Die schönsten Bilder vom Rekordmarathon in Berlin

| Text: Jörg Wenig | Fotos: Norbert Wilhelmi, Imago (2)

Ein Fabelweltrekord durch Eliud Kipchoge in 2:01:39 Stunden. Mit 44.389 mehr angemeldete Teilnehmer als je zuvor. Erstmals mehr als 40.000 Läufer im Ziel am Brandenburger Tor. Und vier Weltrekorde durch kostümierte Läufer. Der 45. BMW Berlin-Marathon war ein Lauf der Superlative. Hier gibt's alle Infos und die schönsten Bilder.

Eliud Kipchoge krönte den 45. BMW Berlin-Marathon mit einem famosen Weltrekord von 2:01:39 Stunden. Der 33-jährige Kenianer lief vom Start weg sein eigenes Tempo und führte durchweg. Im Ziel hatte er den alten Weltrekord seines Landsmannes Dennis Kimetto, der vor vier Jahren in Berlin 2:02:57 gelaufen war, um 1:18 Minuten verbessert. Es war bereits der elfte Weltrekord in der Geschichte des BMW Berlin-Marathons. Dies ist die größte Steigerung des Männer-Weltrekordes im Marathon seit über 50 Jahren.

1967 - damals gab es noch keinen Berlin-Marathon und der heutige Race-Direktor Mark Milde kam erst sechs Jahre später auf die Welt - war Derek Clayton (Australien) in Fukuoka 2:09:36 gelaufen und hatte die damalige Bestmarke um knapp zweieinhalb Minuten unterboten.

Bei sehr guten Wetterbedingungen wurde der Kenianer Amos Kipruto am Sonntag Zweiter in 2:06:23. Als Dritter folgte sein Landsmann Wilson Kipsang mit 2:06:48. Rang vier belegte der Japaner Shogo Nakamura in 2:08:16.

Ein einmaliges Resultat gab es auch bei den Frauen. Etwas überraschend setzte sich Titelverteidigerin Gladys Cherono mit einem Streckenrekord von 2:18:11 Stunden durch und erzielte damit auch eine Jahresweltbestzeit. Cherono, die bereits zum dritten Mal in Berlin gewann, wurde zur viertschnellsten Läuferin aller Zeiten. Zum ersten Mal in der Geschichte des Marathonlaufes gab es drei Frauenzeiten unter 2:19 Stunden. Zweite wurde Ruti Aga in 2:18:34, Rang drei belegte die im Vorfeld favorisierte Tirunesh Dibaba (beide Äthiopien) mit 2:18:55.

Das schnellste Rennen der Marathon-Geschichte

Gemessen an den beiden Siegzeiten war es das schnellste Rennen über die 42,195 km aller Zeiten. Kipchoge und Cherono liefen zusammengerechnet 4:21:08 Stunden. Der bisher schnellste Marathon war in dieser Hinsicht London in diesem Frühjahr mit 4:22:48.

In Berlin waren am Sonntag keine deutschen Topläufer am Start. Als schnellster nationaler Läufer platzierte sich Valentin Harwardt (VfL Wolfsburg) auf Rang 26. Beste Frau war Anke Esser (Ostbevern) auf Platz 39. Sie war nach einem zu schnellen Beginn in der zweiten Hälfte eingebrochen und kam nach 2:48:53 ins Ziel am Brandenburger Tor.

Der BMW Berlin-Marathon registrierte eine Rekord-Anmeldezahl von 44.389 Läufern aus 133 Nationen.

Mit diesem Triumph in Berlin hat sich Eliud Kipchoge endgültig als bester Marathonläufer aller Zeiten etabliert. Mit seinen drei Tempomachern lag der Kenianer von Beginn an in Führung. Keiner der Konkurrenten konnte mit Kipchoge Schritt halten - und auch seine Tempomacher bekamen Schwierigkeiten. Als der Olympiasieger die Halbmarathonmarke in 61:06 Minuten passiert hatte, war nur noch ein ,Hase’ übrig. Josphat Boit hielt mit Mühe bis zur 25-km-Marke durch. Im Gegensatz zu den anderen Weltrekorden, die in Berlin zuletzt gelaufen wurden, musste Kipchoge nun 17 Kilometer alleine laufen.

Doch der Ausnahmeläufer wurde nach dem Ausscheiden des letzten Tempomachers nicht etwa langsamer sondern schneller! Die zweite Hälfte rannte er in sensationellen 60:33 Minuten. Zum Vergleich: der deutsche Halbmarathon-Rekord steht bei 60:34. „Es war mein Ziel, den Weltrekord deutlich zu unterbieten und ich war zuversichtlich vor dem Rennen. Ich bin 2:04 und 2:03 gelaufen und heute nun 2:01 - wer weiß, was die Zukunft bringt“, sagte Eliud Kipchoge, der in Berlin 2015 und 2017 den Weltrekord jeweils verpasst hatte, weil er Pech hatte. 2015 hatte er Schuhprobleme, im vergangenen Jahr stoppte ihn der Regen. Trotzdem gewann er beide Rennen und siegte somit heute zum dritten Mal in Berlin. „Ich will auf jeden Fall nach Berlin zurückkommen. Berlin ist für mich - für ewig“, erklärte Eliud Kipchoge, der nun elf seiner zwölf Marathonläufe gewonnen hat und endlich auch den Weltrekord in seinem Besitz hat.

„Ich bin dankbar. Und Glücklich. Und fühle mich großartig“, meinte er nach dem Rennen, „vor allem möchte ich mich bei meinem Coach Patrick Sang, meinen Teamkollegen, meinem Manager und auch den Veranstaltern des Berlin-Marathons danken, dass sie mir das ermöglicht haben. Und bei den Zuschauern, die mich vom ersten bis zum letzten Meter unterstützt haben. Ihre Anfeuerungen waren Musik in meinen Ohren. Ich glaube, das alles wird immer mehr Menschen zum Laufen inspirieren.“

Wilson Kipsang, der in Berlin 2013 den Weltrekord gebrochen hat und damals Kipchoge besiegt hatte, zollte dem neuen Weltrekordler höchstes Lob: „Ich muss sagen, was Eliud heute geleistet hat, ist unglaublich“, sagte Kipsang, der selbst nicht den besten Tag erwischte. „Ich war in guter Form, aber das Tempo war heute zu schnell. Ich glaube, ich kann immer noch 2:04 oder 2:05 laufen.“

Gladys Cherono, Ruti Aga und Tirunesh Dibaba laufen unter 2:19 Stunden

Im Rennen der Frauen lief Tirunesh Dibaba von Beginn an nicht so schnell wie geplant. Dadurch bildete sich eine größere Spitzengruppe, in der neben der Äthiopierin auch Gladys Cherono, Ruti Aga, Helen Tola (Äthiopien) und Edna Kiplagat (Kenia) liefen. Mehrmals hatte Tirunesh Dibaba - mit einer Bestzeit von 2:17:56 die Schnellste auf der Startliste - Probleme, ihre Getränkeflasche zu erhalten. Später hatte sie auch einen leichten Krampf. Nachdem Dibaba die Halbmarathonmarke in 69:03 Minuten passiert hatte und zu diesem Zeitpunkt einen Vorsprung von sieben Sekunden hatte, wurde sie kurz vor 25 km zunächst von Cherono und dann von Aga überholt. „Ich bin enttäuscht, ich dachte, ich würde schneller laufen können“, sagte Dibaba.

Alle drei -Cherono, Aga und Dibaba - rannten ein Tempo, das in Berlin bisher noch keine Frau gelaufen war. Und sie hielten bis ins Ziel durch, so dass es zu dem einmaligen Resultat mit drei Läuferinnen unter 2:19 Stunden kam. „Als ich angegriffen habe und Tirunesh überholte, war ich zuversichtlich, dass ich gewinnen würde“, sagte Gladys Cherono, die einen 13 Jahre alten Streckenrekord brach: 2005 hatte die Japanerin Mizuki Noguchi das Rennen in 2:19:12 gewonnen. Cherono schloss mit ihrem Sieg auf zu den Rekordsiegerinnen des Rennens: Renata Kokowska (Polen), die Berlinerin Uta Pippig, Aberu Kebede (Äthiopien) und die Kenianerin haben das Rennen jeweils dreimal gewonnen.

Und neben dem Weltrekord von Eliud Kipchoge wurden im Rahmen des 45. Berlin-Marathons noch vier weitere Weltrekorde erzielt: Von Läufern und Skatern in ganz speziellen. Kostümen. Vier von denen wurden direkt vor Ort von der der offiziellen Guinness World Records Rekordrichterin Lena Kuhlmann bestätigt: Den aufregendsten und nervenaufreibendsten Rekord erzielte Jamie Buckland aus Großbritannien. Verkleidet als französisches Mädchen unterbot er den früheren Rekord Stunden zuvor beim Sydney-Marathon aufgestellt wurde, um fast acht Minuten. Mit einer Zeit von 3:02:56 Stunden ist er nun Rekordhalter in der Kategorie „French Maid“ für Männer.

Als Holstentor verkleidet lief Richard Mietz aus Lübeck 3:34:34 Stunden – Weltrekord in der Kategorie „Marathon verkleidet als Wahrzeichen“. Die Inderin Kranti P. Salvi ist jetzt mit 3:57:07 Stunden die schnellste Läuferin, die einen Marathon in dem indischen Traditionsgewand Sari absolviert hat.

Der schnellste der kostümierten Läufer, die ins Guiness-Buch der Rekorde wollen war allerdings Nikki Johnstones aus Düsseldorf. Er lief 2:37:04 Stunden in voller Elvis-Presley-Montur, bestehend aus einer Pilotenbrille, Kotletten, einer Perücke, mit typischer Elvis-Welle sowie einem weißen Elvis-Einteiler, der zu 100 Prozent aus recycelten PET-Flaschen hergestellt wurde. Dokumentiert wurde alles auf der Tracking App Strava, die mit 33 Millionen Mitgliedern weltweit als der größte digitale Sportverein gilt. Sein Rekord muss allerdings in den nächsten Wochen noch von Guinness World Records zertifiziert werden.

Hier kannst du dir seinen Lauf auf Strava anschauen.

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