Mary Keitany krönt den London-Marathon mit Weltrekord

Mary Keitany hat beim London Marathon alles gewagt und alles gewonnen: Die Kenianerin lief am Sonntag mit 2:17:01 Stunden die zweitschnellste Marathonzeit der Geschichte und einen neuen Weltrekord in einem reinen Frauenrennen. Männer-Favorit Kenenisa Bekele erwischte hingegen keinen guten Tag.

Mary Keitany hat den London-Marathon mit einem Afrika-Rekord von 2:17:01 Stunden gewonnen. Die Kenianerin erzielte bei sehr guten Wetterbedingungen die zweitschnellste je im Marathon gelaufene Zeit und verbesserte ihre eigene kontinentale Bestmarke von 2:18:37 um genau 1:36 Minuten. Nur Paula Radcliffe lief jemals schneller über die 42,195 km. Die Britin hatte in London 2003 den aktuellen Weltrekord von 2:15:25 Stunden aufgestellt. Damals wurde Radcliffe von männlichen Tempomachern begleitet, was regulär ist. Heute lief Keitany in London in einem reinen Frauenrennen, denn die Eliteathletinnen starten in Greenwich 45 Minuten vor den Männern und dem Massenfeld. Der internationale Leichtathletik-Verband (IAAF) listet seit einigen Jahren auch einen Weltrekord für reine Frauenläufe. Diese Bestzeit hat die 35-jährige Keitany in London gebrochen. Auch diesen Rekord hielt Paula Radcliffe, die in London 2005 mit 2:17:42 gewonnen hatte. Auf dem Weg zu ihrem Marathon-Triumph an der Themse brach Mary Keitany mit 1:36:05 Stunden den 30-km-Weltrekord.

Mit unglaublichem Tempo hatte Mary Keitany das Rennen begonnen. Ihre ersten Zwischenzeiten liefen auf eine Zielzeit von rund 2:11 Stunden hinaus. Bei der Halbmarathonmarke war die Kenianerin, die im vergangenen Jahr in London gestürzt war, dadurch nicht über Rang neun hinausgekommen war und in der Folge nicht für die Olympischen Spiele nominiert wurde, mit einer Zeit von 66:54 Minuten noch auf Kurs zu einer Zeit von unter 2:15 Stunden. In der zweiten Hälfte musste Mary Keitany dem enormen Tempo dann etwas Tribut zollen.

Ein großartiges Rennen zeigte auch die zweitplatzierte Tirunesh Dibaba. Die dreimalige äthiopische Langstrecken-Olympiasiegerin über 5.000 und 10.000 m wurde in 2:17:56 zur drittschnellsten Läuferin aller Zeiten und erreichte die fünftbeste je gelaufene Zeit. Sie brach zudem den äthiopischen Rekord. Mit deutlichem Abstand folgte in London ihre Landsfrau Meselech Mergia, die mit 2:23:08 Rang drei belegte.

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Die ewige Marathon-Weltbestenliste der Frauen

2:15:25*    Paula Radcliffe (GBR), London 13. April 2003
2:17:01**   Mary Jepkosgei Keitany (KEN), London 23. April 2017
2:17:18    Paula Radcliffe (GBR), Chicago 13. Oktober 2002
2:17:42    Paula Radcliffe (GBR), London 17. April 2005
2:17:56    Tirunesh Dibaba (ETH), London 23. April 2017
2:18:37    Mary Jepkosgei Keitany (KEN), London 22. April 2012
2:18:47    Catherine Ndereba (KEN), Chicago 7. Oktober 2001
2:18:56    Paula Radcliffe (GBR), London 14. Apr 2002
2:18:58    Tiki Gelana (ETH), Rotterdam 15. April 2012
2:19:12    Mizuki Noguchi (JPN), Berlin 25. September 2005
2:19:19    Irina Mikitenko (GER), Berlin 28. September 2008
2:19:19    Mary Jepkosgei Keitany (KEN), London 17. April 2011
2:19:25    Gladys Cherono Kiprono (KEN), Berlin 27. September 2015

*) Der Leichtathletík-Weltverband IAAF führt zwei Weltrekorde. Die Zeit von Paula Radcliffe wurde in einem gemischten Rennen mit männlichen Tempomachern erzielt.

**) Weltrekord im "Womens-Only-Marathon". Mary Keitany verbesserte die bisherige Rekordmarke von Paula Radcliffe um 41 Sekunden.

Bekele mit Problemen auf Rang zwei

Eine Überraschung gab es im Rennen der Männer, die ebenfalls anfangs sehr schnell liefen und die Halbmarathonmarke nach 61:41 Minuten erreicht hatten. Wie vermutet, war Kenenisa Bekele nicht in der Form, um in den Bereich des Weltrekordes von Dennis Kimetto (Kenia/2:02:57) zu kommen. Der Äthiopier verlor schon bald nach der Halbmarathonmarke den Kontakt zur Spitzengruppe. Im Schlussteil kam er dann zwar noch einmal nach vorn, doch es reichte nur noch zu Platz zwei in 2:05:57 Stunden. Nach dem Rennen sagte der Bahn-Weltrekordler, dass er massive Probleme mit den Schuhen gehabt hätte. Aufgrund der harten Sohle hätte er sich die Fuße blutig gelaufen, was wiederum großen Einfluss auf seinen Laufstil gehabt hätte.

Überraschungs-Sieger wurde der Kenianer Daniel Wanjiru mit 2:05:48. Der 24-Jährige hatte im vergangenen Oktober den Amsterdam-Marathon in 2:05:21 gewonnen. „Ich hatte keine Angst, denn in einem Wettkampf kann immer alles passieren“, antwortete Wanjiru, befragt nach der Situation als Bekele am Ende aufholte. Der Debütant Bedan Karoki (Kenia) lief als Dritter mit 2:07:41 ein starkes Marathon-Debüt. Titelverteidiger Eliud Kipchoge war in London nicht am Start. Er bereitet sich auf das Projekt "Breaking 2" am ersten Mai-Wochenende in Monza vor.

Die Ergebnisse beim London-Marathon

Männer
1. Daniel Wanjiru (KEN) 2:05:48
2. Kenenisa Bekele (ETH) 2:05:57
3. Bedan Karoki (KEN) 2:07:41
4. Abel Kirui (KEN) 2:07:45
5. Alphonce Simbu (TAN) 2:09:10
6. Ghirmay Ghebreslassie (ERI) 2:09:57
7. Asefa Mengstu (ETH) 2:10:04
8. Amanuel Mesel (ERI) 2:10:44

Frauen
1. Mary Keitany (KEN) 2:17:01
2. Tirunesh Dibaba (ETH) 2:17:56
3. Aselefech Mergia (ETH) 2:23:08
4. Vivian Cheruiyot (KEN) 2:23:50
5. Lisa Weightman (AUS) 2:25:15
6. Laura Thweatt (USA) 2:25:38
7. Helah Kiprop (KEN) 2:25:39
8. Tigist Tufa (ETH) 2:25:52

Daniel Wanjiru jubelt über größten Triumph

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Mary Keitany drückt aufs Tempo

Das Frauen-Rennen begann auf dem ersten Kilometer in 3:22 durchaus „normal“, die große Gruppe der Topathleten war auf Kurs zu einer Zeit von 2:22 Stunden. Doch schon auf dem zweiten Kilometer zog das Tempo mit 3:09 Minuten deutlich an. Ganz vorne in der Spitzengruppe agierte Mary Keitany zusammen mit der Tempomacherin Caroline Kipkurui (Kenia). Doch schon auf den folgenden Kilometern sollte sich der Rennverlauf maßgeblich ändern. Bei 3 km nach 9:35 Minuten und einer Kilometerzeit von 3:04 zog sich die Spitze weit auseinander und verlor danach schnell den Kontakt zu der wie entfesselt agierenden Keitany. Mit Abschnitten von 3:02 und 2:58 (!) zog sie mit der Tempomacherin schnell davon und lag bereits nach 5 km in 15:35 auf Kurs zu einer Zeit im Ziel von 2:11:30, also schon im Bereich eines Marathonlaufs bei den Männern. Die hochkarätige Verfolgergruppe hatte hier elf Sekunden auf Keitany verloren.

Auf dem Weg zum 10-km-Punkt konnte die 5000-m-Olympiasiegerin von Rio 2016, Vivian Cheruiyot (Kenia), bei ihrem viel beachteten Debüt etwas Boden gut machen und lag dann nur noch acht Sekunden hinter dem Führungsduo, das die 10 km in sehr schnellen 31:17 erreichte. Dahinter hatte sich mit 14 Sekunden Rückstand auf Keitany eine Vierergruppe bestehend aus Lauflegende Tirunesh Dibaba, Florence Kiplagat, Helah Kiprop (beide Kenia) und Aselefech Mergia (Äthiopien) gebildet. Erwähnenswert für diesen Teil des Rennens ist noch, dass Keitany die 7 km in 21:39 zurücklegte und damit sogar auf Kurs zu einer Endzeit von unglaublichen 2:10:30 war.

Vor allem bei den Experten kam die Frage auf, ob dies gut gehen konnte, kamen doch Erinnerungen an den New York City-Marathon im Jahr 2011 auf, wo Mary Keitany ähnlich forsch dem Feld davon geprescht war, im Schlussteil gewaltig nachließ und schließlich nur Dritte wurde. Im Siegerinterview betonte Keitany, dass sie sich in guter Verfasssung vor dem Rennen fühlte und bewusst diese Taktik gewählt hatte, um vor allem Tirunesh Dibaba schon früh ans Limit zu bringen. In der Tat bekam Dibaba nach eigener Aussage schon früh Krämpfe und musste das Tempo für kurze Zeit reduzieren.

30-km-Weltrekord im Vorbeilaufen

Somit fand sich die äthiopische Ausnahmeläuferin in einem Quartett wieder, das bei 15 km bereits eine halbe Minute hinter Keitany lag. Kurz vor der Vierergruppe lief noch Cheruiyot, die aber schon bald von den Verfolgerinnen eingeholt wurde. Über 1:03:26 Stunden bei 20 km erreichte Keitany den Halbmarathon in 1:06:54, womit der Vorsprung auf die Verfolgerinnen auf eine glatte Minute angewachsen war. Hier stieg die Tempomacherin Kipkurui nach 1:06:53 aus, was für sie selbst eine großartige Zeit für einen Halbmarathon bedeutet. Bei 25 km in 1:19:43 lag Keitany immer noch auf Kurs zu einer Zeit von 2:14:31, also fast eine volle Minute unter der Fabelzeit von 2:15:25 durch Paula Radcliffe. Der Streckenabschnitt bis zur 25-km-Marke in London erfüllt offenbar die Bedingungen für Rekorde nicht, ansonsten hätte Mary Keitany ihren in Berlin aufgestellten Weltrekord von 1:19:53 Stunden unterboten.

In der Verfolgung lagen nun Kiprop, Dibaba und Mergia eine gute Minute zurück, Cheruiyot war aus der Verfolgergruppe herausgefallen, Kiplagat lag sogar noch weiter zurück. Auf dem Weg zu den 30 km - Keitanys Zeit hier ist mit 1:36:05 Stunden ein 30-km-Weltrekord (alte Bestmarke: Deena Kastor, USA, 1:38:29 in Chicago 2005) - waren nur noch Dibaba und Kiprop unmittelbare Verfolgerinnen mit 1:18 Minuten Abstand, danach hatte Mergia schon über zwei Minuten auf die Spitze verloren. Als Keitany die 35 km nach 1:52:39 erreichte, war nur noch Dibaba mit gleich gebliebenem Abstand in der unmittelbaren Verfolgung. Dabei waren die Projektionen kurz nach 20 Meilen in 1:43:16 erstmals wieder über dem Radcliffe-Weltrekord von 2:15:25 angestiegen. Souverän lief die kenianische Ausnahmeläuferin das Rennen zu Ende und lief über 2:09:38 bei 40 km in 2:17:01 die zweitbeste Zeit im Marathon der Frauen überhaupt und einen Weltrekord für einen reinen Frauenlauf. „Ich muss mich bei meiner Tempomacherin bedanken, die mich bis zur 14-Meilen-Marke (22,5 km) geführt hat. Von da an lief ich alleine und wollte sehen, wie mein Körper mitmacht“, sagte Mary Keitany.

Hinter Keitany kam Dibaba am Ende noch etwas auf und lief in 2:17:56 gleichfalls eine großartige Zeit, die sie als drittbeste Marathonläuferin aller Zeiten sieht. In der Schlussphase hatte sie den Abstand auf Keitany trotz Magenproblemen und einer kurzen Gehpause sogar noch auf 55 Sekunden reduzieren können. Danach musste man lange warten, bis Aselefech Mergia in 2:23:08 das Podium komplettierte, die Debütantin Vivian Cheruiyot schlug sich mit Platz vier in 2:23:50 sehr beachtlich. Helah Kiprop, die lange Zeit in der Verfolgergruppe die treibende Kraft war, ließ im Schlussteil erheblich nach und wurde in 2:25:39 Siebte.