We run Berlin: Lauftipps von Deutschlands schnellster Frau

Du kannst laufen? Dann kannst du auch ein Rennen laufen. Der Nike Women's Run lockt am 20. Juni nach Berlin. Ab 21 Uhr geht es durch die hell erleuchtenden Hauptstadt-Straßen. Hier gibt's alle Infos, und im Finisher Club kannst du dir einen Startplatz mit vielen Vorteilen sichern!

Damit deine Vorbereitung optimal läuft, bekommst du auf laufen.de exklusive Tipps von Deutschlands schnellster Frau. Hier verrät dir Verena Sailer, worauf du beim Training achten musst. Und du profitierst von der Erfahrung der 29 Jahre alten Sprinterin, die 2010 Europameisterin über 100 Meter war und schon mehr als zehn deutsche Meistertitel geholt hat.

Verena Sailer
© Nike / von der Laage

Verena, auf den 100 Metern sind ganz andere Fähigkeiten gefragt als auf den 100-mal so langen 10 Kilometern. Was aber können Freizeitläuferinnen auf den Straßendistanzen von der schnellsten Deutschen auf der Sprintbahn lernen?

Dass man alles, was man tut, mit Spaß und Freude tut. Das ist ungeheuer wichtig, egal auf welchem Leistungslevel man Sport treibt. Sonst funktioniert es einfach nicht. Speziell auf langen Distanzen, wenn man Zeit zum Nachdenken hat. Das ist bei 100 Meter etwas anders (lacht).

Du trainierst seit mehr als einem Jahrzehnt eigentlich jeden Tag, oft auf mehrmals. Wie motivierst Du Dich, wenn die Lust mal nicht so groß ist?

Mir ist es glücklicherweise noch nie passiert, dass ich so gar keine Lust aufs Training hatte. Aber klar: Manchmal fällt das Training schon schwer: Man spürt den Muskelkater vom Vortag oder ein anderes Zipperlein. Doch ganz wichtig ist: Ich weiß ja, wofür ich trainiere. Ich verfolge ein Ziel, das ich erreichen will. Diese Zielsetzung ist für mich ganz wichtig. Auch Freizeitläufer sollten sich Ziele setzen, auf die sie im Training hinarbeiten. Es ist einfach die größte Motivation für jeden Sportler, seine Leistungsgrenze auszuloten. Ich persönlich schaue mir auch ab und an Videos von richtig guten Rennen an. Das gibt mir einen zusätzlichen Push.

Viele Frauen laufen „nur“ im Training. Welche Übungen sollten Freizeitläuferinnen unbedingt integrieren, um auch über 10 Kilometer schneller zu werden?

Sie sollten Kräftigungsübungen ins Training einbauen. Damit meine ich keine Übungen an Kraftmaschinen oder mit Hanteln. Das eigene Körpergewicht reicht da völlig. Wenn ich Freizeitläufer beobachte, fällt mir sehr oft ihre Haltung auf. Sie fallen oft ins Hohlkreuz, das ist beileibe nicht optimal. Durch die fehlende Körperspannung im Bauch- und Beckenbereich wird der Schritt kürzer. Dagegen kann man mit einfachen Mitteln etwas tun. Auch Steigerungsläufe sollten nach Dauerläufen unbedingt eingebaut werden. So wird der Abdruck deutlich verbessert.

Bei Dir ist es eher umgekehrt. Wie viel Prozent Deines Trainings besteht aus reinem Laufen bzw. Sprinten und wie viel Prozent aus den anderen wichtigen Bausteinen?

Das Sprinten kommt nicht zu kurz, obwohl ich nie die 100 Meter im Training aus dem Startblock voll laufe. Aber natürlich ist es zeitlich nicht so aufwendig wie lange Krafttrainings- oder Koordinationseinheiten. An einer genauen Prozentzahl möchte ich das aber nicht festmachen, da viele Übungen aus verschiedenen Komponenten zusammengesetzt sind und dazu genau auf die Lauftechnik geschaut wird.

Ein schöner Nebeneffekt der Workouts ist das „Figur-Forming“. Sind Top-Leichtathletinnen eigentlich ein bisschen eitel?

Freuen generell sind ein wenig eitel – und Sportlerinnen vielleicht noch ein bisschen mehr. Das Schöne ist: In der Leichtathletik trainierst du den Körper ganzheitlich. Da bin ich mit der Wahl meiner Sportart schon sehr zufrieden (lacht).

Schlummern noch andere sportliche Talente in Dir?

Ich war als Kind eine ganz ordentliche Turnerin. Darum dachten auch viele, dass ich mich in der Leichtathletik für den Stabhochsprung entscheiden würde. Dort spielen ja die turnerischen Fähigkeiten eine große Rolle. Ich habe es auch ausprobiert, aber das richtige Gefühl dafür habe ich nicht gefunden. So habe ich mich für den Sprint entschieden.

Du trainierst bei der MTG Mannheim in einer leistungsstarken Gruppe. Bringt das Training mit anderen – auch Freizeitläuferinnen Vorteile – beispielsweise in Running Clubs bei der Vorbereitung auf den Nike Womens Run in Berlin am 20. Juni oder auf andere Rennen?

Auf jeden Fall. Das macht viel aus. Speziell Ausdauertraining macht in der Gruppe doch viel mehr Spaß als allein. Auch ich als Leistungssportlerin profitiere vom täglichen Vergleich mit meinen Trainingspartnerinnen. So habe ich die Chance, jeden Tag ein Stückchen besser zu werden.

Du hast im Sport fast alles erreicht. 2010 warst Du 100-Meter-Europameisterin und zweimal Olympia-Fünfte mit der Staffel. Welchen sportlichen Traum hast Du noch?

In einem großen Einzelfinale bei Weltmeisterschafen oder Olympischen Spielen zu stehen. Außerdem würde ich gern meine Bestzeit noch ein bisschen steigern.

Dann soll die Zehn vor dem Komma noch folgen? Dein Hausrekord über 100 Meter steht ja schon bei 11,02 Sekunden …

Klar spukt eine solche Zeit noch irgendwo im Hinterkopf herum. Aber ich weiß auch: Dafür brauche ich das perfekte Rennen. Aus dem Ärmel schütteln kann ich mir eine solche Zeit nicht.

Apropos schnelle Zeiten: 400-Meter-Weltrekordler Michael Johnson hat unlängst erzählt, dass nach der Karriere fast alle Leichtathleten – egal ob Sprinter oder Dreispringer – zu Läufern werden. Wann wird man Dich erstmals bei einem längeren Lauf über fünf oder zehn Kilometer sehen?

Darauf muss man nicht warten, ich habe es schon ein paar Mal ausprobiert.

Und wie hast du dich gefühlt, mit Tausenden am Start zu stehen? Momentan sprintest Du im Stadion maximal gegen sieben Konkurrentinnen.

Es war ein ganz anderes Gefühl, eine andere Atmosphäre. Tausende sind dabei, fiebern dem Start entgegen mit ihren ganz persönlichen Zielen. Die ganze Läufermasse entwickelt eine Eigendynamik, sie pusht sich gegenseitig. In dieser Gruppe sind speziell Freizeitsportler zu enormen Leistungssteigerungen fähig. Bei uns ist das anders: 100 Meter, acht Sprinterinnen, jede auf ihrer Bahn. Wenn wir im Startblock sitzen, ist es ein Gegeneinander, kein Miteinander.

Mit Verena Sailer hat Martin Neumann für laufen.de gesprochen.

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