Verliebt bei Kilometer 32

Single-Börse, Blind-Date, Kontaktanzeige? Ach was! Angela und Olli wissen, wie man den Partner fürs Leben findet: beim Marathon! Eine romantische Geschichte von einer Liebe, die bei Kilometer 32 entflammte und auch 14 Jahre später noch hält.

Verliebt bei km 32
Angela und Olli schwelgen gerne in Erinnerungen an ihr erstes Treffen beim Köln-Marathon 2001. ©JörgSchüler

„Das Erste, was ich von dir gesehen habe, waren deine strammen Waden.“ Angela fängt laut an zu lachen. Auch Olli kann sich ein verschmitztes Schmunzeln nicht verkneifen. Das Ehepaar Hertlein sitzt am Küchentisch und blättert durch ein altes Fotoalbum. Es ist ein verregneter Tag in Köln-Rodenkirchen – eine gute Gelegenheit, in Erinnerungen zu schwelgen. Und in dieser Hinsicht hat das Paar einiges zu bieten.

Denn statt gestellten Hochzeitsfotos schauen sich Angela und Olli alte Startnummern, Zeitungsartikel und Medaillen an. Eine ihrer ganz besonderen Erinnerungen ist die an den 7. Oktober 2001. Damals hatten sie ein erstes Date, wie es sich wohl jeder Läufer nur wünschen kann. Wenn Angela und Olli von ihrem ersten Treffen erzählen, dann lachen sie viel. Ihre Augen leuchten und es ist deutlich zu spüren: Auch 14 Jahre später sprühen noch die Funken.

„Es war beim fünften Köln-Marathon“, fängt Angela an. „Ich bin dort meinen allerersten Marathon gelaufen.“ Die ersten Kilometer lief sie noch mit einem Freund zusammen, mit dem sie einige Zeit liiert gewesen war. Doch schnell merkte sie, dass es vom Tempo her nicht passt. Sie trennten sich und Angela gab Gas. Zu dem Zeitpunkt ahnte sie noch nicht, was das für ihr weiteres Leben bedeuten würde.

"Ich dachte nur: Boah!"

„Es lief richtig gut“, erinnert sich die inzwischen 50-Jährige. Sie zog an einigen Läufern vorbei, mit manchen wechselte sie kurz ein paar Sätze – und dann erblickte sie ihn! „Ich habe von hinten die dunklen Haare und die kräftigen, gut definierten Waden gesehen und dachte nur: Boah! Der bringt dich durchs Ziel!“ Und Angela wäre nicht Angela, wenn sie so eine Chance nicht ergriffen hätte. Mit ihrer offenen, lockeren Art schloss sie zu Olli auf und fragte: „Und? Hältst du das Tempo bis zum Ziel durch?“.

Beide müssen lachen, wenn sie heute an diesen Moment zurückdenken. Ein Moment, der ihnen noch immer fest ins Gedächtnis eingebrannt ist. „Ich weiß noch genau, wie du mich erst mit deinen stahlblauen Augen taxiert hast“, sagt Angela grinsend. „‚Was will die denn von mir?‘ hast du vermutlich gedacht!“ Olli grinst zurück und zieht seine Frau zu sich heran. Er weiß genau, was er dieser spontanen und vielleicht ein wenig verrückten Aktion zu verdanken hat. Denn die beiden Läufer kamen schnell ins Gespräch.

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Noch gut zehn Kilometer waren es bis zum Ziel — doch die vergingen für sie wie im Flug. „Es hat einfach gepasst“, erinnert sich der 48-Jährige. „Für mich war es der zweite Marathon. Der erste war nur Quälerei, doch dieser ging richtig locker.“ Und das lag sicherlich nicht nur am guten Training. „Wir sind dann ganz entspannt und mit einem Lächeln im Gesicht gemeinsam ins Ziel gelaufen“, erzählt Angela weiter. Und auch wenn das Rennen zu Ende war, ihr Gespräch war es noch lange nicht. „Ich weiß noch genau, wie wir dann mit Kölsch und Berlinern im Zielbereich saßen und immer weiter geredet und geredet haben.“

Verliebt beim Marathon
Noch heute stolz: Angela und Olli haben ihre Finisher-Shirts und Medaillen vom 5. Köln-Marathon 2001 selbstverständlich aufbewahrt. ©JörgSchüler

Für beide war klar: Es muss ein Wiedersehen geben! Angela schrieb Olli – ganz romantisch – ihre E-Mail-Adresse auf den Arm. Ob es nun die Schmetterlinge im Bauch waren oder der Rausch nach dem erfolgreichen Marathon – man weiß es nicht – jedoch kam sie durcheinander und schrieb statt „.de“ ein „.com“ ans Ende. „Das war natürlich ärgerlich“, sagt Olli, der heute darüber lachen kann. „Als ich mich dann kurze Zeit später bei ihr melden wollte, kam meine E-Mail gleich wieder zurück.“

Doch so schnell gab er nicht auf. Hatte Angela doch den ersten Schritt gewagt, so war es nun an ihm, aktiv zu werden. „Mir war klar, dass ich sie unbedingt wiedersehen möchte. Also schrieb ich an den Marathon-Veranstalter und erklärte die Situation. Die Mail wurde glücklicherweise an Angela weitergeleitet und sie antwortete.“

Dann ging plötzlich alles ganz schnell: Nicht nur das erste Treffen, das wenige Tage später folgte, sondern auch die Geburt des ersten Kindes, die nur ein Jahr auf sich warten ließ. Übereilt? „Absolut nicht!“ - da sind sich Angela und Olli auch heute noch sicher. „Ich war bei der Geburt von Henri ja auch schon fast 38“, sagt Angela. Und Tochter Lucie, die sechs Jahre später folgte, machte die Familie dann komplett.

"Es passt einfach so gut zu unserem Leben"

Auch heute noch ist das Ehepaar nicht nur unheimlich glücklich, sondern sich auch sicher, dass das erste Treffen nicht mehr und nicht weniger als perfekt war: „Es passt einfach so gut zu unserem Leben“, schwärmt Angela. „Wir sind beide sehr aktiv, ständig unterwegs und lieben den Sport und vor allem das Laufen. Und das haben wir auch unseren Kindern weitergegeben.“ Olli verzieht das Gesicht: „Das stimmt allerdings! Henri hängt mich ja jetzt schon beim Laufen ab.“ Zwar sind es heute weniger Wettkämpfe, sondern eher gemütliche Läufe, doch darum geht es dem Ehepaar auch nicht. „Laufen tut einfach gut. Ich kann abschalten und hänge meinen Gedanken nach“, erzählt Olli. Seine Frau nickt zustimmend: „Egal wie blöd mein Tag war, wenn ich eine Runde Laufen war, dann geht es mir immer besser. Ich bekomme dabei viele neue Ideen.“

Während Olli mittlerweile auch gern allein eine Runde dreht, braucht Angela immer jemanden zum Quatschen. „Ich gehe meistens mit einer Freundin raus, dann kann man sich schön unterhalten und die Zeit vergeht viel schneller. Allein zu laufen, finde ich langweilig.“ Und das ist auch gut so! Denn diese wirklich tolle Liebesgeschichte könnte sie sonst heute nicht erzählen.