Amanal Petros läuft Marathon in 2:10:29 Stunden

| Text: Jörg Wenig | Fotos: imago images; Maraton Valencia Trinidad Alfonso

Eine große Überraschung gelang Amanal Petros bei seinem Marathon-Debüt in Valencia. Petros erreichte nach 2:10:29 Stunden das Ziel und blieb damit deutlich unter der internationalen Olympia-Norm von 2:11:30 Stunden. Überhaupt brachte das Rennen in Spanien zum Jahresende viele Weltklasse-Resultate. So wurde auch der 10-Kilometer-Weltrekord unterboten.

Dieses Marathon-Debüt haben nur wenige Experten Amanal Petros zugetrau: Der 24-jährige Läufer des TV Wattenscheid erreichte nach 2:10:29 Stunden auf Platz 19 das Ziel und blieb damit deutlich unter der internationalen Olympia-Norm von 2:11:30. Er ist der erste deutsche Läufer, der diese Richtzeit im Qualifikationszeitraum unterboten hat.

Damit wurde Amanal Petros auf Anhieb zum neuntschnellsten deutschen Läufer aller Zeiten. Schneller war in diesem Jahrtausend lediglich der deutsche Rekordhalter Arne Gabius, der dreimal unter 2:10 lief und sich auf 2:08:33 Stunden steigerte. Die Zeit von Amanal Petros, der die erste Hälfte des Rennens in 65:05 Minuten absolvierte und damit etwas schneller lief als geplant, ist natürlich auch eine deutsche Jahresbestzeit.

„Ich hätte nicht gedacht, dass ich eine solche Zeit laufen würde. Die harte Arbeit der letzten Monate hat sich ausgezahlt. Wichtig war, dass ich bis Kilometer 35 geduldig geblieben bin“, sagte Amanal Petros, der am Freitag direkt aus dem Höhentrainingslager in Kenia nach Valencia gereist war.

Das Rennen von Amanal Petros könnte auch einen positiven Effekt für zwei andere deutsche Topläufer haben. Denn Petros gehört zur Trainingsgruppe von Hendrik Pfeiffer (TV Wattenscheid) und Tom Gröschel (TC Fiko Rostock), die ebenfalls von Tono Kirschbaum betreut werden. Beiden ist zuzutrauen, im nächsten Frühjahr in den Bereich der Olympia-Norm von 2:11:30 Stunden zu laufen.

Die schnellsten deutschen Marathonläufer aller Zeiten

2:08:33 Arne Gabius (Stuttgart) 25.10.2015 in Frankfurt

2:08:47 Jörg Peter (Dresden) 14.02.1988 in Tokio

2:09:03 Michael Heilmann (Berlin) 14.04.1985 in Hiroshima

2:09:23 Christoph Herle (Waldkraiburg) 21.041985 in London

2:09:45 Stephan Freigang (Cottbus) 30.09.1990 in Berlin

2:09:55 Waldemar Cierpinski (Halle) 31.07.1976 in Montreal

2:10:01 Ralf Salzmann (Kassel) 14.02.1988 in Tokio

2:10:22 Carsten Eich (Fürth) 25.04.1999 in Hamburg

2:10:29 Amanal Petros (Wattenscheid) 01.12.2019 in Valencia

2:10:59 Michael Fietz (Münster) 26.10.1997 in Frankfurt

Amanal Petros wurde 1995 in Eritrea geboren. Schon als Zweijähriger flüchtete er mit seiner Mutter nach Äthiopien. 2012 kam er als Flüchtling alleine nach Deutschland. Er wurde zunächst in Bielefeld in einer Flüchtlingsunterkunft aufgenommen, er begann mit dem Laufen, kam zum TSVE Bielefeld. Und schon 2013 startete er erstmals bei Deutschen Jugendmeisterschaften. Seit Juli 2015 ist Amanal Petros deutscher Staatsbürger.

Debütant aus Äthiopien siegt in 2:03:51 Stunden

Den Marathon gewann der Äthiopier Kinde Alayew mit einer Weltklassezeit von 2:03:51 Stunden - dies ist die neuntbeste Zeit weltweit in diesem Jahr und ein Streckenrekord. Die bisherige Kursbestzeit hatte der Äthiopier Leul Gebrselassie 2018 mit 2:04:31 aufgestellt. Der Titelverteidiger wurde dieses Mal Neunter mit 2:07:19. Der 26-jährige Alayew, der auch unter dem Namen Atanaw geführt wird, lief in Valencia den ersten Marathon seiner Karriere. Dabei verfehlte er in einem sehr gleichmäßigem Rennen, in dem er die Halbmarathonmarke nach 61:57 Minuten passiert hatte, den inoffiziellen Debüt-Weltrekord um lediglich 17 Sekunden.

Der zweitplatzierte Türke Kaan Özbilen stellte mit 2:04:16 einen Europarekord auf. Der aus Kenia stammende Läufer verbesserte die Zeit von Mo Farah (Großbritannien/2:05:11) um fast eine Minute. Der Brite, der sich inzwischen entschieden hat, bei den Olympischen Spielen nicht Marathon zu laufen, sondern zu den Bahn-Langstrecken zurückzukehren, war vor einem Jahr in Chicago 2:05:11 Stunden gelaufen.

Dritter wurde in Valencia der Äthiopier Guye Adola, der sich nach Verletzungsproblemen mit 2:04:42 Stunden zurückmeldete. Mit Abebe Degefa blieb in Valencia noch ein weiterer Läufer unter 2:05 Stunden: Der Äthiopier wurde Vierter mit 2:04:51 Stunden. Eine starke Leistung zeigte Sondre Moen. Der Norweger belegte Rang sieben in 2:06:16 Stunden und verfehlte seine persönliche Bestzeit nur um 28 Sekunden.

26:38 Minuten: Weltrekord über 10 Kilometer

Joshua Cheptegei stürmte in Valencia zum 10-Kilometer-Weltrekord. Der 23-jährige Läufer aus Uganda erreichte bei dem Rennen, das parallel zum Valencia-Marathon stattfand, das Ziel nach 26:38 Minuten. Damit war er sechs Sekunden schneller als der bisherige Rekordhalter Leonard Komon (Kenia), der 2010 eine Zeit von 26:44 gelaufen war.

Joshua Cheptegei hatte in diesem Jahr bereits die WM-Titel im Cross und über 10.000 m gewonnen. Nach einer 5-km-Zwischenzeit von 13:23 absolvierte Cheptegei die zweite Hälfte in 13:15 Minuten. Der neue Weltrekordler lief quasi konkurrenzlos. Zweiter wurde mit großem Abstand der Kenianer Kevin Tibet in 28:19.

Welt-Premiere: Vier Frauen unter 2:19 Stunden

Ein außergewöhnliches Rennen gab es auch bei den Frauen, wobei hier die Äthiopierinnen ebenfalls dominierten. Roza Dereje gewann in 2:18:30 Stunden vor ihren Landfrauen Azera Abreha (2:18:33 h) und Birhane Dibaba (2:18.46h ). Als Vierte folgte die 5.000-Meter-Olympiasiegerin Vivian Cheruiyot (Kenia) mit 2:18:52 Stunden.

Damit blieben erstmals in einem Rennen gleich vier Frauen unter 2:19 Stunden. 2018 hatten in Berlin drei Frauen diese Zeit unterboten. Mit Zeineba Yimer Worku erreichte die Fünftplatzierte in 2:19:28 Stunden zudem noch ein Ergebnis von unter 2:20 Stunden. Die 22-jährige Roza Dereje war mit einer Bestzeit von 2:19:17 Stunden ins Rennen gegangen und schob sich mit 2:18:30 Stunden auf Rang acht in der Liste der schnellsten Läuferinnen aller Zeiten. Zum ersten Mal wurde nun auch in Valencia der Streckenrekord auf eine Zeit von unter 2:20 Stunden verbessert. Ashete Bekele hatte im vergangenen Jahr 2:21:14 Stunden erreicht.

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