Laufen bei Bluthochdruck: Darf ich das?

Mit Bluthochdruck (Hypertonie) ist nicht zu spaßen: Für jeden Betroffenen gibt es allerdings eine Basistherapie. Und die heißt: Sport. Genauer gesagt, moderater aber regelmäßiger Ausdauersport wie Laufen. Denn es gilt: Regelmäßige Bewegung hilft langfristig, den Blutdruck zu senken.

Ist Sport bei Bluthochdruck gesund? Ja, sagen die Experten und sind sich seit vielen Jahren einig. Allerdings kommt es auf die Sportart und insbesondere eine ausgewogene Belastung an. Denn bekanntermaßen steigt der Blutdruck während einer sportlichen Aktivität erst einmal. Das ist normal, doch Extremwerte stellen für Hypertoniker ein Risiko dar. „Vor allem Sport mit leichter Ausdauerbelastung wirkt sich positiv auf das Herz-Kreislauf-System aus. Dazu zählen Joggen, Nordic Walking, Wandern, Skilanglauf, Radfahren oder Schwimmen. Bei diesen dynamischen Sportarten treten keine Blutdruckspitzen auf“, erklärt Professor Reinhard Ketelhut.

Der Experte von der Praxis für Innere Medizin, Kardiologie und Sportmedizin im Centrovital Gesundheitszentrum Berlin empfiehlt daher, Sportarten mit hohen Belastungsspitzen wie Tennis oder Badminton und Sportarten, die unter Wettkampfbedingungen ausgeübt werden, zu vermeiden. Denn solche Spitzen können bei Hypertonikern das Herz zu stark belasten oder Herzrhythmusstörungen auslösen.

Dreimal pro Woche und mindestens 30 Minuten

Besonders bei Patienten mit leichter Hypertonie sind sportliche Aktivitäten bis zu dreimal pro Woche sinnvoll. Eine Trainingseinheit sollte dabei mindestens 30 Minuten umfassen und kann in drei Phasen zu jeweils zehn Minuten aufgeteilt werden. Dabei muss allerdings auch die Erfahrung des Einzelnen berücksichtigt werden. Meist ist es speziell für Anfänger ratsam, mit kurzen Trainingseinheiten, beispielweise einer Belastungsdauer von fünf Minuten, zu beginnen und dann das Pensum über Wochen hinweg langsam zu steigern.

Auch die Intensität der Belastung ist ausschlaggebend, um langfristig den Blutdruck zu senken. Doch bei welcher Intensität soll trainiert werden? Die Faustregel, die besagt, dass der Puls 180 minus Lebensalter betragen soll, ist in vielen Fällen zu ungenau und kann zu Überlastungen führen. Kann man sich beim Laufen noch problemlos unterhalten, ist die Intensität auf jeden Fall nicht zu hoch!

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Studien zufolge kann ein blutdrucksenkender Effekt durch Sport nach zehn bis zwölf Wochen Training erreicht werden. Die Wirkung richtet sich dabei nach dem Blutdruck zu Beginn des Trainings. Das bedeutet: Je höher der Ausgangswert, desto ausgeprägter die Wirkung. Bei mittlerer bis schwerer Hypertonie sollte der Blutdruck des Patienten vor Beginn der sportlichen Belastung so gut wie möglich medikamentös gesenkt werden. Reines Krafttraining sollten Hypertoniker generell nur mäßig betreiben. Lange Zeit wurde sogar komplett davon abgeraten. Inzwischen belegen Untersuchungen allerdings auch positive Wirkungen. Vor allem ältere Menschen, die häufig unter zu hohem Blutdruck leiden, wirken mit Krafttraining zusätzlich einer weiteren Begleiterscheinung des Alters entgegen - dem Muskelschwund.

Grundsätzlich empfiehlt Professor Ketelhut Bluthochdruckpatienten, die mit Sport beginnen wollen, sich vorab gut beraten zu lassen: „Fragen Sie unbedingt Ihren Arzt, wie intensiv die individuelle Belastung sein darf, lassen Sie sich untersuchen und trainieren Sie am besten unter fachkundiger Anleitung. Wer sehr hohe Blutdruckwerte hat, darf gegebenenfalls auch gar keinen Sport treiben.“ Für die meisten Hypertoniker ist Lauftraining jedoch genau das Richtige, um einer der am weitesten verbreiteten Zivilisationskrankheiten den Kampf anzusagen.

Weitere Informationen zum Thema Bluthochdruck gibt's bei der Deutschen Herzstiftung.