Knacki rennt: Wo ist unser Mut geblieben?

In der modernen Lauf-Welt ist uns der Mut zum Risiko ein Stückweit abhanden gekommen – das ist laufen.de-Kolumnist Knacki Deuser aufgefallen, als er in Bielefeld zu einem Trainingslauf in unbekanntes Gelände aufbrach.

Unser Autor: Knacki Deuser
Unser Autor: Knacki Deuser

Er ist der Erfinder und das Gesicht der Kult-Show „Night Wash“, die als Wiege der aktuellen Generation deutscher Erfolgs-Comedians gilt. Mario Barth, Johann König, Bernard Hoëcker, Olaf Schubert, Bülent Ceylan, aber auch Carolin Kebekus – sie alle gingen durch die Schule von Klaus-Jürgen alias „Knacki“ Deuser. Was aber bisher nur wenige wussten: Der Entertainer, Sprecher, Coach und TV-Macher pflegt neben der Comedy eine zweite große Leidenschaft: das Laufen. 2018 will er bei den Senioren-Weltmeisterschaften im spanischen Malaga über 1500 Meter antreten. Hier schreibt er auf, was ihm beim Training so durch den Kopf geht.

Was, wenn aus einem Bielefelder Park ein riesiger Wald wird?

Ich war neulich in Bielefeld – und ich mache jetzt auch keinen Witz über die Stadt. Die gibt es wirklich, und die ist auch richtig schön. Ich hatte abends einen Auftritt und wollte nachmittags noch etwas trainieren. Das Wetter war schön, also bin ich einfach von meinem Hotel in Richtung eines kleinen Parks losgelaufen. Schnell durfte ich feststellen, dass das gar kein Park war, sondern eher ein kleines Wäldchen, und nach weiteren drei Minuten wurde aus dem Wäldchen ein ausgewachsener Wald.

Und jetzt war ich mir plötzlich gar nicht mehr sicher: „Was mache ich? Traue ich mich jetzt wirklich weiter in den Wald hinein oder drehe ich besser um?“ Unglaublich, was einem in solchen Momenten alles durch den Kopf schießt: „Was passiert, wenn ich mich verlaufe? Ich hab ja kein Handy dabei. Keine GPS-Uhr. Keine Lauflampe. Nicht, dass sich dieser Wald plötzlich als das größte zusammenhängende Waldgebiet Ostwestfalens entpuppt? Wo bekomme ich dann Wasser her? Wo würde ich aus dem Wald wieder herauskommen? Verstehen mich die Menschen, wenn ich dort nach dem Weg fragen müsste. Und will ich überhaupt nach dem Weg fragen?“

Und da wurde mir plötzlich sehr klar: Wir sind einfach nicht mehr richtig mutig. Heute, da überlegen wir fünfmal, ob wir etwas Neues wagen oder ob wir uns trauen in fremdes Terrain abzubiegen. Seien wir ehrlich: Heutzutage gilt man doch schon als mutig, wenn man morgens um acht seine Wohnung mit einem Handy verlässt, dessen Akku nur noch 48 Prozent geladen ist.

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Früher - als wir noch Nachtwanderungen gemacht haben

Leute, wir waren doch mal anders?! Überlegt mal! Früher waren wir mutig. Früher haben wir Nachtwanderungen gemacht – nachts. Wenn ich das meiner Tochter erzähle, dann schaut die mich mit großen Augen an: „Wie, im Dunkeln? Ohne Handy, Smartphone und Taschenlampe?“ „Ja nur mit Fackeln!“  „Wie, ihr hattet Feuer?“

Noch einmal Zurück zu meinem Bielefeld-Erlebnis. Ich hab mich dann für den Wald entschieden. Ich hab mich fürs Abenteuer entschieden. Ich hab mir in meinem Kopf ausgemalt, wie ich gleich auf den Bäumen nach Moosflechten Ausschau halte, um so die Himmelsrichtung zu bestimmen. Ich habe mich erinnert, wie man mit Blättern Regenwasser auffangen kann, um so Trinkwasser zu erhalten. Und ich bin losgelaufen.

Was soll ich sagen? 200 Meter weiter, an der nächsten Wegkreuzung, stand dann eine zwei mal drei Meter große Tafel mit allen Lauf- und Wanderwegen inklusive aller Höhenmeter. Und da dachte ich mir, was soll denn passieren? In Deutschland ist sogar der Wald organisiert und im Notfall rufe ich ganz laut nach dem ADAC. Die werden mich schon abholen ...