So macht Kindern Laufen Spaß

Bei immer mehr Laufveranstaltungen können mittlerweile auch Kinder an den Start gehen. Bambini-Läufe sind im Trend. Was du beachten solltest, wenn du deinen Nachwuchs dort mitlaufen lässt und wie sich die Kids vorbereiten müssen, liest du hier. Dazu gibt es drei Bewegungsspiele, mit denen bei Kindern der Spaß am Laufen geweckt werden soll.

Kinder beim Laufen (Fotolia)
Wer Kinder zum Laufen animieren möchte, sollte einiges beachten. ©Fotolia

Clara Greiner ist 11 Jahre alt. Seit sie sechs ist geht sie zum Training im Leichtathletik-Verein. Mittlerweile machen ihr die Wettkämpfe großen Spaß – vor allem wenn längere Strecken gelaufen werden. Das war aber nicht immer so. „Mit sechs war sie wohl einfach noch zu jung, um an den Wettrennen Spaß zu haben“, erinnert sich ihre Mutter Hannah.

Diese Erfahrung bestätigt auch David Deister, der beim Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) für die Jüngsten zuständig ist. „Etwa die Hälfte der Kinder hat in diesem Alter kaum Spaß daran, sich mit anderen im Laufen zu messen, während die anderen mit großem Elan dabei sind.“

Der erfahrene Kinder- und Jugendtrainer empfiehlt, die Wünsche der Kinder zu akzeptieren und sie nicht zu drängen, bei Wettkämpfen mitzulaufen. „Wenn sie ein Jahr lang trainiert haben, sind sie vielleicht Feuer und Flamme für einen Wettkampf“, sagt David Deister. „Wenn sie aber gegen ihren Willen in Rennen geschickt werden, verlieren sie möglicherweise langfristig die Lust aufs Laufen.“

Alarmsignale beachten

Eine Faustregel für die Länge der Vorbereitung ist schwer aufzustellen – zu unterschiedlich sind die Voraussetzungen, mit denen die Kinder in die Vereine kommen. Nach einem Jahr mit regelmäßigem, kindgerechten Sport sind die meisten aber fit fürs erste Wettrennen – manche natürlich auch schon viele früher. Dann können sie ihr Lauftempo auch schon so gut einschätzen, dass sie auf den ersten Metern nicht zu schnell rennen und das Ziel laufend erreichen.

Kinder beim laufen (Thinkstock)
Der Spaß am Laufen darf nicht fehlen. ©Thinkstock

Die Gefahr einer körperlichen Überlastung der Kinder ist gering. Wenn es Kindern zu anstrengend wird, bleiben sie stehen, setzen sich hin und werden bockig. Doch ein Alarmsignal sollte jeder kennen, der mit seinen Kindern Sport treibt: Wenn das Gesicht rot anläuft, sich aber ein weißes Dreieck um Mund und Nase bildet, ist es höchste Zeit aufzuhören.

Dass das Kindertraining im Verein die beste Voraussetzung ist, um Freude am lebenslangen Bewegen und Laufen zu erzielen – da sind sich die Experten einig. „Kinder brauchen Kinder“, bringt es David Deister auf den Punkt. Gerade in Zeiten, in denen viele Kids lieber zu Hause am Computer spielen und Fernsehen schauen als auf eigene Faust draußen zu toben, ist es wichtig in der Gruppe Bewegungserfahrungen zu sammeln.

Kinder brauchen Abwechslung

„Gerade das Laufen ist dafür ideal geeignet“, meint David Deister, „denn während beim Springen und Werfen jedes Kind auf sich allein gestellt ist, sind sie beim Laufen gemeinsam unterwegs.“ Vor allem Laufspiele wie Fangen oder Staffeln wecken die Begeisterung am Rennen. Längere Dauerläufe sind dagegen kaum kindgerecht, denn dabei kommt schnell Langeweile auf. Kinder brauchen eben Abwechslung.

Die Eltern sollten nicht versuchen, das Training akribisch unter die Lupe zu nehmen, indem sie am Rand sitzen und beobachten. „Da ist es besser, die Zeit zum Einkaufen zu nutzen. Aufmerksame Eltern werden an den Reaktionen der Kinder merken, ob ihnen der Sport bei diesem Betreuer Spaß macht oder nicht.“

Wichtige Tipps für Kinderläufe

•    Kinder sollten ihr eigenes Alter in Minuten locker laufen können
•    Nach einem Jahr Training können die meisten eine halbe Stunde am Stück schaffen
•    Nur Laufen ist für Kinder zu wenig – sie sollten einen möglichst großen Bewegungsschatz erwerben
•    190 Schläge pro Minute sind als Herzfrequenz für Kinder beim Laufen okay
•    Eltern sollten nie ihren eigenen Ehrgeiz auf die Kinder übertragen
•    Alarmsignale beachten: Wenn das Gesicht rot anläuft, sich aber ein weißes Dreieck um Mund und Nase bildet, sind Kinder überanstrengt

Bewegungsspiele

Die früher gängige Lehrmeinung, Kinder sollten beim Sport nicht in eine Sauerstoffschuld geraten, ist überholt. Fangspiele und Wettrennen sind ideal, um Kinder fürs Laufen zu begeistern. Bloß verlangen solche Aktivitäten von den Eltern noch mehr Einsatz als der Kinderlauf von Ziel zu Ziel. Mitspieler müssen eingeladen werden, Spiele überlegt und vorbereitet werden. Ein Kindergeburtstag ist natürlich der richtige Anlass, einmal einen Bewegungsnachmittag zu organisieren. Besser als Kuchenwettessen und Computerspiele ist es ohne Frage, Spiele mit hohen Laufanteilen zu veranstalten.

Klammerklau (für Kinder ab drei Jahren)
Jedes Kind erhält eine bis fünf Wäscheklammern, die gut sicht- und erreichbar an der Kleidung befestigt werden. Nach dem Startsignal versuchen alle Kinder, den anderen so viele Klammern wie möglich abzunehmen und an der eigenen Kleidung zu befestigen. Wer nach der vorher festgelegten Zeit (beispielsweise drei Minuten), die meisten Klammern an T-Shirt und Hose trägt, hat gewonnen.
laufen.de-Tipp: Um das Klauen der Klammern zu verhindern, ist nur schnelles Weglaufen erlaubt. Rangeleien sind sofort zu unterbinden.

Spielplatz-Biathlon (ab sechs Jahren)
Beim Kinder-Biathlon wird gerannt und geworfen. Die Laufstrecke führt im Garten, Park oder auf dem Sportplatz von Wurfstation zu Wurfstation. Dort müssen Tennisbälle in Kisten oder Tonnen geworfen werden. Du kannst natürlich auch andere Gegenstände als Ziele verwenden. Das Rennen wird als Mannschaftswettkampf absolviert. Das Team mit den meisten Treffern bei einer vorher festgelegten Zahl von Würfen pro Station gewinnt.
laufen.de-Tipp:
Anfänger werden vor Überlastung geschützt, wenn ihnen eine Zeitspanne vorgegeben wird, in der sie die festgelegte Distanz plus Wurfversuche zurücklegen sollen – beispielsweise 2000 Meter zwischen 13 und 15 Minuten. Für jede Sekunde, die das Team schneller oder langsamer ist, werden Trefferpunkte abgezogen.

Zeitprophezeiung (ab zehn Jahren)
Mit diesem Spiel wird der Nachwuchs an systematisches Training herangeführt. Dabei werden vorgegebene Strecken zwischen 50 und 500 Metern gelaufen. Vor dem Start sagt jedes Kind voraus, wie lange es für die zurückzulegende Strecke wohl brauchen wird.
laufen.de-Tipp
Verteile für das Zeitgefühl Punkte. Je nachdem, wie alt und erfahren die Kinder sind, tolerierst du mehr oder weniger Sekunden Abweichung von der vorausgesagten Zeit. So gewinnen nicht immer die Schnellsten, sondern diejenigen, die ihr Tempo am besten einschätzen können.