Der Wochen(end)-Rückblick
100.000 beim zweitägigen London-Marathon – Deutsche Läuferinnen auf EM-Kurs
Deutsche Läuferinnen sind über 800 Meter und 3000 Meter Hindernis sehr stark. Der London-Marathon findet 2027 einmalig mit 100.000 an zwei Tagen statt. Und deutsche Siege beim Zugspitz-Ultratrail.
Die sportlichen Laufnachrichten der vergangenen Woche wurden von den deutschen Mittelstrecklerinnen bestimmt. Mit Majtie Kolberg (LG Kreis Ahrweiler) und Smilla Kolbe (Eintracht Frankfurt) sind diesen Sommer schon zwei deutsche 800-Meter-Läuferinnen unter 1:59 Minuten geblieben. Während Majtie Kolberg das in Pfungstadt (1:58,67 min am vorvergangenen Samstag) und im niederländischen Hengelo (1:58,78 min am Sonntag) bereits zweimal gelungen ist, steigerte sich Smilla Kolbe am Mittwoch beim internationalen Meeting im französischen Montreuil bei Paris auf 1:58,99 Minuten.
Dass zwei deutsche Läuferinnen in einem Jahr die 800 Meter in weniger als 1:59 Minuten gelaufen sind, hat es seit 36 Jahren nicht mehr gegeben. 1990 feierten Sigrun Wodars (1:55,87 min) und Christine Wachtel (1:56,11 min) bei der EM in Split (Kroatien) einen Doppelsieg für die DDR im letzten Sommer deren Existenz. Mit Yvonne Mai war damals noch eine dritte Läuferin vom SC Neubrandenburg mit 1:58,83 Minuten so schnell wie die heutigen Top-Läuferinnen.
Die ausführlichen Berichte zu den Meetings in Hengelo und Montreuil findest du auf leichtathletik.de.
Majtie Kolberg läuft 800 Meter zweimal unter 1:59 Minuten
Gute Aussichten also für die Leichtathletik-Europameisterschaften, die in diesem Jahr vom 10. bis 16. August im britischen Birmingham stattfinden. Könnte man meinen. Zumal Smilla Kolbe vor den Toren Paris‘ Hallen-Europameisterin Agathe Guillemot aus Frankreich hinter sich gelassen hat. Allerdings ist das Niveau über 800 Meter der Frauen in Europa dieses Jahr extrem hoch.
Die erst 22 Jahre alte Schweizerin Audrey Werro hat sich mit 1:53,98 Minuten dem unfassbare 43 Jahre alten Weltrekord von Jarmila Kratochvilova bis auf sieben Zehntel angenähert. Hengelo-Siegerin Femke Bol-Broeders rangiert mit 1:57,13 Minuten auf Rang vier der aktuellen europäischen Bestenliste. Schneller als die 400-Meter-Hürden-Europarekordlerin waren mit Keely Hodgkinson und Georgia Hunter Bell zwei Britinnen in 1:54,33 und 1:55,93. Die beiden Deutschen folgen auf Rang zehn und 13 – ein Einzug ins EM-Finale wäre also ein großer Erfolg.
Gesa Krause nach Straßenfrühjahr auf kurzen Strecken schnell
Während Lea Meyer mit 9:13,67 Minuten in Stockholm bereits ihre Visitenkarten über ihre Top-Strecke abgegeben hat und dabei bis auf vier Sekunden an ihre Bestleistung (9:09,21 min) herangelaufen ist, hat Gesa Krause nach einem Frühjahr als Straßenläuferin gezeigt, dass ihre Konzentration auf den Halbmarathon dem Tempo auf kurzen Distanzen nicht geschadet hat: Beim Diamond League-Meeting in Doha (Katar) wurde die 33-Jährige in einem Weltklasse-Feld über 1500 Meter Vierte und verbesserte ihre persönliche Bestzeit auf 4:04,28 Minuten.
Und das, nachdem sie sich noch im März beim Generali Berliner Halbmarathon auf 68:59 Minuten über 21,0975 Kilometer gesteigert hatte. Ihr erstes Rennen über die 3000 Meter Hindernis will sie am 4. Juli beim Diamond League-Meeting im US-amerikanischen Leichtathletik-Mekka Eugene bestreiten. Übrigens am amerikanischen Nationalfeiertag, an dem die deutsche Fußballnationalmannschaft in Houston (Texas) bei der WM ein mögliches Achtelfinale gegen Frankreich bestreiten könnte …
Zwei Tage London-Marathon: 100.000 können starten
In der Marathonszene machte am Wochenende die Meldung die Runde, dass der London-Marathon künftig an zwei Tagen ausgetragen wird. Allerdings in Form einer einmaligen Sonderausgabe nur im nächsten Jahr, sodass zu erwarten ist, dass ab 2028 auch in London wieder alle am Sonntag Marathon laufen.
Für nächstes Jahr wird es durch die Ausdehnung auf zwei Tage aber möglich, dass insgesamt 100.000 beim London-Marathon starten. Die Organisatoren reagieren damit auf den enormen Andrang von Bewerbern und verdoppeln die Chancen auf einen Startplatz für alle Teilnehmenden an der Verlosung. Der traditionsreiche Straßenlauf in der englischen Millionen-Metropole, bei dem der Kenianer Sabastian Sawe in diesem Jahr in 1:59:30 Stunden einen neuen Weltrekord gelaufen war, findet am 24. und 25. April statt. Gelaufen wird an beiden Tagen auf der in London üblichen Strecke mit dem Ziel vor dem Buckingham Palace.
„Das ‚London Marathon Double‘ 2027 ist unsere bislang ehrgeizigste Weiterentwicklung – eine einmalige, generationenprägende Neuinterpretation dessen, was ein Marathon und ein stadtweites Fest der Bewegung sein können“, sagte Geschäftsführer Hugh Brasher. Er betonte, dass die Ausweitung auf zwei Tage eine einmalige Ausnahme bleibe. Der Bewerberrekord von 1.338.544 übertrifft den bisherigen Höchstwert von 1.133.813 Anmeldungen für den London-Marathon 2026 deutlich.
Zugspitz Ultratrail: Emotionaler Heimsieg für Tobias Fritz
Und dann war da ja auch noch der Salomon Zugspitz Ultratrail, der zum ersten Mal unter Regie der UTMB-Serie ausgetragen wurde. An vier Veranstaltungstagen verwandelte sich die Zugspitzregion rund um Garmisch-Partenkirchen in einen internationalen Treffpunkt der Trailrunning-Szene. Knapp 5000 Läuferinnen und Läufer aus 49 Nationen gingen auf sieben Distanzen zwischen 16 und 107 Kilometern. Aufgrund von Gewittern mussten einzelne Strecken aus Sicherheitsgründen angepasst werden. Der ursprünglich als 100-Meilen-Rennen geplante ZUT100 wurde auf 107 Kilometer mit 5.280 Höhenmetern verkürzt. Auch die Strecken des Ultratrails und des Ehrwald Trails wurden am Freitag auf 74 Kilometer beziehungsweise rund 3.000 Höhenmeter angepasst.
Für einen der emotionalsten Momente des Wochenendes sorgte Lokalmatador Tobias Fritz. Nachdem er im vergangenen Jahr auf dem ZUT100 als Führender ausscheiden musste, sicherte er sich nun auf der angepassten Strecke den Sieg in 12:04:35 Stunden. „Zu Hause zu gewinnen, ist etwas ganz Besonderes. Mein allererstes Trailrennen war vor neun Jahren ebenfalls der ZUT. Jetzt hier den Sieg zu holen, ist einfach unglaublich“, sagte Fritz im Ziel. Bei den Frauen verteidigte Joana Tallmann ihren Titel aus dem Vorjahr und gewann in 14:26:28 Stunden. Auch auf den übrigen Distanzen gingen die meisten Siege aufs Konto der deutschen Trailrunner.
Die Ergebnisse des Salomon Zugspitz Ultratrail powered by Ledlenser
ZUT100* (107 Kilometer | 5280 Höhenmeter)
Männer
- Tobias Fritz (Deutschland/12:04:35)
- Moritz Dammann (Deutschland/12:51:22
- Yurick Aregger (Schweiz/12:58:18
Frauen
- Joana Tallmann (Deutschland/14:26:28
- Pia von Keutz (Deutschland/16:03:41
- Clara Schütte (Deutschland/16:05:03
Ultratrail* (74 Kilometer | 3000 Höhenmeter)
Männer
- Manuel Hartweg (Deutschland/7:07:22)
- Simon Gosselin (Frankreich/7:21:10)
- Michel Nouguier (Deutschland/7:25:20
Frauen
- Rosanna Buchauer (Deutschland/7:25:54)
- Lisa Wimmer (Deutschland/7:45:25)
- Juliane Bruness (Deutschland/8:17:22)
Ehrwald Trail* (74 Kilometer | 3296 Höhenmeter)
Männer
- Tomáš Hudec (Tschechien/7:03:14)
- Edoardo Rossano (Italien/7:07:45)
- Dominik Matt (Österreich/7:11:22)
Frauen
- Ida-Sophie Hegemann (Deutschland/8:07:17)
- Julia Metzner (Deutschland/9:16:06)
- Maren Schöttke (Deutschland/9:21:25)
Leutasch Trail* (69 Kilometer | 3.140 Höhenmeter)
Männer
- Sven Koch (Deutschland/5:55:58)
- Andreu Simon Aymerich (Spanien/6:18:16)
- Marek Causidis (Tschechien/6:20:25)
Frauen
- Miria Meinheit (Deutschland/7:15:22)
- Hannah Kilgenstein (Deutschland/7:56:18)
- Marie Oberlé (Frankreich/7:58:17)
Mittenwald Trail (44 Kilometer | 2110 Höhenmeter)
Männer
- Hans-Peter Innerhofer (Österreich/3:39:51)
- Lennart Muschinski (Deutschland/3:45:59)
- Leon Schübel (Deutschland/3:47:22)
Frauen
- Lena Laukner (Deutschland/4:15:45)
- Evi Gudelius (Deutschland/4:31:55)
- Martina Dal Bosco (Italien/4:37:16)
Garmisch-Partenkirchen Trail (29 Kilometer | 1.565 Höhenmeter)
Männer
- Dominik Hohenleitner (Deutschland/2:17:54)
- Pierre-Emmanuel Alexandre (Deutschland/2:35:06)
- Florian Nowak (Deutschland/3:47:22)
Frauen
- Silvia Schwaiger (Slowakei/2:45:40)
- Nadine Hubel (Deutschland/2:54:43)
- Amelie Muss (Österreich/2:55:35
Grainau Trail (16 Kilometer | 760 Höhenmeter)
Männer
- Konstantin Wedel (Deutschland/1:07:26)
- Clemens Dobner (Deutschland/1:14:09)
- Xavier Kerwyn (Belgien/1:16:39)
Frauen
- Johanna Ehrenklau (Deutschland/1:23:01)
- Rocco Nathalia González (Paraguay/1:29:15)
- Amelie Hagedorn (Deutschland/1:32:58)
*) aufgrund der Wetterbedingungen verkürzte Strecken