Pulspremiere: Wie verändert sich das Training durch eine Laufuhr?

1 Läuferin, 2 Uhren, 6 Wochen Zeit - das war die Ausgangslage des Experiments. Unsere Autorin Ramona Richter hat über anderthalb Monate die Polar M400 und die Garmin Vivoactive HR getestet - vorher hat sie sich beim Laufen immer auf ihr Gefühl verlassen. Hier beantwortet sie die Frage: Wie verändert sich das Training durch die Nutzung der Laufcomputer?

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Bis vor wenigen Wochen war ich ein spontaner Gefühlsläufer – ohne Laufcomputer am Handgelenk –, der nach dem Schuhe-Schnüren und dem flüchtigen Blick zur Küchenuhr innerhalb kürzester Zeit schon unterwegs war. Unabhängig von festen Trainingszeiten nach Lust und Laune. Mal länger, mal kürzer – das entschied ich meistens spontan während des Laufens. Laut Küchenuhr war ich zuweilen auf Rekordkurs, oder ich machte mir nichts aus der Zeit und ließ die Beine einfach gemütlich rollen. Dann waren die Zeiger des heimischen Zeitmessers schon deutlich weiter fortgerückt.

Irgendwann war ich aber so weit, das Training gezielter anzugehen. Es war ein bewusster Entschluss. Denn ich habe täglich sehr viel Zeit in das Lauftraining investiert und mich gegen Ende schließlich immer häufiger gefragt, ob ich nicht auch effizienter laufen könnte. Strukturierter, abgestimmter – schließlich wollte ich durch ein besseres Training ja auch schneller werden.

Darum nahm ich das Angebot gern an, zwei GPS-Laufcomputer über rund anderthalb Monate gründlich zu testen und von meinen Erfahrungen zu berichten. Schließlich hatte ich zuvor noch nie mit so einer Uhr trainiert und ging daher ganz unvoreingenommen an die Sache ran: keine Präferenzen, was die Marke angeht, keine guten oder schlechten Erfahrungen mit anderen Modellen. Die Wahl fiel auf die M400 von Polar und die Garmin Vivoactive HR, zwei Uhren der mittleren Preisklasse.

Beide sind (natürlich) mit GPS ausgestattet. Größter Unterschied: Die M400 misst die Herzfrequenz via Brustgurt, die Vivoactive kommt „oben ohne“ daher und misst den Puls am Handgelenk. Vor den sechs Testwochen, in denen ich nach einem vorgegebenen Trainingsplan gelaufen bin, habe ich mir einige Fragen notiert, die ich nun beantworten werde. Am Ende gibt’s eine Übersicht zu den technischen Details. So findest vielleicht auch du deinen passenden „Trainer fürs Handgelenk“.

Ist der GPS-Empfang schnell und zuverlässig?

Eins vorweg: Das minutenlange Warten aufs GPS-Signal vor dem Loslaufen gehört der Vergangenheit an. Mal warte ich fünf bis zehn Sekunden, mal eine halbe Minute. Aber das ist alles vollkommen okay. In Wäldern oder bei längeren Unterführungen geht das Signal schon mal verloren. Doch das ist unproblematisch. Die Uhren berechnen Strecke und Zeit nach, das reicht vollkommen aus für ein gezieltes Training. Gleichzeitig hilft das GPS, auf unbekannten Strecken die zurückgelegten Kilometer im Blick zu behalten.

Kann ich mein Training besser steuern?

Ganz klar, ja! Schließlich weiß ich genau, wie viele Kilometer ich wie schnell gelaufen bin und wie hoch dabei mein Puls war. Außerdem kann ich mit Laufuhr leichter die verschiedenen Trainingsinhalte steuern. Früher kannte ich ja eigentlich nur langsamen, schnellen und zu schnellen Dauerlauf. Jetzt kann ich ganz einfach Intervall- und Tempoläufe sowie Fahrtspiele kontrollieren. Klar muss das nicht sein. Aber wenn ich beispielsweise 6x1000 Meter in 4:10-4:15 Minuten laufen will, muss ich mir nicht mehr einen Sportplatz mit 400-Meter-Rundbahn suchen. Die GPS-Messung kann zwar bei einem Kilometer um ein paar Meter abweichen. Bei Hobbysportlern ist diese Differenz jedoch unerheblich.

Ist eine Leistungssteigerung eingetreten?

Durch die Herzfrequenz-Kontrolle während des Laufens weiß ich, dass sich meine Ausdauerleistungsfähigkeit deutlich verbessert hat. Zu Beginn des Tests lag mein Tempo beim ruhigen Dauerlauf (bis zu 75 Prozent der maximalen Herzfrequenz) etwa bei 5:30 Minuten pro Kilometer. Die maximale Herzfrequenz können beide Uhren durch einen kurzen Test relativ genau bestimmen. Das hilft ungemein, um das Training zu steuern. Nach den sechs Wochen war ich schon bei 5:15 Minuten pro Kilometer angelangt. Eine Temposteigerung um fast fünf Prozent! Mit meinem alten „Küchenuhr-Training“ wäre ich mal deutlich zu schnell, mal deutlich zu langsam unterwegs – und hätte es verpasst, die richtigen Trainingsreize zu setzen. So lässt sich das Training vielseitig gestalten, und das Laufen ist nicht mehr nur einfach Laufen. Was gleichzeitig für mich bedeutet, endlich auch mal die gemütliche Komfortzone zu verlassen! Nach dem Training gibt die M400 übriges ein kurzes Feedback über das Training. Das Garmin-Modell motiviert mit „Rekorden“. Den Pokal für den längsten Lauf habe ich in den sechs Wochen so einige Male erhalten .

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Entsprechen die Daten meinem Körpergefühl?

Wer kennt das nicht: Der Tag im Büro war lang oder es stand eine Menge körperliche Arbeit an. Dann ist man in der Regel weit entfernt vom „Bestzeit-Modus“. An diesen Tagen – oder nach einer harten Trainingseinheit am Vortag – war ich sehr dankbar für einen modernen Laufcomputer. Denn so hat mich der „Trainer am Handgelenk“ auch das eine oder andere Mal gebremst. Wäre ich wie gewohnt gelaufen und hätte dabei versucht, mein „normales“ Tempo zu erreichen, hätte ich mich mit Sicherheit in den Keller trainiert. Dank der Herzfrequenzmessung kann ich auch die langsameren Läufe deutlich besser steuern, gleichzeitig erhält mein Körpergefühl eine messbare Bestätigung.

Wie ist der Tragekomfort?

Beide Modelle sitzen sehr fest am Handgelenk. Und das, obwohl ich ein eher schmales Handgelenk habe und einige Zentimeter Armband überstehen. Diese stören dank der Schlaufe aber nicht – und das selbst mich nicht als bis dato „Nicht-Uhren-Trägerin“. Viele Läufer schwören ja mittlerweile auf die Pulsmessung am Handgelenk. Das bietet die Garmin-Uhr, aber auch der Brustgurt engt mich nicht ein. Der Gurt ist aus Textil und scheuert nicht. Ich habe nach wenigen Schritten schon vergessen, dass ich einen Brustgurt trage. Vorteil der Handgelenks-Messung: Man hat den ganzen Tag über – sofern man möchte – seinen Puls im Blick.

Führt die Uhr für mich ein Trainingstagebuch?

Ja, ich muss meine Kilometer nicht mehr in den Wandkalender eintragen. Die Uhr speichert meine Trainingseinheiten. Noch übersichtlicher wird es nach der Synchronisation mit der jeweiligen App. So bekommt man in Sekundenschnelle eine tolle Übersicht mit allen Details. Ich kann dort schnell erkennen, dass ich am Ende der sechs Wochen deutlich fitter bin als zu Beginn. Yeah!

Wie lautet das Gesamtfazit?

Die Uhren sind von der Handhabung recht unterschiedlich. Schließlich ist das Garmin-Modell eine Smartwatch. Sprich: Man kann Apps installieren und die Uhr damit noch individueller gestalten. Angefangen von Running-Apps bis hin zur Nutzung einer Golfplatzdatenbank. Außerdem verfügt die Uhr über deutlich mehr Sportprogramme als die M400. Das Polar-Modell ist dagegen schnörkellos auf Läufer ausgerichtet und mit 199,90 Euro rund 70 Euro günstiger als die Vivoactive. Das Garmin-Modell ist eher für solche Sportler gedacht, die sich gern und länger mit neuester Technik beschäftigen und diese im vollen Umfang nutzen wollen. Bedienen lassen sich beide Modelle recht simpel. Und was noch wichtiger ist: Sie erfüllen ihre Aufgabe und optimieren das eigene Training!

Die Testuhren im Vergleich

M400

Polar

M400

Herzfrequenzmessung: per Brustgurt, EKG-genau

Active Tracking (Computer misst jede Aktivität auch im Alltag): ja, passt das Ziel an und erkennt Belastungsarten

GPS-Ortung/GPS im Training: GPS arbeitet flott, die Live-Daten werden exakt
wiedergegeben

Displayansicht ändern: bis zu vier pro Seite, im Polar Flow Webservice

Intervalltrtaining: nach Zeit oder Distanz

Analyse-Software: Polar Flow Webservice

Höhenmesser: ja, GPS-basierend

Smartphone-Notifications: ja

Besonderheiten: Einfaches Handling, gute Trainingsanalyse, exakte Live-Daten

Akkulaufzeit mit GPS: bis zu 8 Stunden

Akkulaufzeit im Tracker-Modus: etwa drei Wochen

Displaygröße: 128x128 Pixel

Gewicht: 57 Gramm

Wasserdicht: 30 Meter

199,95 €

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Vivoactive HR

Garmin

Vivoactive HR

Herzfrequenzmessung: am Handgelenk (Dauermodus möglich), LEDs messen Blutstrom

Active Tracking: ja, passt das Ziel an

GPS-Ortung/GPS im Training: Schneller GPS-Empfang, Signal bleibt auch im Wald sehr stabil

Displayansicht ändern: direkt am Gerät, Apps und Widgets lassen sich nach Wahl ergänzen

Intervalltraining: nach Zeit oder Distanz

Analyse-Software: Garmin Connect

Höhenmesser: ja, mit integriertem Barometer

Smartphone Notifications: ja

Besonderheiten: Farbdisplay, Daten-Erfassung für viele Sportarten, APP-Nutzung

Akkulaufzeit mit GPS: bis zu 13 Stunden

Akkulaufzeit im Tracker-Modus: etwa eine Woche

Displaygröße: 205x148 Pixel

Gewicht: 48 Gramm

Wasserdicht: 50 Meter

269,99 €

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