BUFF Epic Trail: Ein Rookie in den Bergen

| Text: Sina Muschelknautz | Bilder: Veranstalter

26 Kilometer, 2060 Höhenmeter und ein Gipfel auf 2600 Meter – der Buff Epic Trail in Valle de Boi ist ein Erlebnis der besonderen Art. Und mitten drin: laufen.de Reporterin Sina Muschelknautz, die zum ersten Mal bei einem Trailrun dabei war.

Der BUFF Epic Trail 2018 Aftermovie

Der Buff Epic Trail in Vall de Boi in den spanischen Pyrenäen zählt zu den härtesten Trailrunning Events weltweit. Es ist aber weitaus mehr als ein Lauf durch das anspruchsvolle Bergmassiv der Pyrenäen. Längst ist die Veranstaltung ein Fest für viele tausend Bergsportbegeisterte. Über 15.000 Sportler trafen sich zur 5. Auflage des Buff Epic Trails vom 29. Juni bis 1. Juli in der kleinen katalonischen Gemeinde.

Ein Wochenende voller Berg-Action

Geboten wurden spannende Rennen zu Fuß oder auf dem Rad, aber auch Yoga-Kurse, Radrennen und Klettern. Höhepunkt waren die Trails über 65, 42, 26 und 11 Kilometer. Vom Trail-Profi bis zum Trail-Rookie wie mir waren viele hundert Teilnehmer am Start. Geboten wurden spannende Rennen zu Fuß oder auf dem Rad, aber auch Yoga-Kurse, Radrennen und Klettern. Höhepunkt waren die Trails über 65, 42, 26 und 11 Kilometer. Vom Trail-Profi bis zum Trail-Rookie wie mir waren viele hundert Teilnehmer am Start. Ich muss gestehen: Als ich recht spontan ja sagte, um mein erstes Trailrennen zu absolvieren, wusste ich nicht im Geringsten, was auf mich zukommt. „Ein bisschen wandern und ein bisschen laufen“ - so hatte ich das verstanden. Hörte sich machbar an. Und wenn ich schon die Reise nach Spanien antrete, dann soll es sich auch lohnen. So entschied ich mich für die 26 Kilometer – anstatt mit der kürzesten Strecke (11 km) in die Welt der Trailläufer einzusteigen.

Chicken statt Pasta Party

Zu einer optimalen Vorbereitung gehört natürlich nicht nur das wochenlange Training, sondern ebenso die Pasta-Party am Vorabend, um die Kohlenhydratspeicher für die notwendige Energiezufuhr ausreichend zu füllen. Leider erwies sich die Suche nach Pasta in einem spanischen Gebirgsdorf etwas schwieriger, woraus aus der Pasta Party kurzerhand eine Chicken & Fries Party wurde. Das war wahrscheinlich genauso wenig vorteilhaft wie mein fehlendes Training und eine Mandelentzündung, die erst wenige Tage vor der Abreise ausgeheilt war. Als ehemalige Sprinterin nötigen mir schon 26 Kilometer in der Ebene ordentlich Respekt ab – als ich am Vorabend des Rennen in die Berge schaue, zweifele ich erstmals an meinem Vorhaben.

Ein Wechselbad der Gefühle

Aber es gibt kein zurück mehr: Pünktlich stehe ich am Samstag um 8 Uhr mit geliehenem Laufrucksack, geliehenen Trailschuhen und den Hosen ziemlich voll zwischen hochmotivierten Läufern, die sich auf die vor ihnen liegenden 26 Kilometer mächtig freuen. Der Startschuss fällt. Angetrieben von den jubelnden Zuschauern vergehen die ersten Kilometer durch die Altstadt und über die Felder entlang des Dorfes wie im Flug. Ebenso flott spüre ich die dünne Höhenluft. Meine gerade erst überstandene Erkältung macht es nicht besser.

Ich erwische mich bei dem Gedanken, schon bei der ersten Verpflegungsstation bei Kilometer 4 aufzuhören. Dort beginnt der erste Anstieg, den die meisten eher im Gehen als im Laufen bewältigen. Mich packt der Ehrgeiz und ich nehme mir vor, wenigstens bis zur nächsten Verpflegungsstation durchzuhalten. Die nächsten Kilometer führen durch den Wald, immer weiter den Berg hinauf, bis es schließlich über steile Wiesen weiter Richtung Gipfel geht.

Hablo español? Un poquito

Inmitten dutzender Spanier, die leider kaum Englisch sprechen, schleppe ich mich also weiter den Berg hinauf und darf gleichzeitig auch meine Spanisch-Kenntnisse verbessern. Das Läufer-Feld ist mittlerweile weit auseinander gerissen und es bilden sich immer wieder kleinere Grüppchen. Bei Kilometer 10 folgt die zweite Verpflegungsstation, bei der es an nichts mangelt: Orangen, Nüsse, Schokoriegel und Wassermelonen sind neben isotonischen Getränken und Wasser ausreichend vorhanden. Dennoch hätte nach meinem Geschmack zwischen den beiden Verpflegungsstationen gerne eine weitere liegen können.

Der vermeintlich letzte Anstieg

Nach der Verpflegungsstation folgt der steilste Anstieg des Rennens. Für mich hat das mittlerweile mehr mit Klettern als mit Laufen zu tun. Da ich der Meinung bin, es sei der letzte Anstieg vor dem Zielgipfel, werfe ich den Gedanken ans Aufgeben endgültig über Bord. „Den letzten Aufstieg schaffst du jetzt auch noch – und runter kommst du sowieso“, sage ich mir. Aber der Weg nach oben ist zäh und kräfteraubend. Und nimmt irgendwie kein Ende. Aber die Kulisse entschädigt für vieles. Oben angekommen kann ich den Ausblick genießen. Atemberaubend! Doch die Ernüchterung folgt auf den Fuß: ich hatte zwar den steilsten Anstieg gemeistert, aber bis zum Ziel stehen noch drei Gipfel im Weg. Okay, weiter geht’s. Ich schließe mich einer spanischen Frauengruppe an. Das Abenteuer geht weiter...

Der Weg zum finalen Gipfel entpuppt sich als echte Herausforderung. Talent im Klettern und eine helfende Hand sind von großem Vorteil. Es geht an steilen Felswänden entlang, die Wege sind steinig und schmal. Sogar ein paar Eisfelder sind zu überwinden. Oben angekommen bin ich kaputt, aber überwältigt. Auch ein bisschen Stolz. Aber schnell stellt sich die Erkenntnis ein, dass ich die vielen Höhenmeter jetzt auch wieder herunterlaufen darf.

Erst Klettern dann Rodeln

Der Weg nach unten hat es in sich. Nicht nur, dass es ähnlich steil bergab geht, die Pfade bestehen aus Geröll und dickeren Steinen. Für ungeübte Trailläufer (so wie ich) wird der Downhill zur Rutschpartie. Immer wieder sehe ich Läufer auf dem Hosenboden den Berg nach unten rutschen. Noch mit einem Lachen denke ich mir „Was die können, kannst du schon lange.“ Und nutzte auch meinem Hintern auf dem Weg Richtung Tal. Die nächste Erkenntnis: Schuhe zu klein. Im Flachen genügt es meist, wenn ein Laufschuh rund eine Nummer größer ist als ein normaler Straßenschuh. Aber bergab ist es von Vorteil, wenn die Zehen deutlich mehr Platz haben. Da habe ich schmerzlich feststellen müssen. So wurde der Abstieg (leider) zur Qual.

Die Zieleinfahrt

Das steilste Stück schaffe ich noch – irgendwie. Aber die Schmerzen werden immer größer. Da ich aber wegen ein paar blauer Zehen nicht den Helikopter rufen möchte, gehe ich weiter Richtung Ziel. Bis es nicht mehr geht. Bei Kilometer 22 muss ich das Rennen aufgeben, schweren Herzens. Aber die Vernunft siegt. Und meine Fußzehen sollen mich schließlich noch den Rest meines Lebens begleiten.

Im Ziel angekommen werde ich von meinen Team-Kollegen freudig empfangen. Auch ohne offizielles Finish, bin ich stolz, es so weit geschafft zu haben. Meine GPS-Uhr zeigt an, dass ich 26 Kilometer unterwegs war.

Doch die Streckenlänge ist nicht entscheidend für das Erlebte. Für mich ist der Buff Epic Trail ein unfassbares Erlebnis, das ich nur jedem, der Berge liebt, ans Herz legen kann. Die Route verlangt einem körperlich, sowie mental einiges ab. Das Gefühl, oben zu stehen und vor allem die Aussichten während des Laufs sind einmalig. Was ich gelernt habe: der Wille versetzt Berge!

Weltklasse beim Epic Trail

Rund sieben Stunden dauerte mein Berg-Abenteuer. Weniger als die Hälfte brauchte hingegen der Amerikaner Zach Miller (The North Face – Buff), der nach unfassbaren 2:48:08 Stunden als schnellster Läufer ins Ziel kam. Platz zwei ging an Fernando López De Sagredo Xicota (Dynafit) mit einer Zeit von 2:51:41 Stunden, gefolgt von Juan Javier Jimenez Oller (Pasion Trail) mit 2:56:09 Stunden. Die Damen lieferten sich ein deutlich knapperes Rennen, bei dem Anna Carné Martinez (VO2 Team) mit 43 Sekunden Vorsprung vor ihrer spanischen Landsfrau Ester Casajuana Reyes (Raidlight Team, 3:31:04 Stunden) gewann.

Zurück