Marathonschuh: Studie bestätigt vier Prozent mehr Leistung

Eine Steigerung der Lauf-Effizienz um vier Prozent hat Nike versprochen, als mit dem Zoom Vaporfly 4% im Frühsommer der Schuh für den ganz schnellen Marathon präsentiert wurde. Eine Studie der Uni in Boulder bestätigt nun, dass der Schuh hält, was sein Hersteller versprochen hat.

Marathon unter zwei Stunden? Das blieb auch 2017 ein Traum. Olympiasieger Eliud Kipchoge gelang es im Nike-Projekt „Breaking 2“ nicht, als erster Mensch 42,195 Kilometer in weniger als 120 Minuten zu laufen. Und das, obwohl im Mai auf dem Formel-1-Rennkurs in Monza alle Bedingungen so optimiert waren, dass die 2:00:57 Stunden, die der Kenianer gelaufen ist, nicht als Weltrekord anerkannt werden konnten. Eines ist Nike aber innerhalb des Projektes gelungen: Einen Schuh zu entwickeln, mit dem Läufer ihre Laufeffizienz entscheidend steigern. Das hat jetzt eine unabhängige Studie bestätigt.

Im Rahmen des Projektes „Breaking2“ wurde nicht nur ein neuer Schuh entwickelt, der individuell auf Eliud Kipchoge und seine Rekordversuche zugeschnitten ist. Sondern mit dem Nike Zoom Vaporfly 4% ein ähnliches Modell, das für jeden Läufer erhältlich ist. Nike hatte damals bei der Vorstellung des Schuhs versprochen, dass er die Laufeffizienz im Vergleich zu anderen Marathonschuhen um vier Prozent verbessert. Bei Untersuchungen in den Labors von Nike hätten Testläufer auf dem Laufband die gleichen Geschwindigkeiten mit geringerem Sauerstoffverbrauch erreicht als in herkömmlichen Wettkampfschuhen, hieß es damals.

Breaking2: Der Dokumentarfilm zum Projekt

Carbon und die perfekte Dämpfung für mehr Leistung

Klar, gutes Marketing. Einige Experten zweifelten daran, dass ein Laufschuh tatsächlich solch einen Effekt bewirken kann. Auch wenn im Nike Zoom Vaporfly 4% zwei völlig neue Technologien zum Einsatz kommen, mit denen die Steigerung der Lauf-Effizienz erzielt werden soll: Ein neu entwickeltes Schaummaterial für die Zwischensohle, das ein Höchstmaß an Dämpfung ermöglicht, ohne dass der Schuh schwerer wird. Das Material ist 40 Prozent leichter als EVA, das in herkömmlichen Laufschuhen oft zur Dämpfung eingesetzt wird. Zudem hat der Schuh ein ultraleichtes und sehr steifes Karbon-Element, das sich über die gesamte Zwischensohle erstreckt und dem Schuh zu hoher Festigkeit verhilft. Es soll verhindern, dass der Läufer den Asphalt zu sehr spürt und gleichzeitig helfen, so abzurollen, wie es für hohes Tempo notwendig ist.

Eine jetzt in der Fachzeitschrift „Sports Medicine“ veröffentliche Studie der Universität von Boulder (US-Bundesstaat Colorado) hat aber jetzt bestätigt, dass der Nike Zoom Vaporfly 4% die Laufeffizienz tatsächlich um rund vier Prozent steigert. Dazu ließen die Macher der Studie 18 hochklassige Läufer in drei verschiedenen Schuhen laufen: im Nike Zoom Vaporfly 4%, im Nike Zoom Streak 6, der bislang als schnellster Marathon-Schuh im Nike-Sortiment galt, sowie im Adidas adizero Adios Boost 2, den Dennis Kimetto trug, als er beim Berlin-Marathon 2014 den aktuell gültigen Weltrekord auf 2:02:57 Stunden verbesserte.

Vom Marathon-Weltrekord zur Zeit unter zwei Stunden: Nur 2,4 Prozent Steigerung

Die Läufer absolvierten jeweils Läufe von fünf Minuten im Tempo von 14, 16 und 18 km/h. Dabei wurden mittels Atemgasanalyse ihre Sauerstoffaufnahme, Kohlendioxidabgabe sowie der durchschnittliche Energieaufwand gemessen. Das Ergebnis war eindeutig: Der Nike Zoom Vaporfly 4% reduzierte bei allen Läufern den Energieaufwand. Und zwar um 4,01 Prozent gegenüber dem Adidas adizero Adios Boost 2 und um 4,16 Prozent gegenüber dem Nike Zoom Streak 6. Die Laufgeschwindigkeit spielte dabei keine Rolle.

Wenn man jetzt weiß, dass die Verbesserung des aktuellen Weltrekordes von 2:02:57 Stunden auf 1:59:59 Stunden lediglich einer Steigerung um 2,4 Prozent entspricht, könnte man annehmen, dass es eigentlich recht einfach sein müsste, in diesen Schuhen den ersten Marathon unter zwei Stunden zu schaffen. Dabei vergisst man aber schnell, dass der Schuh nur einer von vielen Faktoren ist, die das Wettkampfergebnis beeinflussen – und im Regen von Berlin ist ja Eliud Kipchoge dann ja auch trotz des Wunderschuhs in 2:03:32 Stunden deutlich über der Zwei-Stunden-Marke geblieben.

Dennoch: Seine Zeit war Regenweltrekord. Und der Nike Zoom Vaporfly 4% war 2017 der erfolgreichste Schuh bei den großen Marathonrennen. Sieben der insgesamt zwölf Siege bei Männern und Frauen bei den sechs Rennen der World Marathon Majors gingen an Läufer im Nike Zoom Vaporfly 4% – oder dem entsprechenden, individuell angefertigten Vaporfly Elite: Edna Kiplagat und Geoffrey Kirui in Boston, Eliud Kipchoge in Berlin, Tirunesh Dibaba und Galen Rupp in Chicago sowie Shalane Flanagan und Geoffrey Kamworor in New York trugen dieses Modell. Daneben standen zwölf weitere Athleten in diesen Schuhen auf den Siegerpodesten.

Die schnellste Zeit des Jahres bei den Männern durch Eliud Kipchoge (2:03:32 h) in Berlin und die zweitschnellste Zeit bei den Frauen durch Tirunesh Dibaba (2:17:56 h) in London, wurden ebenfalls im Nike Zoom Vaporfly 4% gelaufen. Es scheint so, als würde aus dem Traum vom Marathon in weniger als zwei Stunden schon bald bei einem der großen Stadtmarathons Realität.