Berliner Halbmarathon: Sightseeing-Party auf 21,1 Kilometern

| Text: Natascha Marakovits | Fotos: SCC Events

Der Generali Berliner Halbmarathon versprach im Vorfeld mit einer neuen Strecke eine Sightseeing-Tour durch die Stadt zu werden. Das Versprechen wurde gehalten. Party inklusive.

Bäm, bäm, bäm. Aus den Lautsprechern ertönt die mir bereits vom Berlin Marathon bekannte Musik. Die Topathleten werden vorgestellt. Jubel bricht aus, jede und jeder wird beklatscht. Dann geht es auch schon los. Drei. Zwei. Eins. Ein Schwarm knallroter Luftballons steigt direkt beim Startbogen in die Luft. Ich stehe etwa zwei- dreihundert Meter dahinter in Startblock C. Mein Herz pocht. Immer stärker. Es geht los. Die Reise durch Berlin. Die Organisatoren des SCC EVENTS versprachen bei der Pressekonferenz eine 21,0975 Kilometer lange Sightseeing-Tour durch die deutsche Hauptstadt. Ich kenne Berlin, bin schon dreimal hier den Marathon gelaufen und dennoch bin ich gespannt, was mich erwartet. Neu in diesem Jahr: das Start- und Zielgelände wurde vom Alexanderplatz zum etwa drei Kilometer weiter gelegenen Brandenburger Tor verlegt. Erinnerungen an den Marathon kommen auf. Das Wetter zeigt sich von seiner besten Seite. Strahlend blauer Himmel und schon über zehn Grad deuten an, dass es ein wunderschöner Frühlingstag werden wird.

Zuerst idyllisch, dann wird gerockt

Kilometer Eins. Es geht direkt auf die Siegessäule zu. Ist das ein Omen? Definitiv sollen sich die 35.551 Läuferinnen und Läufer heute wie Sieger fühlen. Ein Rekord an Anmeldungen. Mitten drin, in Block C, bin ich und als es an der Siegessäule vorbeigeht, taucht automatisch die Frage auf: Wird es ein Sieg über mich?

Vier Kilometer geht es nun mehr oder weniger geradeaus zum Schloss Charlottenburg. Touristen fotografieren. Nicht uns natürlich, sondern das barocke Stadtschloss. Weiter geht es scharf nach links in Richtung Bismarckstraße. 40 Bands auf 21 Kilometern haben die Veranstalter versprochen. Da ist die erste: die Sambaband Alegria do Samba trommelt was das Zeug hält und macht uns damit flotte Beine.

Die Strecke führt weiter am idyllischen Lietzensee vorbei. Durch einen Damm in der Mitte, über den die Neue Kantstraße führt, ist der Lietzensee zweigeteilt. Mittlerweile haben wir ein Drittel der Strecke hinter uns gelassen. Nach einem weiteren Kilometer geht es schließlich wieder Richtung Osten und damit kommen wir der riesigen Berliner Party immer näher. Denn ab dem Kurfürstendamm – der beliebten Einkaufsmeile – gibt es rechts und links der Straße kein Halten mehr: Bands und Zuschauer schaffen eine Stimmung, die den Berliner Halbmarathon zu dem machen, wofür er und sein großer Bruder – der Berlin Marathon – bekannt sind: Party! Es wird gejubelt, gegrölt und ich höre immer wieder meinen Namen, der auf der Startnummer steht. „Super Natascha, du schaffst es!“ Auch wenn ich niemanden kenne und mich niemand kennt, das pusht mehr, als jedes Gel.

Checkpoint Charlie und Gendarmenmarkt

Es geht vorbei an der Gedächtniskirche, die Tauentzienstraße entlang Richtung Potsdamer Straße. Knapp vor Kilometer 14 gibt es wieder einen Push. Dieses Mal tatsächlich in Form von Gels. Ich verzichte und renne weiter zum nächsten Stimmungs-Hotspot: Potsdamer Platz. Auch hier Party ohne Ende. Das kommt genau zur richtigen Zeit, denn mittlerweile ist es anstrengend. Die Sonne knallt seit Kilometer Acht direkt ins Gesicht, der Schweiß rinnt, das Laktat steigt.

Auf den weiteren Kilometern folgt ein Berliner Highlight dem nächsten. Die Strecke führt uns vorbei am touristischen Hotspot Checkpoint Charlie. Am ehemaligen Grenzübergang zwischen Ost und West wurde einst Geschichte geschrieben. Heute laufen wir daran vorbei, um unsere eigene Geschichte zu schreiben: Persönliche Bestzeit oder einfach ein unvergesslicher Sightseeing-Run durch Berlin.

Ein neuer Hotspot der Strecke ist der Gendarmenmarkt, der mit dem Schauspielhaus, dem französischen und dem deutschen Dom zu den schönsten Plätzen Berlins zählt. Jetzt ist es nicht mehr weit und es geht zurück Richtung Westen, den Prachtboulevard Unter den Linden entlang.

Wo Schmerz und Glück beieinander liegen

Da ist es, nicht zu übersehen: das Brandenburger Tor. Ich merke wie jeder Läufer neben mir versucht, alle Kraft, die noch vorhanden ist, ein letztes Mal aus sich herauszuquetschen. Ich bin mittlerweile im „Tunnel“. Mein Blick ist nur noch auf das Tor gerichtet. Den Jubel der Zuschauermassen links und rechts neben der Strecke höre ich wie durch Watte. Zu sehr rauscht das Laktat in meinem Kopf, meinen Beinen, meinem ganzen Körper. In keinem Moment liegen Schmerz und Glück so nah beieinander wie auf der Zielgeraden. Ich bin an diesem Tag auf Bestzeit gelaufen und habe mein Ziel erreicht. Die neue Strecke ließ schon zu Beginn mit Start in Richtung Siegessäule Gänsehaut aufkommen. Die Sightseeing-Tour durch die Stadt und damit verbunden die Party an der Strecke pushten mich in Richtung Ziel. Das Gefühl beim Durchlaufen des Brandenburger Tors kann mit nichts getoppt werden. Dreimal habe ich hier schon Marathon glücklich gefinisht. Jetzt auch erstmals den Halbmarathon.

Meine Erwartungen an den Generali Berliner Halbmarathon waren durch meine Erfahrungen beim Marathon groß. Ich wurde nicht enttäuscht. Berlin rockt - egal ob auf 42,195 oder 21,0975 Kilometern!

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