Der Wochen(end)-Rückblick
Bremm und Ruppert laufen 5000 Meter in weniger als 13 Minuten
Florian Bremm und Frederik Ruppert liefen über 5000 Meter auf Platz drei und vier der ewigen DLV-Bestenliste. Und fast undenkbar: Über 800 Meter der Frauen nähert sie eine 22-Jährige dem Weltrekord.
Frederik Ruppert (LAV Stadtwerke Tübingen) läuft gerade von Erfolg zu Erfolg. Vergangene Woche hatte er in Rabat (Marokko) in 7:57,80 Minuten einen neuen Europarekord über 3000 Meter Hindernis aufgestellt. Jetzt zeigte der Hindernisspezialist, dass er auch ohne Wassergraben und Hindernisse schnell unterwegs ist.
Bei den Paavo Nurmi Games im finnischen Turku lief er am Mittwochabend die 5000 Meter in 12:57,61 Minuten – zuvor hatte er eine Bestzeit von 13:47,31 Minuten gehabt. „Damit hatte ich nicht gerechnet, ich dachte, ich würde mich nicht gut fühlen“, sagte er nach dem Rennen. Die Reisen nach Rabat und nun nach Turku waren sehr anstrengend. „Das hat viel Energie gekostet, aber ich habe versucht, mich davon nicht beeinflussen zu lassen.“
Florian Bremm steigert sich um 12,37 Sekunden
Letztlich aber lief es besser als erwartet: „Während des Rennens habe ich mich immer besser gefühlt, mit Ausnahme der letzten 200 Meter, die ziemlich hart waren. Ich habe mir in diesem Jahr eine solche Ausdauer erarbeitet, dass sich in jedem Rennen bis etwa 70 Prozent der Distanz alles leicht anfühlt und es erst danach wirklich schwierig wird.“
Das wohl krasseste an diesem Rennen: Er war nicht der schnellste Deutsche. Denn noch vor ihm überquerte Florian Bremm als Sieger die Ziellinie. Und zwar nach 12:56,80 Minuten. Auch für den Läufer von Franconia Athletics war es die erste Zeit unter 13 Minuten. Zuvor hatte seine Bestzeit bei 13:09,17 Minuten gestanden.
Nur Abdilaahi und Baumann waren schneller
Beide unterboten nicht nur locker die EM-Norm (13:08,00 min), sondern reihten sich auch auf Platz drei und vier der ewigen deutschen Bestenliste ein. Mit Mohamed Abdilaahi (12:53,63 min) 2025 und Dieter Baumann (12:54,70 min) 1997 sind bislang nur zwei weitere Deutsche unter 13 Minuten geblieben.
„Die Bedingungen waren heute wirklich perfekt. Das Tempo war ideal, ich konnte mich hinter den anderen Läufern einordnen und bis zum Schluss durchziehen. Seite an Seite mit den anderen zu laufen, hat mir einen enormen Schub gegeben. Das hat mich zu einer Zeit unter 13 Minuten getragen“, meinte Florian Bremm nach seinem ersten Saisonrennen im Ziel. „Jetzt möchte ich noch schneller laufen. Mein Ziel ist, bei den Europameisterschaften unter die Top Fünf zu kommen.“
Hindernisläufer*innen mit erfüllten EM-Normen
Majtie Kolberg (LG Kreis Ahrweiler) stellte über 1500 Meter in 4:05,67 Minuten eine neue Bestleistung auf. Auch Niklas Buchholz (Franconia Athletics), Trainingskollege von Florian Bremm, zeigte in Turku ein gutes Rennen. Die 3000 Meter Hindernis lief er in 8:15,27 Minuten und erfüllte damit die EM-Norm (8:20,00 min).
Ebenfalls über die Hindernisse unterwegs waren am Sonntag Lea Meyer (VfL Löningen), Olivia Gürth (Silvesterlauf Trier) und Karl Bebendorf. Beim Diamond League-Meeting in Stockholm lief Lea Meyer in 9:13,67 Minuten auf Platz fünf und erfüllte die EM-Norm (9:28,00 min), während Olivia Gürth (9:42,35 min) diese als 15. noch verpasste. Karl Bebendorf lief in 8:14,13 Minuten auf Platz sieben und hakte die EM-Norm (8:20,00 min) ab. Robert Farken gelang über 1500 Meter mit erfüllter EM-Norm in 3:32,99 Minuten ebenfalls ein gutes Rennen.
Ist der unerreichbar geltende 800-Meter-Weltrekord doch erreichbar?
Ein herausragendes Rennen sahen die Zuschauenden in Stockholm über 800 Meter der Frauen. Die erst 22 Jahre alte Schweizerin Audrey Werro lief als dritte Athletin der Geschichte unter 1:54 Minuten: 1:53,98 Minuten.
Nur Weltrekordlerin Jarmila Kratochvilova (Tschechien; 1:53:28 min) und Nadezhda Olizarenko (Sowjetunion; 1:53,43 min) waren jemals schneller – und zwar 1983 bzw. 1980. Der britischen Olympiasiegerin Keely Hodgkinson blieb trotz Landesrekord in 1:54,33 Minuten nur Platz zwei und Position sechs in der ewigen Bestenliste.
Der Lauf von Audrey Werro im Video
Hier findest du ein externes Video von YouTube, das diesen Artikel ergänzt. Du kannst es dir mit einem Klick anzeigen lassen.
Indem ich mir das Video anzeigen lasse, erkläre ich mich damit einverstanden, dass personenbezogene Daten an die Plattform YouTube übertragen werden können. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
Am Donnerstag war die Frankfurterin Smilla Kolbe schnell unterwegs. Bei der Silver Gala in Rom blieb sie zum zweiten Mal in ihrer Karriere unter 2 Minuten. In 1:59,04 Minuten verfehlte sie ihre Bestzeit nur um zwei Hundertstelsekunden, gewann das Rennen und unterbot die EM-Norm von 1:59,80 Minuten.
Sechs Medaillen bei der Berg- und Trail-EM
Und dann war da noch die Berg- und Trail-EM in Kamnik (Slowenien), bei der vor allem die deutschen Frauen überzeugten. Gleich am ersten Tag gab es viermal Edelmetall. Im „Uphill“ der U20 über vier Kilometer mit 425 Höhenmetern sah die Tschechin Anna Kynklova wie die sichere Siegerin aus und jubelte mit in die Höhe gestreckten Armen. Doch dann flog Gloria Herold in ihrem erst zweiten Berglauf heran und in 21:53 Minuten gemeinsam mit der Tschechin ins Ziel: Es wurden zwei Goldmedaillen vergeben.
Titelverteidigerin Julia Ehrle holte in 22:28 Minuten Bronze. Zusammen mit der Neuntplatzierten Hannah Lösel (Eintracht Frankfurt; 23:27 min) gewannen sie zudem Gold in der Mannschaftswertung. Den Medaillensatz komplett machte Laura Hottenrott (Düsseldorf Athletics), die bei den Frauen über neun Kilometer und 1280 Höhenmeter in 60:31 Minuten Silber gewann. „Ich bin unglaublich stolz, hier Zweite geworden zu sein, gerade als Straßenläuferin“, sagte die Marathon-Spezialistin gegenüber leichtathletik.de.
Eine weitere Medaille an diesem Tag verpasste das deutsche Team nur hauchdünn. Laura Hottenrott, Hanna Gröber (LAV Stadtwerke Tübingen; Platz 7) und Madlen Kappeler (TV Hindelang; Platz 33) sammelten in der Mannschaftswertung genauso viele Punkte wie die drittplatzierten Schweizerinnen. Da deren drittbeste Läuferin allerdings bereits auf Platz 15 das Ziel erreicht hatte, wurden sie vor den Deutschen geführt, die nur Vierte wurden.
Zweimal Gold zum Abschluss
Und am Schlusstag waren es erneut die deutschen Frauen, die einen glänzenden Schlusspunkt setzten. Im „Up & Down“ der Frauen über 13,5 Kilometer und 970 Höhenmeter gelang Hanna Gröber (LAV Stadtwerke Tübingen) ein herausragendes Rennen. Die 29-Jährige spielte vor allem in den Bergab-Passagen ihre Stärke und lief allen davon. In 1:09:41 Stunden gewann sie mit 1:26 Minuten Vorsprung.
Eifrigste Medaillensammlerin der EM war aus deutscher Sicht Julia Ehrle. Im „Up & Down“ der U20 über 3,8 Kilometer schlug sie gleich ein hohes Tempo an, dem keine Konkurrentin folgen konnte. Nach Gold und Bronze am ersten Wettkampftag, holte sie nun in 28:21 Minuten eine weitere Goldmedaille.
Blanke Dörfel: Nächste Bestzeit in Stadtallendorf
Und auch Blanka Dörfel stellte erneut ihre derzeit starke Form unter Beweis. Nach Bestzeiten im Halbmarathon (68:06 min) und über 10.000 Meter (31:53,60 min) stellte sie nun beim Meeting „Lightning 10000“ in Stadtallendorf über 5000 Meter als Siegerin in 15:11,89 Minuten eine neue Bestzeit auf.