Laufen Frauen anders als Männer?

Das Beste am Laufen? Dass man einfach loslaufen kann! Laufschuhe anziehen und raus vor die Tür, das gilt für Männer wie Frauen. Doch es gibt Fragen, die sich besonders Frauen stellen. Warum ist mein Pulsschlag höher als bei meinem Laufpartner? Brauche ich wirklich spezielle Frauenlaufschuhe? Muss ich meine Ernährung umstellen, weil ich jetzt mehr laufe? Antworten auf diese und weitere Fragen erhältst hier.

Frauen laufen anders als Männer
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Laufen Frauen mit der gleichen Pulsfrequenz wie Männer?
„Frauen haben ein kleineres Herz mit geringerem Herzschlagvolumen und daher meist einen etwas höheren Puls“, erklärt Stefanie Mollnhauer. „Gängige Formeln zur Trainings-Herzfrequenzberechnung orientieren sich jedoch am Männerherz, sodass die Pulsvorgaben für Frauen durchaus zu niedrig ausfallen.“ Die Konsequenz: Frauen sind oft entweder ineffektiv langsam unterwegs oder empfinden ein Training nach Herzfrequenz als nervig. Der Unterschied scheint dabei im Grundlagenausdauerbereich deutlicher als in den intensiveren Trainingsbereichen ausgebildet zu sein. Professor Kuno Hottenrott von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg fand heraus, dass Frauenherzen im Grundlagenbereich 10-15 Schläge pro Minute öfter schlagen, sich die Herzfrequenz in den intensiven Bereichen aber der „Männerfrequenz“ angleicht. Insofern kann sich für Frauen eine Leistungsdiagnostik mit Bestimmung ihrer individuellen Trainingsherzfrequenzen besonders lohnen!

Frauen haben eine andere Konstitution als Männer – macht sich das beim Laufen bemerkbar?
Frauen haben weniger Muskelmasse als Männer und damit auch eine geringere (Schnell-) Kraft und sind daher mit weniger Grundschnelligkeit ausgestattet. „Ein gezieltes Krafttraining (Rumpfkräftigung; Schnellkraft- und Kraftausdauertraining für die Beine) kann speziell Frauen daher einen enormen Leistungsschub geben“, empfiehlt Stefanie Mollnhauer. Zusätzliche Muskulatur bringt sogar figurtechnisch Vorteile, denn Muskulatur verbrennt in Ruhe mehr Energie als Fettgewebe. Frauen sind außerdem oft psychisch zäher und zudem kleiner und leichter! Je länger die Laufstrecke, umso mehr zahlen sich diese Vorteile aus. „Das sollte aber gerade nicht dazu führen, dass ‚frau‘ bevorzugt lang und locker läuft“, meint Mollnhauer. „Sondern es sollten bewusst auch kurze, hochintensive Intervalle gelaufen werden, denn diese stellen einen starken Reiz für die Muskulatur dar und bewirken somit eine gute sportartspezifische Ausprägung der zum Laufen benötigten Muskelgruppen.“

Brauchen Frauen andere Laufschuhe als Männer?
Frauen haben zum einen meist schmalere Füße als Männer und zum anderen auch eine andere Anatomie und einen anderen Laufstil, denn sie sind beweglicher, haben flexiblere Bänder und ihr Becken sinkt beim Laufen stärker ab. Frauen benötigen daher meist etwas stabilere Schuhe, die aber trotzdem nicht zu schwer sein sollten, um auch bei geringerem Körpergewicht und Lauftempo ein gutes Abrollen zu ermöglichen. Lassen Sie sich auf jeden Fall beim Schuhkauf im Fachgeschäft beraten.

Müssen Läuferinnen bei der Ernährung auf etwas achten?
Läuferinnen haben einen stark erhöhten Bedarf an Eisen! Eisen geht in größeren Mengen über den Schweiß und die Monatsblutung verloren sowie über eine mechanische Zerstörung von roten Blutzellen im Gefäßbett der Fußsohle und das Zerquetschen in der arbeitenden Muskulatur. Außerdem werden die roten Blutzellen bei hohem Adrenalinspiegel, wie er unter Belastung vorkommt, brüchiger. Auf der anderen Seite ernähren sich viele Läuferinnen kalorienreduziert, teilweise vegetarisch oder vegan und nehmen damit zu wenig Eisen auf. „Gute Eisenquellen sind rotes Fleisch, Fisch, grünes Gemüse, Vollkornprodukte und Hirse, wobei pflanzliches Eisen deutlich schlechter aufgenommen wird als tierisches“, weiß Stefanie Mollnhauer. „Darüber hinaus enthält Fleisch im Gegensatz zu pflanzlichen Produkten auch noch Vitamin B12, das für die Bildung der roten Blutkörperchen unbedingt notwendig ist.“ Bei einem manifesten Eisenmangel sollte in ärztlicher Absprache auf ein Eisenpräparat zurückgegriffen werden. „Läuferinnen sollten außerdem auf eine ausreichende Eiweißzufuhr aus natürlichen Quellen achten, um ‚Bausubstanz‘ für die Muskulatur zu liefern. Zudem sollten viel frisches Obst und Gemüse und mindestens zwei bis drei Liter Wasser am Tag auf dem Speiseplan stehen, da diese Nahrungsmittel im Körper basisch wirken und damit ein gutes Milieu für einen aktiven Stoffwechsel schaffen.“