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Berliner Halbmarathon: Gabius' offene Rechnung

| von Christian Ermert
Am Sonntag ist Arne Gabius der deutsche Star beim Berliner Halbmarathon. Doch auf laute Rekord-Ankündigungen verzichtet der Marathonrekordler diesmal.

Am Sonntag ist Arne Gabius (Foto, Mitte; LT Haspa Marathon Hamburg), der deutsche Star beim Berliner Halbmarathon. Zusammen mit Philipp Pflieger (rechts; LG Telis Finanz Regensburg), Julian Flügel (links; Asics Team Memmert) wird er im Blickpunkt stehen. Doch auf laute Rekord-Ankündigungen verzichtet der Marathonrekordler diesmal. Er will die offene Rechnung begleichen, die er mit diesem Rennen noch hat, nachdem er vor einem Jahr mit großen Magenproblemen erst als 301. ins Ziel lief.

Vor fünf Monaten hat Arne Gabius den deutschen Marathon-Rekord in Frankfurt auf 2:08:33 Stunden verbessert. Damit setzte er genau das um, was er in den Wochen zuvor immer wieder angekündigt hatte. In den Tagen vor dem Berliner Halbmarathon lässt es der 35-Jährige verbal viel ruhiger angehen. Er sagt Sätze wie: „Ich will in das Rennen eintauchen und gar nicht auf die Uhr schauen.“ Die 60:34 Minuten, die Carsten Eich vor mittlerweile 23 Jahren an gleicher Stelle lief und die 1993 Europarekord waren und die bis heute die schnellste je von einem Deutschen gelaufene Zeit über 21,1 Kilometer sind, lässt er fast unerwähnt.

Dennoch will er am Sonntag in der Spitzengruppe laufen, die sich vermutlich um den ehemaligen Halbmarathon-Weltmeister Wilson Kiprop aus Kenia bilden wird. Dessen Bestzeit steht bei 59:15 Minuten, und er will am Sonntag wieder die magische Marke von einer Stunde unterbieten. Arne Gabius will solange wie möglich mitlaufen. Wohlwissend, dass er mit höchster Wahrscheinlichkeit unter seiner Bestzeit bleiben wird, die er vor zwei Jahren mit 62:09 Minuten aufstellte und sich danach für eine Karriere als Marathonläufer entschied.

Damals war nicht nur Arne Gabius nicht der, der er heute ist – auch die Bedingungen waren völlig andere als für Sonntag zu erwarten sind. Während die Prognosen für Sonntag zur Startzeit um 10 Uhr von blauem Himmel, zehn Grad und schwachem Wind ausgehen, war es vor zwei Jahren ein Grad kalt. Und in New York ist die Strecke längst nicht so eben wie in Berlin.

Das härteste Training am eigenen Geburtstag

Und auch wenn er sich aktuell mit großen Worten zurückhält – dass er im Olympiajahr Großes vorhat lässt sich an seinem Training ablesen. Am vorvergangenen Dienstag – es war der 22. März und damit sein Geburtstag - absolvierte er ein Programm, dass manch einem ambitionierten Langstreckler als Wochenpensum auslasten würde.

Er lief:

10 Kilometer in 32:55 Minuten

bevor er

10-mal 1000 Meter in 2:50 Minuten absolvierte (dazwischen jeweils 2 Minuten Trabpausen)

Danach ruhte er fünf Stunden, bevor er wieder aufbrach und

10 Kilometer in 33:02 Minuten lief.

Den Abschluss bildeten 12 Kilometer in 36:40 Minuten. Das entspricht seinem Marathon-Renntempo von 3:03 Minuten pro Kilometer.

"Ich bin eigentlich den ganzen Tag gelaufen", meinte er zwei Tage vor dem Halbmarathon in Berlin. Mit Ein- und Auslaufen sowie den Trabpausen kam er auf 55 Kilometer an einem Tag. Und das in einem Höllentempo und ganz allein. Seine Frau Anne, die ihn sonst gern mal auf dem Fahrrad begleitet, lag mit 40 Gra Fieber im Bett. "Da bin ich so laufen gegangen, wie es mir Renato Canova empfohlen hat." Der Italiener berät den Hamburger bei seinem Training.

Dieses Pensum erklärt vielleicht auch, warum er vier Tage später beim Paderborner Osterlauf mit 28:41 Minuten nicht ganz so schnell war, wie erhofft. Aber seine Höhepunkte werden dieses Jahr eben der London-Marathon am 24. April und die olympischen 42,195 Kilometer im August in Rio sein. Mal schauen, ob er vorher seinen großen Taten im Training auch wieder große Ankündigungen folgen lässt, die er dann wahr macht. Und vielleicht reicht es ja auch am Sonntag mit ein bisschen Understatement wieder zum deutschen Rekord.