Der Hammermann macht das Leiden erlebbar

| von Anja Herrlitz

Werbefilmregisseur Mario Zozin ist begeisterter Läufer und Triathlet. Bei seinem ersten Marathon machte er Bekanntschaft mit dem „Mann mit dem Hammer“. Grund für den 39-Jährigen, einen eindrucksvollen Film über ihn zu drehen – und das Leiden der Läufer spürbar zu machen.

Hier siehst du den Film

Brachial haut der Hüne immer wieder mit seinem Hammer zu. Ein ums andere Mal. Mit voller Wucht lässt er ihn immer wieder niedersausen. Die Szenen des Kurzfilms „The Man With The Hammer“ sind eindrucksvoll. Dürfen wir vorstellen: Das ist der Mann mit dem Hammer. Wer schon einmal einen Marathon oder eine andere längere Strecke gelaufen ist, kennt ihn meist – den Schmerz, die völlige Erschöpfung, die einen oft von einen auf den anderen Moment einholt und in die Knie zwingt.

Auch Mario Zozin hat ihn kennengelernt. 2014 begann er mit dem Laufen, drei Jahre später lief er in Köln seinen ersten Marathon. Vom Mann mit dem Hammer hatte er vorher schon gelesen. „Ich habe mir den Ausdruck als Filmemacher auch aufgeschrieben, weil ich das Bild irgendwie so toll fand. Dass es eine Figur gibt, die einen in die Knie zwingen will. Damals wusste ich aber nicht so richtig, was das ist“, erzählt er.

Eigene Erfahrungen inspirieren Mario Zozin

Was er aber wirklich bedeutete, erlebte er erst im Herbst 2017 auf den Straßen Kölns. 32 Kilometer lang lief bei Sonnenschein alles gut. Doch dann wurden die Beine schwerer, die Arme taub, ein Krampf in der Wade bahnte sich an. Ein paar Kilometer später nahm er alles nur noch verschwommen wahr. „Ich war wie in einer Art Tunnel. Ich habe mich gefragt. Wieso ich das überhaupt mache, habe mit meinem Körper und vor allem mit meinem Kopf, meinen Gedanken gekämpft.“ Mario Zozin kämpfte sich durch und erreichte nach 3:35:47 Stunden das Ziel. Überglücklich darüber, den Marathon geschafft und den Hammermann besiegt zu haben.

„In dem Moment habe ich aber auch beschlossen: Ich muss einen Film über den Mann mit dem Hammer machen!“ Er schrieb seine eigenen Erfahrungen nieder, schaute, was andere wie der Schriftsteller Haruki Murakami oder auch Triathlet Chris McCormack, der zweimal den Ironman auf Hawaii gewonnen hat, über den Hammermann gesagt und geschrieben haben. Schnell wurde ihm klar: Der Mann mit dem Hammer, das ist ein Zustand im Inneren des Sportlers und den wollte er mit seinem Film spürbar machen. Er wollte den äußeren Schmerz und aber auch den inneren Kampf darstellen.

Im März 2018 wurde gedreht. Zwei Tage in einer Höhle in der Eifel, die ein bisschen wie eine Vene im Hals anmutet. Hier ist das Reich des Manns mit dem Hammer, der durch den britischen Bodybuilder Dave Crosland dargestellt wird. Ein brachialer, massiger Hüne, der zum wilden Tier mutieren kann. Die Szenen des Läufers, dargestellt durch den Briten Benjamin Wise, wurden in der slowenischen Steppe gedreht. Hier läuft er auf einer Straße und immer wieder durch Tunnel, die den Übergang in die Welt des Hammermanns darstellen.

Der Läufer leidet – und der Zuschauer mit ihm

Der Zuschauer spürt fast selbst körperlich die Schmerzen, die der Läufer erleidet, zugefügt durch den Hammermann. Und durchlebt aber auch gleichzeitig den inneren Kampf, den er gegen den Hünen führt, ihn sogar herausfordert. Der Hammermann zwingt den Läufer fast in die Knie, scheint schon gewonnen zu haben. Doch am Ende ist es der schmächtige Läufer, der über den massigen Mann mit dem Hammer gewinnt.

Das Happy End war Mario Zozin wichtig. Der Film soll zwar den Kampf darstellen, aber auch Mut machen und zeigen, dass nach dem Kampf etwas Besseres kommt. „Das finde ich auch eine wichtige Botschaft. Man kann und soll vor dem Hammermann Respekt haben, vielleicht auch ein bisschen Schiss. Aber man kann ihn auch besiegen“, meint Zozin.

Von vielen Läufern hat er schon Rückmeldungen zu dem Film bekommen, der bereits einige Auszeichnungen gewonnen hat. Viele sind begeistert und finden sich in dem Film wieder. Anderen aber auch ist der Film zu negativ, sie laufen doch vor allem aus Freude an der Bewegung. „Sie haben den Hammermann vielleicht noch nicht kennengelernt. Aber eventuell kann der Film hier auch vermitteln und diesen Läufern einen Eindruck davon verschaffen, wie sich der Hammermann anfühlt“, hofft Zozin. So oder so – eindrucksvoll ist der Film auf jeden Fall.

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