Wie du den perfekten Laufschuh findest

In Zeiten von Selbstbedienung und Online-Shopping wird die fundierte Beratung im Fachhandel manchmal als überflüssiges Relikt empfunden. Das ist sie aber bei weitem nicht, wie unsere sieben guten gründe für eine intensive und persönliche Beratung zeigen.

Intensive Beratung ist selten geworden in Zeiten von Online-Shopping und Selbstbedienung. Deshalb berichten viele Mitarbeiter in Laufsport-Fachgeschäften von Kunden, die komplett überrascht sind, wenn ihnen vor dem Kauf Fragen gestellt und Informationen geliefert werden. „Was soll das? Ich will doch nur ein Paar Schuhe kaufen!“, scheinen sich die Kunden zu fragen. 

Und vielleicht zählst du ja auch zu den Läufern, die den Berater erst mal abwimmeln. „Ich will nur schauen.“ Aber nur, um zwei Minuten später mit einem Schuh in der Hand den Laufschuhberater zu fragen: „Können Sie mir den bitte mal in meiner Größe bringen?“ 

Diese Kunden wissen, was sie wollen. Viele Jahre Lauferfahrung und die umfassende Vorabinformation im Internet lassen eine Beratung ebenso überflüssig wie ungewollt erscheinen. „Was will der mir schon erzählen, der soll erst mal die Marathons laufen, die ich gelaufen bin“, scheinen sie zu denken. Mit dieser Einstellung Laufschuhe zu kaufen, kann gut gehen, muss aber nicht. Denn Laufschuhe kaufst du nicht wie ein  Buch oder ein technisches Gerät. Laufschuhe müssen perfekt zu dir passen. Und ohne professionelle Beratung ist es fast unmöglich, das perfekte Modell zu finden.

7 Gründe für Beratung beim Laufschuhkauf

1. Die Modellvielfalt ist groß, die Unterschiede zwischen den Schuhen sind riesig
Aktuell werden von den Herstellern rund 300 verschiedene Laufschuh-Modelle angeboten. Und alle unterscheiden sich nicht nur in Bezug auf Preis, Optik und Passform voneinander. Vielmehr sind die wesentlichen Unterschiede im Bereich von Material und in Konstruktionsdetails zu finden. Doch die können selbst erfahrene Läufer meist nicht sehen. Sie sind auch beim Anprobieren nicht zu spüren. Hier ist professionelle Auskunft angeraten, denn ein kleiner Fehler bei der Wahl des Schuhs kann sich nach vielen tausend Schritten darin zum großen Problem auswachsen.

2. Optik ist wichtig fürs gute Gefühl, kann aber auch täuschen
Das erste, was ins Auge fällt, ist naturgemäß das Aussehen des Schuhs. Das weiß die Industrie auszunutzen: Hoch bezahlte Designer haben bei der Entwicklung der Schuhe ein gewichtiges Wort mitzureden. Das bezieht sich sowohl auf die Farbwahl als auch auf das Gesamtbild des Produkts. So soll der Schuh entweder einen „technischen“ Eindruck vermitteln oder aber Stabilität, Sportlichkeit oder sonstige Eigenschaften. All das und noch viel mehr lässt sich mit gewissen Design-Details transportieren — ganz gleich, ob der Schuh diese Eigenschaft wirklich besitzt oder nicht. Man sieht: Das Erscheinungsbild eines Schuhs sollte nicht das ausschlaggebende Kriterium sein. Und so wünscht sich Johanna Schenzielorz vom Laufwerk in Gelnhausen: „Manchmal möchte ich am liebsten einigen Kunden die Augen verbinden beim Anprobieren, damit sie sich wirklich nur auf ihr Gefühl verlassen müssen.“

3. Die bei der Anprobe tolle Passform kann danach mit jedem Laufschritt schlechter werden
Ein gut sitzender Schuh ist die Grundvoraussetzung für viele beschwerdefreie Kilometer. Da die Hersteller einen positiven ersten Eindruck beim Anprobieren vermitteln wollen, werden die Schuhe meist derart komfortabel ausgepolstert, dass sie einfach passen müssen. Das meist üppige Schaummaterial im Schuh passt sich perfekt an den Fuß an und vermittelt einen satten Sitz ab dem ersten Schritt. Irgendwann jedoch drückt sich das Material zusammen und die wahre Passform tritt zutage. Etwas genauer hineinfühlen zahlt sich also aus. Dabei hilft dann auch schon mal die eine oder andere kritische Frage des Laufschuhberaters zur Passform eines Modells.

4. Gleicher Name bedeutet nicht immer auch gleicher Schuh 
„Den XYZ von diesem Hersteller laufe ich schon seit acht Jahren. Ich kaufe mir immer das Nachfolgemodell.“ So argumentieren vor allem Läufer, die auch Laufschuhe im Internet bestellen. Das Modell, mit dem man immer gut zurechtgekommen ist, scheint eine scheinbar sichere Wahl zu sein. Auch wenn es von Jahr zu Jahr überarbeitet wird. Doch so einfach ist es nicht. Das Folgemodell wird in den allerseltensten Fällen mit dem Vorgänger identisch sein. Selbst kleinere Veränderungen an der Konstruktion oder dem Material können aus Deinem Lieblingsschuh einen Fremdkörper machen. Auch ist es keine Seltenheit, dass ein bei der Läuferschaft bekannter und beliebter Modellname einem komplett anderen Schuh verpasst wird. Die meisten Laufsportfachhändler können ein Lied singen von den unvermeidlichen Diskussionen mit den enttäuschten Läufern.

5. Empfehlungen von Laufpartnern sind nicht unbedingt zielführend
Die Versuchung, auf Tipps anderer Läufer zu hören, ist groß. Der Erfahrungsaustausch während langer Trainingsläufe verfehlt meist seine Wirkung nicht. Kollege Meyer kommt hervorragend mit seinem neuen Schuh zurecht, und da er auch der Schnellste der Trainingsgruppe ist, sollte dieser Schuh doch einen Versuch wert sein. Die Enttäuschung über das Ergebnis ist natürlich groß, da man nicht wusste, dass Kollege Meyer mit Hohlfüßen ausgestattet ist und auf dem Mittelfuß läuft, während der Rest der Gruppe mit Senkfüßen ausgestattet ist und mit der Ferse aufsetzt. Vielleicht hätte man doch die Beratung des LAUFPROFIS im Geschäft in Anspruch nehmen sollen. Der würde dann häufig so reagieren wie Danny Betzing vom Ausdauershop in Betzdorf bei Siegen: „Der Kunde sollte mal in aller Ruhe die Empfehlung seines Mitläufers gegen meine eigene Empfehlung ausprobieren – das überzeugt meistens.“

6. Die Selbsteinschätzung von Läufern gleicht nur selten der Realität
Häufig beginnt ein Verkaufsgespräch beim Laufschuhspezialisten mit der Warnung des Kunden: „Ich bin aber kein einfacher Fall – ich habe nämlich Knick-, Senk-, Spreizfuß.“ Doch bei genauerer Betrachtung entpuppt sich der vermeintliche Senk- als Hohlfuß und geknickt ist er auch nicht. Und natürlich ist kaum jemand in der Lage, den eigenen Laufstil zu analysieren. Auch der Blick eines Mitläufers reicht dazu meist nicht aus. Vertraue lieber einem Profi, dessen täglich Brot es ist, Füße und Laufstile zu analysieren und der das schon mehrere tausend Mal gemacht hat.

7. Der Testsieger eines Laufschuhtests ist längst nicht für jeden Läufer immer die erste Wahl
Manche Laufschuhtests sind ein „rotes Tuch“ für die Mitarbeiter im Fachhandel. Oft kommen Kunden ins Geschäft, die einfach den „Testsieger“ kaufen wollen. Dabei kann es bei Laufschuhen nie den einen Testsieger geben, der für alle gleich gut geeignet ist. Dafür sind Läufer viel zu unterschiedlich. Laufschuhe können nur daraufhin getestet werden, wie gut sie zu diesem oder jenen Läufertyp passen. Tests können nie die individuelle Beratung ersetzen. Manfred Xhonneux vom Runner Shop in Aachen spricht aus Erfahrung: „Bis jetzt hat sich meist meine Empfehlung als der wahre Testsieger für den jeweiligen Läufer herausgestellt.“ Denn nahezu jedes Laufschuhmodell auf dem Markt hat seine Berechtigung und einen Läufertypus, der hervorragend damit zurechtkommt.

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Technik und Berater: Im Zusammenspiel finden sie das passende Modell für dich

Im modernen Laufsportfachhandel, wie beispielsweise in den Geschäften der „LAUFPROFIS“ oder bei „RUN1ST“ stehen verschiedene technische Hilfsmitteln bereit, die den Berater dabei unterstützen, für alle Kunden optimal passende Laufschuhe zu finden. Videogestützte Laufbandanalyse und Winkelmessung, sogar Druckmessplatten gehören fast überall dazu, wenn es darum geht, Läufer statisch und dynamisch zu analysieren. Die Vielfalt der Schuhmodelle mit ihren teils extrem unterschiedlichen Eigenschaften verlangt eine genaue Bestandsaufnahme, um die Voraussetzungen des Läufers festzustellen. 

Aber: Die aufwändigste Technik, die buntesten Bildchen, die beeindruckendsten Videoaufnahmen sind nichts wert ohne die fachkundige Interpretation des Beraters. Laufen auf dem Laufband beispielsweise provoziert meist einen anderen Laufstil als draußen im Gelände. Unsicherheiten oder einfach nur das Sich-Anpassen an die Geschwindigkeit des Bandes verändern den Laufstil. Hier ist die Erfahrung des Beraters gefragt, diese Unterschiede richtig zu beurteilen und deren Folgen in seiner Analyse zu berücksichtigen. Einige Händler verzichten aus diesem Grund sogar ganz auf ein Laufband und beurteilen das Laufbild auf einer Laufbahn im Geschäft oder auf der Straße davor. Ein gutes Auge und die Erfahrung vieler tausend Analysen geben dem Läufer die Sicherheit, hier auch ohne technischen Aufwand in den richtigen Händen zu sein.

Denn mit einer qualifizierten Beratung steht und fällt der Kauf des richtigen Schuhwerks. Bei den Beratern im Laufsport-Fachhandel laufen die Fäden zusammen: Er kennt dich und sämtliche Schuhmodelle mitsamt ihren Eigenschaften, Vorteilen und Nachteilen. Vor allem aber weiß er, welches Laufgefühl die einzelnen Modelle vermitteln. Denn ein Vergnügen ist das Laufen nur, wenn es komfortabel ist, das heißt, wenn man fühlt, dass der Schuh zum Fuß und zum Laufstil passt – von der orthopädischen Beschwerdefreiheit ganz zu schweigen. 
Schutz und Stütze bietet der Schuh nur, wo es nötig ist, ansonsten passt er sich dem individuellen Laufstil an. Um das zu gewährleisten, muss der Berater die Eigenschaften des Schuhs mit den Voraussetzungen des Läufers abgleichen und richtig zusammenfügen. „Die unterschiedlichen Voraussetzungen der Läufer bedingen unterschiedliche Techniken im Schuhbau“, so Axel Reusch, Inhaber des Laufladens in Sonthofen im Allgäu.

Dazu gehören natürlich auch die umfassende Kenntnis der Orthopädie des Läufers und eine sichere Beurteilung seines Laufverhaltens. Eigene Lauf-Erfahrung des Beraters ist dabei Grundvoraussetzung, doch sie ist nicht alles. Ständige Fort- und Weiterbildung, ständiges Aktualisieren des Wissens um Schuh und Fuß – der Laufschuhprofi im Laden vor Ort trägt seinen Namen nicht zu Unrecht. Seiner Expertise kannst du vertrauen, und so profitierst du von der altmodischen Form des Einkaufs im Geschäft. Bei Laufschuhen steht immer noch der Faktor „Individualität“ ganz oben. Die lässt sich in keiner Suchmaschine, in keinem Forum und keiner noch so gut gemeinten Schuhbeschreibung erreichen.