Sechs Gründe, warum Arbeitslose laufen sollten

Sechs Gründe zu Laufen

Guter Vorschlag, viel Aufregung: Im Gespräch mit der Tageszeitung „Die Welt“ hat Ulrich Walwei, Vizedirektor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) vorgeschlagen, Arbeitslose sollten ruhig für einen Marathonlauf trainieren. Das aktiviere sie sozial. Ziele, Selbstvertrauen und neue Netzwerke könnten sich daraus entwickeln. laufen.de-Experte Andreas Butz findet: Der Mann hat recht.

BILD titelte: „Kein Witz: Stütze-Empfänger sollen ordentlich in Bewegung kommen – mit Lauftraining!“ In Foren wird der Vorschlag schon heftig diskutiert und vor allem kritisiert: Arbeitslose und Hartz-IV-Empfänger hätten kein Geld für Laufschuhe. Bei aller Diskussion, der Vorschlag von Walwei ist vor allem eines: richtig gut. Ja, Arbeitslose sollten laufen, am besten mit finanzieller Unterstützung der zuständigen Ämter und Versicherungen. Denn Laufen ist mehr als nur Freizeit. Laufen ist ein Allheilmittel und für Arbeitslose gleich mehrfach wirksam.

Laufen gibt dem Tag Struktur
Eine berufliche Anstellung gibt einem Tag Struktur. Das soziale Leben gruppiert sich um die Kernarbeitszeiten herum, vom frühen Aufstehen angefangen bis zum abendlichen Einkauf auf dem Heimweg. Fallen diese Strukturen weg, haben viele Menschen Probleme, die freie Zeit zu füllen.

Laufen kann hier helfen, einen Teil der Zeit sinnvoll zu nutzen. Und Verabredungen zum Laufen, mit dem örtlichen Lauftreff oder gleichgesinnten Freunden verschaffen einem Arbeitslosen wertvolle Termine im Wochenkalender.

Laufen bringt Arbeitslose in Form
Wer läuft, aktiviert die Selbstheilungskräfte und reguliert das Gewicht. Dass Laufen ein Allheilmittel ist, ist hinlänglich bekannt. Eigentlich müsste es Laufkurse auf Rezept geben, denn Laufen wirkt nicht nur auf den Bewegungsapparat, seine Muskeln, Bänder, Knochen und Sehnen, es reguliert auch sämtlich Drohwerte vom Arzt, vom Blutdruck, Blutzuckerspiegel bis hin zum Cholesterin und Körpergewicht.

Die regelmäßigen Sauerstoffduschen und Aktivierungen des Herzkreislaufsystems tun auch dem Gehirn und damit der geistigen Fitness gut. Wenn Berufstägige dies wissen und nutzen, dann sollten Arbeitslose erst recht davon profitieren.

Laufen ist wertvoll für die Psyche
Auch das gleich mehrfach. Laufen spendet in der schwierigen Zeit der Arbeitslosigkeit das gute Gefühl, etwas für sich und seine Persönlichkeitswerte tun zu können. Das motiviert, das hält am Laufen. Dass in einem gesunden Körper meist ein gesunder Geist zu Hause ist, das wussten schon die alten Römer. Beim Laufen kann man das direkt zuordnen.

Die Glückshormone Serotonin und Dopamin tun nicht nur gestressten Manager-Köpfen gut. Gute-Laune-Hormone sind auch für Arbeitslose sehr wichtig. Und das begehrte „Runners’ High“, wenn körpereigene Endorphine Körper und Geist motivieren, hängt nur vom Tempo ab, nicht vom Geldbeutel. Also liebe Arbeitslose: Raus aus der Warteschleife, rein in die Laufschuhe, Lebensenergie tanken!

Laufen befreit Arbeitslose aus der Isolation
In Raucherklubs lernt man Raucher kennen, beim Lauftreff Läufer. Rauchen schadet der Gesundheit und kostet Geld. Laufen ist und macht gesund und kostet nur Zeit. Und davon haben Arbeitslose mehr als sie wollen. In Lauftreffs finden Arbeitslose Gleichgesinnte und Gesprächspartner. Und Lauftreffs sind üblicherweise kostenfrei.

Hier findest du Lauftreffs in deiner Nähe
Und zeige man mir nur einen Vereinsvorstand, der nicht auch sein üblicherweise kostenpflichtiges Vereinstraining für Arbeitslose öffnet und zumindest vorübergehend kostenfrei stellt. Mindestens ebenso wichtig wie die Anzahl der sozialen Kontakte ist das Verbindende der Lauferei. In Laufhosen sind alle gleich, die jeweilige soziale und finanzielle Situation übergreifend. Es zählt nur der momentane Fitnessstand, um die richtigen Trainingspartner zu finden. Und wer weiß, vielleicht lernt man beim Joggen sogar seinen künftigen Arbeitgeber kennen. Denn das Glück finden vor allem diejenigen, die mit offenen Augen und Ohren durch die Gegend laufen.

Laufen schließt eine Lücke im Lebenslauf
"Wie haben Sie die Arbeitslosigkeit genutzt?“, werden manche Arbeitgeber fragen. Gut, wer hier starke Antworten hat. Wer sich während der Arbeitslosigkeit vom Nichtsportler zum Halbmarathonläufer wandelt, ist nicht nur – wie oben besprochen – in einer viel besseren körperlichen und psychischen Verfassung. Er zeigt seinen potenziellen Arbeitgebern auch exemplarisch seine Fähigkeit, sich weiter zu entwickeln und demonstriert den Willen, aus jeder Situation das Beste machen zu wollen. Ein starkes Thema.

Marathon? Marathonläufer zu sein ist ein besonders deutlicher Eintrag in Ihrem Lebenslauf. Denn Marathonläufer gelten wie kaum andere Sportler als besonders zielstrebig, willensstark, diszipliniert und natürlich ausdauernd. Um dies zu schaffen brauchen Sie vor allem eines: Zeit. In 12 bis 18 Monaten können es gesunde Menschen schaffen, sich die Marathonreife anzutrainieren. ALG-II-Empfängern ist diese Zeit meist gegeben.

Laufen ist günstig
Nein, es müssen keine neuen Laufschuhe für über 100 Euro sein. Nein, Läufer brauchen keine Softshelljacken und Pulsuhren. Wenn zudem davon auszugehen ist, dass auch Hartz-IV-Empfänger nicht völlig ohne Hausrat und Garderobe arbeitslos wurden, dann sind üblicherweise Sportschuhe und Sportkleidung vorhanden.

Und auch die einfachsten Schuhe und Shirts sind gut genug, einen Start zu machen. Wer sich informiert, wird schnell erfahren, dass es bei Läufermessen für sehr kleines Geld neue Ware gibt. Also Budgetgründe sind die am einfachsten zu widerlegenden Hindernisse.

Dennoch: Wenn es von Seiten der Ämter finanzielle Unterstützung gäbe, verbunden mit verpflichtenden Nachweisen, dann wäre dies sehr hilfreich. Ja, die Arbeitsagenturen und Krankenkassen sollten Arbeitslose auf diesen Wegen unbedingt unterstützen, Laufkurse finanzieren und – in Verbindung mit dem Nachweis der Teilnahme an solchen Kursen – möglicherweise einen finanziellen Zuschuss zur persönlichen Ausrüstung mit Laufschuhen und Sportkleidung geben.