicher),
Ein-Knopf Bedienung, Routenfunktion
GPS-Ortung und -Konstanz Quick GPS, Updates aber
regelmäßig erforderlich,
Signal konstant

249,00 €

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Ein Knopf für viele Funktionen

Wer einen der Vorgänger dieses Modells kennt, wird auch die TomTom Runner 3 lieben. Wer zum ersten Mal mit einer TomTom-Uhr in Berührung kommt, muss sich erstmal an die Ein-Knopf-Bedienung gewöhnen. Hat man das Prinzip durchschaut, ist man davon begeistert. Durch einfaches Klicken navigiert man dann zielsicher durchs Menü und lässt sich die gewünschten Daten anzeigen. Dabei besticht die TomTom Runner 3 Cardio durch konstantes GPS Signal – allerdings ist für das Quick GPS ein regelmäßiges Update erforderlich, das sich aber leicht bei der Synchronisation erledigen lässt. 

Die Herzfrequenzmessung arbeitet zuverlässig, die Uhr muss für eine konstante Anzeige nicht zu eng geschnallt werden. Die Ungenauigkeiten der ersten Generation dieser Technologie sind ausgemerzt. Hier hat sich TomTom wirklich weiterentwickelt. Ganz neu bei der dritten Generation dieser Laufuhr ist die Routenfunktion. Leider dauert es auch für erfahrene User etwas, bis man alles verstanden und eingestellt hat. Wer sich durch die Bedienungsanleitung (auch per Video) gearbeitet und den ersten Track geladen hat, freut sich über diese gute Funktion und lässt sich per Wurmnavigation sicher führen.

Wie ihr Vorgänger bietet die Runner 3  auch Modi für Radfahren, Schwimmen, Laufband, Studio und Freestyle an, um das Training möglichst vielseitig gestalten zu können. Ebenso kann innerhalb der verschiedenen Modi das Training mit zusätzlichen Einstellungen zu Herzfrequenzbereichen oder Intervallen noch spezifiziert werden.
Wer gerne mit Musik läuft, für den ist das hier getestete Modell inkl. einem 3 GB großen Musikspeicher ein Traum.  Einziges Manko: Mit Musik, GPS und Herzfreuqenzmessung im Vollbetrieb wird die angegebene Akku-Laufzeit von „bis zu 11 Stunden“ deutlich verfehlt. Für einen Halbmarathon reicht es aber allemal.