Emotionale Events erleben
Arne Gabius mit sensationellem Marathon-Debüt in Frankfurt

| Ulrike John (dpa) und Jörg Wenig I Foto: Veranstalter/Frankfurt-Marathon
Arne Gabius im Ziel des Frankfurt Marathons 2014
Seinen großen Worten hat Langstreckenläufer Arne Gabius eine großartige Tat folgen lassen. Der Tübinger glänzte in Frankfurt/Main mit dem schnellsten Marathon-Debüt, das je ein Deutscher gegeben hat. Bei seinem Einstand über die klassische 42,195-Kilometer-Distanz wurde der 33-Jährige am Sonntag in 2:09:32 Stunden Neunter und machte so seine forsche Prognose wahr. «Ich habe jeden Kilometer auf die Uhr geschaut und mich immer besser gefühlt», sagte er nach seinem Coup. «Ich bin ja auch vollgefuttert an den Start gegangen.»Nummer drei in EuropaDamit ist Gabius drittschnellster Europäer in diesem Jahr und Vierter der ewigen deutschen Bestenliste, die der Dresdner Jörg Peter mit seiner Rekordzeit von 2:08:47 Stunden 1988 in Tokio anführt. Er war am Main auch schneller als Waldemar Cierpinski bei dessen Olympiasieg 1976 in Montreal in 2:09:55. «Das ist ein absoluter Schritt. Hut ab», sagte Gabius' früherer Trainer Dieter Baumann als hr-Co-Kommentator.Zum Nachlesen: Der laufen.de-Liveticker vom BMW Frankfurt-Marathon.Der Vize-Europameister über 5000 Meter von 2012 hatte sich in nur neun Wochen akribisch auf den Marathon vorbereitet und dabei seine Ernährung ziemlich runtergefahren. Seine Ankündigung, auf Anhieb «Richtung 2:10» zu laufen, hatte in der Leichtathletik-Szene für Aufsehen und auch Skepsis gesorgt; am Ende war er so schnell wie kein anderer deutscher Marathonläufer in diesem Jahrtausend.Jetzt erstmal Urlaub in Florida«Ich bin konstant gelaufen und nicht langsamer geworden», sagte Gabius. «Nach 32 Kilometern war ich allein. Ich wusste, dass es auf 2:10 hinausläuft.» Mit erhobenen Armen rannte der Mediziner auf dem roten Teppich in der Frankfurter Festhalle ins Ziel. «Das konnte ich genießen und mit den Leuten feiern.» Mit Lebensgefährtin Anne geht es zur Belohnung nun nach Florida in den Urlaub. «Einfach mal Sonne, Strand und keine Laufschuhe.»Als Tempomacher hatte Gabius unter anderen den EM-Achten André Pollmächer engagiert, der aber bei Kilometer 15 ausstieg. «Es hat sich super angefühlt», sagte der bisherige Bahnläufer nach seiner erfolgreichen Premiere. Bei der WM nächstes Jahr in Peking wird Gabius aber wohl auf die Bahn zurückkehren. «Ich bin Langstreckenläufer, auf der Bahn und auf der Straße. Auf der Straße bin ich jetzt jedenfalls angekommen.»Und wie: Nach 1:05:08 auf der ersten Streckenhälfte konnte er als einziger Topathlet im Männerfeld die zweite Hälfte schneller laufen. Seine offizielle Zielvorgabe von 2:10 bis 2:12 hat er letztlich klar unterboten. „Es war schon vorher mein Plan, 2:09 zu laufen“, sagte er nach dem Rennen. „Es war toll. Die Tempomacher haben mich auf die richtige Geschwindigkeit gebracht. Es hat sich super angefühlt. Bei Kilometer 32 habe ich das Heft in die Hand genommen und wollte etwas riskieren. In der Festhalle wusste ich: ‚Ich bin deutlich unter 2:10‘ – da konnte ich es genießen und mit den Leuten feiern. Das war einfach unglaublich“, kommentierte er.Zum ersten Mal seit 1990 knackt ein Deutscher die 2:10-Stunden-MarkeErstmals seit 1990 ist damit ein Läufer aus Deutschland wieder unter der Marke von 2:10 Stunden geblieben. Damals erreichte Stephan Freigang in Berlin 2:09:45 Stunden, der deutsche Marathon-Rekordler Jörg Peter (2:08:47) rannte damals 2:09:23. Gabius lief in Frankfurt auf Rang vier der ewigen deutschen Bestenliste. Dass er am Morgen 50 Minuten verschlafen hatte, konnte ihn nicht von einer Topleistung abhalten.Einen erfreulichen Auftritt zeigte auch der zweitbeste deutsche Läufer in Frankfurt. Julian Flügel (LG Telis Finanz Regensburg) kam in 2:14:20 Stunden auf Rang 16. Er steigerte seine persönliche Bestzeit gegenüber seinem Debüt in diesem Frühjahr in Hamburg gleich um 1:18 Minuten. Philip Pflieger (Regensburg) stieg dagegen bei seinem Debüt vorzeitig aus.Das Rennen gewann der Kenianer Mark Kiptoo in 2:06:49 Stunden. Bei idealen Bedingungen verpasste er jedoch deutlich den hochklassigen Streckenrekord von 2:03:42 Stunden, den Landsmann Wilson Kipsang 2011 aufgestellt hatte. Bei den Frauen setzte sich Aberu Kebede aus Äthiopien in 2:22:21 Stunden durch.Mona Stockhecke läuft BestzeitDie Hamburgerin Mona Stockhecke rannte als Achte in 2:33:50 Stunden persönliche Bestzeit und ließ sich zusammen mit Gabius feiern. Sie war bei der EM im August in ihrer Wahlheimat Zürich als 22. beste Deutsche. Etwa zwei Stunden nach dem Lauf saß sie im sommerlichen Kleid bei der Pressekonferenz und war immer noch tatenkräftig: Party sei jetzt angesagt. «Auf jeden Fall möchte ich jetzt gut feiern.»Teilnehmer aus 101 Nationen waren bei der 33. Auflage des BMW Frankfurt-Marathons vertreten – so viele wie noch nie in der Geschichte der Veranstaltung. 15.228 gemeldete Läuferinnen und Läufern bedeuten ein kleines Plus gegenüber dem Vorjahr und das zweitbeste Meldeergebnis überhaupt. Rahmenwettbewerbe eingerechnet, waren insgesamt 22.906 Läufer unterwegs.Die Ergebnisse vom BMW Frankfurt-Marathon findest du hier.