Der Wochen(end)-Rückblick
Deutsche Meisterschaften: Gesa Krause tankt mit Titel Selbstvertrauen für die EM
Gesa Krause scheint nach einem packenden Rennen auf EM-Medaillenkurs. Auch Frederik Ruppert, Robert Farken zeigten sich in Wattenscheid in Top-Form. Erster Frauentitel für Vanessa Mikitenko.
Das Beste zum Schluss: Das packendste Rennen um die nationalen Titel in den Laufdisziplinen lieferten sich bei den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Bochum-Wattenscheid drei Athletinnen, die auch in Europa zur Crème de la Crème gehören: Die zweimalige Europameisterin Gesa Krause, die EM-Zweite Lea Meyer und die junge Olivia Gürth belegen kurz vor den Europameisterschaften im britischen Birmingham die Plätze zwei, drei und sechs in der kontinentalen Rangliste über 3000 Meter Hindernis.
Und es waren diese drei Läuferinnen, die das Rennen bei den Deutschen Meisterschaften veredelten. Nach einem ruhigen ersten Kilometer in 3:19,14 Minuten übernahm Lea Meyer vom VfL Löningen das Kommando und sorgte für ein Tempo, dem nur noch Gesa Krause (Silvesterlauf Trier e.V.) und ihre 24 Jahre alte Vereinskollegin Olivia Gürth folgen konnten. Eingangs der letzten Runde dann die entscheidende Attacke von Gesa Krause, mit der sie das Rennen entschied.
Am Ende stand trotz des verhaltenen Beginns ein neuer Meisterschaftsrekord. Schneller als 9:24,40 Minuten war die 33-Jährige bei keinem ihrer sechs DM-Siege zuvor über 3000 Meter Hindernis gelaufen – und auch keine andere Deutsche Meisterin. „Ich bin sehr, sehr froh, dass ich nach vier Jahren endlich wieder Deutsche Meisterin werden konnte. Das Rennen gibt mir viel Zuversicht für die EM in zwei Wochen“, meinte Gesa Krause, die dieses Jahr mit 9:07,50 Minuten bereits die zweitschnellste Zeit ihrer Karriere gelaufen ist und von Rang zwei der europäischen Bestenliste aus auf die EM blicken kann.
Vanessa Mikitenko holt sich über 5000 Meter den ersten Frauen-Titel
Am ersten DM-Tag hatte sich mit Vanessa Mikitenko eine weitere Athletin vom Silvesterlauf Trier e.V. über 5000 Meter in 15:29,46 Minuten ihr erstes DM-Gold bei den Erwachsenen geholt. Sie meinte danach: „Der Plan ist heute perfekt aufgegangen. So hätte ich es mir natürlich nur erträumen können. Ich wusste, dass ich hinten raus noch etwas zusetzen kann. Dass ich mich während des Rennens aber so gut fühlen würde, hätte ich mir nicht besser wünschen können.“
Die U23-Läuferin wird der große Star der R5K-Tour für den Laufnachwuchs sein, wenn die Serie am 6. September beim CURREX Alsterlauf in Hamburg und am 26. September beim BMW BERLIN-MARATHON fortgesetzt wird. Die Anmeldung ist jetzt für alle unter 23-Jährigen geöffnet, die fünf Kilometer in weniger als 22 Minuten laufen können: www.r5k-tour.de.
Karl Bebendorf gewinnt trotz Sturz über 3000 Meter Hindernis
Die weiteren Goldmedaillen holten am Samstag zwei Hindernisläufer, die zur europäischen Spitze zählen: Karl Bebendorf (Dresdner SC) gewann trotz eines Sturzes auf seiner Spezialstrecke, indem er die 3000 Meter Hindernis in 8:21,01 Minuten lief. „Der Sturz war auf jeden Fall unfreiwillig. Ich bin irgendwie nach der Landung hängen geblieben und dann lag ich irgendwie schon auf der Bahn. Aber zum Glück war das fast vier Runden vor Schluss und ich konnte noch relativ schnell an das Feld ranlaufen.“
Der deutsche Rekordler über diese Strecke beendete einen Ausflug auf die 5000 Meter ohne Hindernisse mit Gold: Frederik Ruppert (LAV Stadtwerke Tübingen) gewann in 14:08,15 Minuten vor Florian Bremm (Franconia Athletics/14:09,03 min). „Ich wollte mit dem Rennen Selbstbewusstsein für die EM tanken“, sagte er im Ziel, „das gibt mir jetzt noch einmal Auftrieb. Nachdem ich krank war, habe ich auch mental ein wenig Probleme gehabt. Jetzt fühle ich mich wieder wohler. In Birmingham muss ich natürlich topfit sein.“
Stimmungsblock feiert Maximilian Thorwirth für Bronze zum Abschied
Bronze sicherte sich in seinem letzten Rennen zum Abschluss einer großen Karriere Maximilian Thorwirth (LAV Stadtwerke Tübingen) in 14:11,15 Minuten. „Es ist wundervoll. Ich hätte es mir nicht schöner vorstellen können“, erklärte der dreimalige deutsche Hallenmeister. Natürlich ist die Saison mit den Verletzungen nicht gut verlaufen, aber ich habe das Beste daraus gemacht. So wie wir hier im Stadion empfangen und durch die Runden getragen wurden, ist der Wahnsinn.“
Den Stimmungsblock, der ihn bei seinem letzten Rennen ins Ziel schrie, hatte Maximilian Thorwirth vor einem Jahr selbst mit ins Leben gerufen. In Bochum-Wattenscheid war er noch einmal deutlich größer geworden – und am Samstagabend stand der 31-Jährige nach packenden 5000 Metern davor, schlug die Hände immer wieder vors Gesicht und feierte minutenlang mit Familie und Freunden.
Bereits vor einigen Monaten hatte Thorwirth sein Karriereende nach der Saison 2026 öffentlich gemacht. Seine Abschiedssaison war von Verletzungen geprägt: ein Sehnenriss in der Wade im Herbst, neuromuskuläre Probleme im Frühjahr, dazu Atembeschwerden im Mai.
Mit einer Bestzeit von 13:10,50 Minuten über 5000 m ist Thorwirth der sechstschnellste Deutsche der Geschichte. Dreimal wurde er deutscher Hallenmeister über 3000 m, sein bestes internationales Ergebnis war ein achter Platz bei der Hallen-WM 2022 in Belgrad. Bei den Freiluft-Meisterschaften über 5000 Meter holte er dreimal Silber (2020, 2021, 2023) und nun zum zweiten Mal nach 2025 Bronze. International stand er 2022 bei der WM in Eugene und 2024 bei der EM am Start. Der Leichtathletik bleibt Thorwirth erhalten: als Organisator der New Balance KÖ MEILE, als DLV-Athletensprecher – und als Co-Host des Podcasts „Auslaufen".
Robert Farken mit schnellem 1500-Meter-Rennen auf EM-Kurs
Am Sonntag lief dann Robert Farken (SG Motor Gohlis-Nord Leipzig) im Rennen über 1500 Meter lief in seiner eigenen Liga. Obwohl das Tempo schon zügig war, beschleunigte der Deutsche Rekordler 600 Meter vor Schluss und zog immer weiter davon. Im Ziel stoppte die Uhr für den Titelverteidiger nach 3:35,33 Minuten. „Ich wusste, dass ich mich – egal bei welchem Rennverlauf – eigentlich nur selbst schlagen kann“, meinte der 28-Jährige, der diese Saison bereits drei deutsche Rekorde über 1500 Meter und die Meile aufgestellt hat. „Jetzt bin ich in der besten Form meines Lebens. Und ich hoffe, dass ich da noch etwas bis zu den Europameisterschaften drauflegen kann. Ich gehöre dort sicherlich zum Kreis der Medaillenkandidaten“, kündigte er für die Europameisterschaften in Birmingham Großes an. Marc Tortell (Athletics Team Karben) folgte in 3:38,69 Minuten vor Florian Zittel (Cologne Athletics; 3:40,94 min).
Ganz so überlegen war die Titelverteidigerin im Rennen der Frauen nicht. Aber auch Jolanda Kallabis (FT 1844 Freiburg) setzte sich in der Schlussrunde entscheidend ab und siegte in einem taktischen Rennen in 4:21,15 Minuten. Die Jahresschnellste Verena Meisl (TV Wattenscheid01/4:21,93 min) sammelte ihre nächste DM-Medaille ein. Die Titelträgerin von 2024 Vera Petrykowski (Cologne Athletics/4:22,32 min) wurde Dritte.
Über 800 Meter wartete Alexander Stepanov (VfL Sindelfingen) lange ab. Auf den abschließenden 200 Metern demonstrierte der Titelverteidiger der Konkurrenz dann seine Überlegenheit und setzte sich in 1:48,44 Minuten durch. Das Podest komplettierten Adrian Engster (TV Villingen; 1:48,95 min) und Tom Stöber (TV Wetzlar; 1:49,27 min).
Auch das 800-Meter-Finale der Frauen war eine taktische Angelegenheit. Titelverteidigerin Smilla Kolbe (Eintracht Frankfurt) zeigte mit einer Schlussrunde unter 60 Sekunden ihre Klasse und lief ungefährdet in 2:02,20 Minuten zum Sieg. U20-Europameisterin Jana Becker (Königsteiner LV) arbeitete sich aus einer ungünstigen Position noch auf den Silberrang (2:02,72 min) nach vorne. Lara Tortell (Athletics Team Karben; 2:03,08 min) spurtete als Dritte erstmals aufs DM-Podest.
Bei den auch in Wattenscheid ausgetragenen Deutschen Jugend-Staffelmeisterschaften haben die Mittelstreckler des TuS Köln rrh. einen neuen deutschen U20-Rekord über 3x1.000 Meter aufgestellt. Finn Jakob Merheim, Jan Emanuel Merheim und Lasse Block liefen in 7:15,55 Minuten souverän zum Titel und unterboten die 29 Jahre alte Bestmarke des Erfurter LAC (7:17,17 min) aus dem Jahr 1997, zu dessen Trio auch der spätere 800-Meter-Olympiasieger Nils Schumann gehörte.
Die Zwillinge Finn Jakob und Jan Emanuel Merheim sind beide für die U20-WM in Eugene (USA; 5. bis 9. August) nominiert. Trainingspartner Lasse Block hatte erst vor zwei Wochen bei der U20-DM Jan Emanuel Merheim zur WM-Norm verholfen. Hinter den Kölnern belegte der Dresdner SC mit Elias Morgenstern, Lennox Gyulai und Ole Steinbach in ebenfalls sehr starken 7:18,01 Minuten Platz zwei.