Sportverletzungen richtig behandeln

Manchmal geht es schneller als man denkt. Eine Unebenheit im Wald, eine Wurzel, ein Stein: schon bist du umgeknickt. Oder du hast dir nach einem Sturz eine blutende Schürfwunde zugezogen. Was nun? Professor Wilfried Kindermann, viele Jahre lang Arzt der deutschen Fußball-Nationalmannschaft und der Olympia-Equipe, sagt dir, was bei den gängigsten Verletzungen zu tun ist.

Richtig handeln bei Sportverletzungen
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Ich habe mir nach einem Sturz eine Schürfwunde zugezogen. Wie handele ich richtig?
Ist die Wunde nicht allzu groß und die Blutung nicht zu stark, dann sollte die Wunde mit Wasser gesäubert und anschließend desinfiziert werden. Kleinere Abschürfungen können offen gelassen werden, ansonsten steril abdecken oder mit einem Pflaster versorgen. Bei stärkeren Blutungen muss die Blutung gestoppt werden In diesem Fall gilt: Möglichst schnell einen Arzt aufsuchen oder rufen. Auch größere Wunden müssen professionell behandelt werden. Außerdem geht es auch darum, weitere Verletzungen auszuschließen. Die Infektionsgefahr ist selbst bei kleineren Wunden nicht zu unterschätzen. Eine Tetanusimpfung ist notwendig, wenn der Impfschutz ungeklärt oder nicht ausreichend ist.

Wahrscheinlich ist beim Sturz ein Knochen gebrochen. Was tun?
Dass beim Laufen nach einem Sturz ein Knochen bricht, passiert zum Glück nicht häufig. Wenn es doch passiert, ist eher ein Unterarmknochen betroffen. Dabei sind es insbesondere handgelenknahe Brüche, vor allem bei Älteren. Brüche der unteren Extremitäten sind selten. Häufige Symptome sind lokale Schmerzen, Schwellung, Bewegungseinschränkung. Das oberste Gebot ist Ruhe. Der betroffene Körperteil sollte nicht bewegt werden. Selbst kann man nicht viel ausrichten. Außer: Mitläufer oder Passanten um Hilfe zu bitten. Wichtig ist, möglichst schnell ärztliche Hilfe zu erhalten.

Ich habe ein starkes Ziehen im Muskel verspürt. Kann dort was gerissen sein?
Freizeitläufer sind zwar in der Regel in einem ruhigen Dauerlauftempo unterwegs. Aber ein kalter oder überbeanspruchter Muskel ist anfällig für Verletzungen. Ist es nur eine Muskelzerrung, verspürt man ein Ziehen und ein zunehmendes Spannungsgefühl, aber man kann unter Schmerzen noch weiterlaufen. Ist es ein Muskelfaserriss, wird ein plötzlicher, starker Schmerz verspürt, der ein Weiterlaufen nicht zulässt. Oft ist ein falscher Tritt, eine plötzliche Richtungsänderung oder ein zu schnelles Abbremsen für eine solche Verletzung verantwortlich. Ein klassischer Fall für die PECH-Regel (siehe unten). Betroffene Stelle kühlen, einen Kompressionsverband anlegen und das Bein hochlagern. Auch wenn eine Zerrung keine sehr schlimme Verletzung ist, ein Arztbesuch ist sinnvoll. Erst danach hat man Klarheit und bekommt konkrete Therapiehinweise einschließlich Länge der Laufpause.

Ich bin gegen einen stumpfen Gegenstand gestoßen. Darf ich mit meiner Prellung noch weiterlaufen?
Ist der Schmerz nicht zu stark, kann weitergelaufen werden. Bei einer Prellung kann es zu einer Gewebequetschung mit Verletzung kleinerer Blutgefäße kommen, so dass sich ein Bluterguss bildet. Der Pferdekuss ist eine typische Form der Muskelprellung an der Außenseite des Oberschenkels beim Fußballspieler. Wichtigste Sofortmaßnahmen sind Kühlung und Kompression, um den Bluterguss gering zu halten. Salbenverbände (keine heparinhaltigen Salben) können zusätzlich hilfreich sein. Normalerweise kann bereits nach wenigen Tagen wieder gelaufen werden

Bei mir tritt immer wieder dasselbe Problem auf: Nach sechs bis acht Kilometern habe ich Blasen an den Füßen. Was kann ich tun?
Das ist ein Problem, das sehr viele Läufer haben. Vorsorge ist hier viel besser als Nachsorge, die natürlich auch sein muss. Bestimmte Fußformen neigen dazu, in manchen Laufschuhen zu scheuern. Wer also weiß, dass er sich regelmäßig Blasen läuft, muss noch mehr Zeit in die Auswahl des bestmöglichen Laufschuhs investieren. Testen, Probe laufen und zur Not zurückgeben. Zum Glück ist das bei einem guten Händler möglich. Laufschuhe mit nahtfreiem Obermaterial können helfen, ebenso dünne Socken, die keine Falten werfen. Es gibt sogar doppellagige Socken, die ein Scheuern verhindern. Auch betroffene Stellen vor einem Lauf mit Tape abzukleben, ist eine hilfreiche Maßnahme. Blasenpflaster sind nützlich, wenn sich die Haut noch nicht mit Sekret gefüllt hat. Ist die Blase da, empfiehlt sich folgende Behandlung: Die Blase nach Desinfektion mit einer sterilen Nadel aufstechen und das Sekret ablaufen lassen. Den Rest der Haut nicht entfernen, die Blase anschließend steril abdecken.

Ich neige zu Muskelkrämpfen. Nicht nur in Wettkämpfen, sondern auch bei längeren Trainingsläufen kommt es zu Krämpfen. Was hilft dagegen?
Wer kennt diese Szenen nicht. Spätestens in der Verlängerung eines intensiven Fußballspiels liegen mehrere Akteure auf dem Boden, während ein Mitspieler die Wade dehnt. Selbst gut trainierte Profis bekommen Wadenkrämpfe! Diese Erste-Hilfe-Maßnahme ist genau richtig. Der Muskel zieht sich stark zusammen und muss jetzt schnell gedehnt werden. Oft schafft man das selbst nicht, weil der Krampf plötzlich und schmerzhaft kommt. Gut, wenn man einen Trainingspartner hat, der nun langsam aber stetig den Muskel wieder in die Länge zieht. Häufigste Ursachen sind Elektrolyt- und Flüssigkeitsdefizite sowie Ermüdung. Grundsätzlich ist es wichtig, sowohl vor als auch während Belastung von mehr als einer Stunde Dauer zu trinken.

Einmal nicht aufgepasst und schon bin ich im Wald umgeknickt. Der Fuß ist sofort angeschwollen. Wie reagiere ich richtig?
Verletzungen des Außenbandes sind die häufigsten akuten Verletzungen bei Läufern. Oft sind die Bänder überdehnt, manchmal reißen sie auch. In beiden Fällen gibt es nur eine Lösung: sofort das Training beenden, kühlen, einen Kompressionsverband anlegen und den Fuß hochlagern. Wer die PECH-Regel befolgt, hat fürs Erste schon viel richtig gemacht. Den Besuch beim Arzt erspart das nicht, denn der wird feststellen, ob wirklich nur die Bänder betroffen sind. Und wie viele wie stark verletzt wurden. Um einen Knochenbruch auszuschließen und die Schwere der Verletzung beurteilen zu können, ist oft eine Röntgenaufnahme notwendig. Wer die Therapie des Arztes befolgt, ist bestimmt schneller wieder schmerzfrei auf der Laufpiste als Läufer, die eine Bänderdehnung auf die leichte Schulter nehmen und schon nach kurzer Zeit ins Training einsteigen.

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Erste Hilfe für Sportler: Die PECH-Regel

Lange bewährt, leicht zu merken. Wer beim Sport Pech hat und sich verletzt, sollte nach der gleichnamigen Regel handeln. Die Anfangsbuchstaben kennzeichnen die Maßnahmen, die bei akuten Verletzungen zu treffen sind.

P = Pause
E = Eis
C = Compression
H = Hochlagerung

Pause: Auf keinen Fall weiterlaufen. Den verletzten Körperteil möglichst ruhig stellen.

Eis: Akut die verletzte Stelle wiederholt kühlen. Eis ist sehr gut geeignet, noch besser Eisbrei oder kaltes Eiswasser (Mischung aus Eiswürfeln und kaltem Wasser), niemals auf bloßer Haut anwenden. Eissprays sollten vermieden werden. Auch kalte Umschläge helfen, Blutungen und Schwellungen in Grenzen zu halten.

Compression: Die betroffene Stelle mit einem Druckverband (nicht zu eng!) für mindestens 24 Stunden versorgen, um Einblutungen und Schwellungen zu reduzieren. Dabei auf ausreichende Durchblutung jenseits (fuß-bzw. handwärts) der Kompressionsstelle achten.

Hochlagerung: Der Blutrückfluss zum Herz wird gefördert, die Schwellung wird reduziert.