Marathon unter 2:00 Stunden? Das sagen Stars und Experten

Ist es möglich, einen Marathon unter zwei Stunden zu laufen? Und wenn ja, wann dürfte das passieren? Diese Fragen werden seit dem jüngsten Berliner Marathon-Weltrekord immer öfter diskutiert. Wir haben uns bei Laufstars und Experten aus der Szene umgehört.

Im vergangenen Jahr lief der Kenianer Dennis Kimetto den Berlin-Marathon in 2:02:57 Stunden (Foto) und durchbrach damit als Erster die 2:03-Stunden-Marke. Noch 2:58 Minuten fehlen zur absoluten Traumbarriere des Laufsports - einer Marathon-Zeit unter zwei Stunden. Er stellte in der deutschen Hauptstadt zuvor übrigens auch den aktuellen 25-km-Weltrekord von 1:11:18 Stunden auf – ein Tempo, das ziemlich genau dem entspricht, das für die Zwei-Stunden-Barriere nötig ist. Nachfolgend äußern sich u.a. Arne Gabius, Haile Gebrselassie, Horst und Jörg Milde, Mo Frahs, Jo Schindler und Paul Tergat, ob diese Fabelzeit möglich ist.

Arne Gabius
Arne Gabius

Arne Gabius lief im vergangenen Jahr in Frankfurt ein sensationelles Marathondebüt und erreichte mit 2:09:32 Stunden auf Anhieb eine Zeit unter 2:10. Im Oktober wird er erneut in Frankfurt starten und peilt den deutschen Rekord von 2:08:47 Stunden an: „In den nächsten 30 Jahren wird die Zwei-Stunden-Marke im Marathon nicht gebrochen, dafür fehlen den Athleten die Zubringerleistungen. Der Weltrekord im Halbmarathon von Zersenay Tadese liegt bei 58:23 Minuten und der Mann aus Eritrea kann diese Leistung nicht im Marathon abrufen. Für eine Zeit von unter zwei Stunden im Marathon benötigt der Athlet eine Halbmarathon-Bestzeit von 57:15 bis 57:45 Minuten. Und so ein Talent ist nicht in Sicht.“

Haile Gebrselassie
Haile Gebrselassie

Für viele Experten ist Haile Gebrselassie der größte Läufer aller Zeiten. In Berlin brach er zwei Weltrekorde und lief 2008 mit 2:03:59 als Erster unter 2:04 Stunden: „Ich glaube wirklich, dass eines Tages die Zwei-Stunden-Marke fällt. Es wird nicht in den nächsten 20 Jahren passieren, aber wir werden es erleben!“

Mark Milde
Mark Milde

Mark Milde ist Race-Direktor des Berlin-Marathons, bei dem zuletzt serienweise Weltrekorde gebrochen wurden: „Ich denke, dass die Zwei-Stunden-Barriere eines Tages durchbrochen wird. Aber das dauert bestimmt noch 15 Jahre. Ich kann mir vorstellen, dass Weiterentwicklungen im Laufschuhbereich eine Rolle spielen können, als auch der Untergrund auf dem gelaufen wird. Wir hoffen, dass Berlin mit seinen guten klimatischen Bedingungen weiterhin eine Rolle bei diesen Vorhaben spielen wird.“

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Patrick Makau
Patrick Makau

Patrick Makau lief in Berlin 2011 mit 2:03:38 Stunden Weltrekord und entriss die Bestmarke dabei im direkten Duell dem Äthiopier Haile Gebrselassie: „Wenn ich die Entwicklungen in Kenia sehe und die vielen jungen Talente, die immer stärker werden, dann hoffe ich, dass wir eines Tages eine Zeit unter zwei Stunden sehen werden. Das wird natürlich noch dauern, aber ich glaube schon, dass es passieren wird.“

Christoph Kopp
Christoph Kopp

Christoph Kopp stellt unter anderem bei den Marathonläufen in Frankfurt, Hannover und Düsseldorf die Elitefelder zusammen: „Wenn man sich die statistische Entwicklung anschaut, dann wird es wahrscheinlich irgendwann wirklich in Richtung zwei Stunden gehen. Aber ich denke, das kann noch 50 Jahre dauern. Explosionsartige Entwicklungen sind zurzeit nicht zu erwarten. Wenn die Marke eines Tages fällt, hoffe ich, dass es auch eine saubere Leistung ist.“

Mo Farah
Mo Farah

Der britische Olympiasieger über 5000 und 10.000 Meter lief bisher einmal Marathon und erreichte dabei 2:08:21 Stunden: „Ich glaube nicht, dass wir in den nächsten zehn Jahren eine Zeit von unter zwei Stunden sehen werden – vielleicht dauert es auch noch viel länger, vielleicht sogar 100 Jahre.“

Stephen Kiprotich
Stephen Kiprotich

Stephen Kiprotich wurde 2012 in London überraschend Olympiasieger im Marathon. Ein Jahr später gewann der Läufer aus Uganda in Moskau auch den Weltmeistertitel über die klassische Distanz: „Kann man unter zwei Stunden laufen? Das ist eine schwierige Frage. Es gab eine Zeit, da konnte sich keiner vorstellen, dass der Weltrekord auf eine Zeit von unter 2:07 Stunden verbessert werden könnte. Seit Paul Tergat 2003 in Berlin als Erster unter 2:05 Stunden lief, sind die Intervalle, in denen der Weltrekord gebrochen wurde, immer kürzer geworden. Ich denke, die Entwicklung wird dahin gehen, dass wir einen Rekord unter zwei Stunden sehen werden. Berlin könnte der Ort sein, wo das passiert.“

Kenenisa Bekele
Kenenisa Bekele

Der äthiopische Langstrecken-Serienweltrekordler und dreifache Olympiasieger über die Bahn-Langstrecken lief vor gut einem Jahr in Paris sein Marathon-Debüt und erreichte dabei 2:05:04 Stunden: „Die Zeiten, die wir in den vergangenen Jahren im Marathon gesehen haben, sind verrückt. Es ist ein enormer Trainingsaufwand nötig, um diese Ergebnisse zu unterbieten – das ist wirklich schwer. Aber ich glaube, dass wir eines Tages einen Marathonlauf unter zwei Stunden sehen werden.“

Paul Tergat
Paul Tergat

Der Kenianer ist einer der besten Läufer aller Zeiten und rannte beim Berlin-Marathon 2003 als Erster unter 2:05:00 Stunden. Mit 2:04:55 Stunden durchbrach der Kenianer damals eine ganz große Barriere des Rennens über die 42,195 km: „Ich sage ganz klar: vergiss es, es wird nie passieren. Ein Marathonlauf unter zwei Stunden ist unmöglich!“

Jo Schindler
Jo Schindler

Race-Direktor des Frankfurt-Marathons, bei dem der Kenianer Wilson Kipsang 2011 mit 2:03:42 Stunden die damals zweitschnellste Zeit aller Zeiten erreichte. Nur die Streckenrekord von Berlin und Boston sind noch etwas schneller als der von Frankfurt: „In den letzten Jahren gab es große Schritte bei der Entwicklung des Weltrekordes. Ich glaube, dass diese starke Entwicklung zunächst etwas stagnieren wird. Aber irgendwann wird die Zwei-Stunden-Barriere fallen – und ich kann mir vorstellen, dass ich das noch erlebe. Man muss sich vor Augen halten, was nötig ist, um eine solche Zeit zu erreichen. Es muss einen Läufer geben, der das Vermögen hat, den Halbmarathon locker unter 58 Minuten zu laufen. Vom jetzigen Weltrekord von Dennis Kimetto sind es noch drei Minuten bis zur Traumgrenze – das sind Welten.“

Horst Milde
Horst Milde

Der Initiator des Berlin-Marathons hat folgende Meinung: „Ich glaube nicht, dass eine Zeit unter zwei Stunden in den nächsten 20 Jahren machbar ist, wenn es mit legalen Mitteln passiert. Eines Tages kann ich mir schon vorstellen, dass es eine solche Zeit geben wird. Man muss auch die Entwicklung anschauen: 1998 lief Ronaldo da Costa in Berlin Weltrekord – er verbesserte die Marke von 2:06:50 auf 2:06:05 Stunden. 16 Jahre später rannte Dennis Kimetto mit 2:02:57 gut drei Minuten schneller. Drei Minuten fehlen jetzt noch zur Traumgrenze.“

Wolfgang Konrad
Wolfgang Konrad

Wolfgang Konrad, der frühere Weltklasseläufer über 3.000 m Hindernis und ehemalige österreichische Rekordhalter, ist der Race-Direktor des Vienna City Marathons: „Ich glaube, dass die Zwei-Stunden-Barriere fallen wird, und ich kann mir vorstellen, dass es schon innerhalb der nächsten zehn Jahre passiert. Der zukünftige Marathon-Rekordläufer wird dabei von der Unterdistanz kommen und in der Lage sein, seine sehr starke Geschwindigkeit auf den Marathon zu übertragen – er wird sozusagen durchsprinten. Die Rekordentwicklungen in der Leichtathletik sprechen dafür. Heute steht beispielsweise der 10.000-Meter-Weltrekord bei 26:17 Minuten – das heißt, es sind zwei 5.000-m-Abschnitte von unter 13:10 nötig. Derartige Zeiten liefen um 1980 herum Henry Rono und Dave Moorcroft. Und sie stellten damit Weltrekorde über 5000 Meter auf.“