So macht uns Laufen glücklich

Wer läuft, lebt einfach besser. Wir haben Menschen gefragt, was das Laufen ihnen gibt. Und erstaunliche Antworten erhalten.

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GERALD (34) AUS DÜREN: Sich Ziele zu setzen und die dann auch zu erreichen, ist ein fantastisches Gefühl

Es ist fantastisch, das zu schaffen, was man sich vorgenommen hat. Das habe ich durchs Laufen gelernt. Es hat aus mir einen zielstrebigen Typen gemacht. Das war ich nicht immer. Als Jugendlicher und in meinen Zwanziger-Jahren war mir Party-Machen oft wichtiger als Schule und Studium. Ich habe geraucht und Alkohol gehörte einfach dazu. Neben meinem Maschinenbau-Studium habe ich für eine Konzert-Agentur gejobbt, ging mit den Stars auf Tour. Natürlich wurde dabei viel und heftig gefeiert. Das hat Spaß gemacht, aber irgendwann merkte ich, dass ich in einen Strudel geraten war, der nur eine Richtung kannte: abwärts. Ich habe mein Studium vernachlässigt und auch die Tourneen mit den Stars fielen mir immer schwerer. Da habe ich die Notbremse gezogen, mit den Tour-Jobs aufgehört und im Studium Gas gegeben.

Während andere im Stress der Prüfungsphasen ihren Körper vernachlässigten, habe ich in dieser Zeit das Laufen für mich entdeckt. Es hat mir die nötige Ruhe und Gelassenheit gegeben, die ich in dieser Zeit brauchte. Auch nach dem Einstieg in den Job als Ingenieur hat mich das Laufen nicht mehr losgelassen. Aber ich brauche Ziele. Seitdem trainiere ich nach Plan, bereite mich auf Zehn-Kilometer- und Halbmarathonläufe vor. Mich macht es einfach glücklich, wenn ich es schaffe, mich so anzustrengen, dass ich bei jedem Lauf das Ziel erreiche, das ich mir vorher gesetzt habe.

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LENA (28) AUS FLENSBURG: Wenn ich mich richtig ausgepowert habe, bin ich im Kopf total frisch

Erschöpft? Nein, so würde ich den Zustand nie nennen, in den ich mich mit Laufen und anschließendem Body-Work-out im Studio bringe. Nach den anderthalb Stunden bin ich ausgepowert, aber nur körperlich, im Kopf bin ich nach dem Training total frisch. Erschöpfung ist dagegen lang anhaltende Müdigkeit. Ich liebe es, am Ende eines 45-Minuten-Laufs richtig Gas zu geben, bis nichts mehr geht. So zu rennen ist cool, weil dann in meinem Kopf kein Platz mehr für andere Gedanken ist. Schon gar nicht für negative Emotionen. Ich bin dann ganz bei der Sache, denke nur noch ans Laufen. Dann fühlte ich mich fast wieder in ihre Kindheit zurückversetzt, als ich beim Spielen stundenlang die Welt um mich herum vergessen konnte.

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TOM (38) AUS HAMBURG: Ich bin den Drogen und den Depressionen einfach davongelaufen

Zigaretten, Übergewicht, Alkohol, Drogen und depressive Phasen: Das war mein Leben. Bis ich mit dem Laufen angefangen habe und zum Marathon-Finisher geworden bin. Täglich eine Schachtel Zigaretten, 115 Kilo bei 1,89 Metern Körpergröße. Heute kann ich mir kaum vorstellen, dass ich das mal war. Vor fünf Jahren habe ich mich noch jedes Wochenende mit meinen Freunden in der Kneipe getroffen. Mit Amphetaminen haben wir nachgeholfen, damit wir das ganze Wochenende durchfeiern und durchsaufen konnten. Sport? Na, klar! Wir waren ja Fans von St. Pauli und haben uns jedes Spiel angeschaut und dabei jede Menge Bier getrunken. Selbst bewegt habe ich mich aber fast gar nicht mehr. Komisch eigentlich, als Kind und Jugendlicher habe ich fast 20 Jahre lang Fußball gespielt. Am Wochenende war ich high – am Montag folgte das Tief, depressive Phasen.

Nach einem Arztbesuch wurde mir klar: Ich muss etwas ändern. Ich habe versucht, mich gesünder zu ernähren. Und die Sportschuhe rausgekramt. Mit einem Freund habe ich dann noch eine geraucht. Dann sind wir losgelaufen. Wir haben zweieinhalb Kilometer geschafft, danach waren wir total fertig. Aufgeben kam trotzdem nicht infrage. Rund drei Monate später habe ich meinen ersten 10-Kilometer-Wettkampf gefinisht. Laufen gehört jetzt zu meinem Alltag, den ersten Marathon habe ich auch hinter mir. Alkohol, Drogen und Zigaretten sind tabu. Auch am Wochenende. Und wenn es mir doch mal schlecht, gehe ich laufen. Seitdem sind die Depressionen weg.

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SARAH (34) AUS DEM SIEGERLAND: Lange und langsam laufen ist für mich wie meditieren

Wenn ich mich von meiner Familie zum Laufen verabschiede, bin ich länger weg. Meistens laufe ich dann zwei, drei Stunden in den Wäldern rund um das kleine Dorf bei Siegen, wo wir wohnen. Aber immer langsam. Anfangs fällt mir das schwer, weil es bei uns viele Hügel gibt, und ich die ersten zwei, drei Kilometer bergauf laufen muss. Aber ich weiß ja, dass es mir nach einer Stunde viel leichterfällt. Erst nach dieser Zeit finde ich meinen Rhythmus, das Joggen wird zum Selbstläufer. Und das genieße ich, auch wenn es gegen Ende oft wieder ziemlich anstrengend wird. Ich lasse einfach meinen Gedanken freien Lauf, das ist ein bisschen wie Meditieren.