Der Ironman-Weltmeister und die Herausforderung Halbmarathon

| Text: Natascha Marakovits | Fotos: Imago (2), Andreas Schwarz

Der zweifache Ironman Hawaii-Sieger Patrick Lange lief am vergangenen Sonntag beim Generali Berliner Halbmarathon in 1:09:37 erstmals die 21,0975 Kilometer solo in einem Laufwettbewerb. Warum er teilgenommen hat, wie er den Wettkampf erlebt hat und worauf er im Training seinen Fokus legt, hat er uns verraten.

„Was die Jungs da abliefern, also das ist schon ganz großes Kino.“ Zwei Tage vor dem Generali Berliner Halbmarathon steht Patrick Lange bei der Pressekonferenz neben Philipp Pflieger und Richard Ringer und zieht vor den beiden seinen imaginären Hut. Dabei sind die Leistungen, die der zweifache Ironman Hawaii-Sieger (2017 und 2018) bringt, selbst ganz großes Kino. Der 32-Jährige weiß ganz genau wie es sich anfühlt, seinem Körper Höchstleistungen abzuringen und in einem Wettkampf alles zu geben. Doch als Triathlet eben normalerweise im Wasser, auf dem Rad und in Laufschuhen. Der Generali Berliner Halbmarathon stellt für ihn daher eine Premiere dar: Patrick Lange läuft seinen ersten Halbmarathon ohne davor 1,9 Kilometer zu schwimmen und 90 Kilometer mit dem Rad zu fahren. Sein Ziel ist klar: Bestzeit. „Die liegt bei einer Stunde und elf Minuten“, sagt er.

Dass er am Generali Berliner Halbmarathon teilnimmt, hat für ihn zwei Gründe: „Es passt sehr gut in meinen Saisonaufbau und außerdem ist es für den Kopf einmal etwas ganz Neues.“ Die mentale Ebene spielt für ihn eine große Rolle. Daher habe er diese Saison auch erstmals ganz anders geplant. „Ich bereite mich derzeit auf den Triathlon in Taiwan vor. Ich will einmal etwas anderes machen, denn in den vergangenen Jahren lief immer alles ziemlich gleich ab. Neue Reize sind für den Kopf wichtig. Da passt auch der Halbmarathon gut dazu – einmal nur Laufen, das ist ein neuer Input“, verrät er im Interview mit Laufen.de.

Qualität im Training und beim Equipment

Der Trainingsalltag von Patrick Lange wird hauptsächlich vom Radfahren bestimmt. „Die gesamte Grundlage mache ich am Rad. Das sind mit 400 bis 600 Kilometer in der Woche rund 55 Prozent des Trainings. Das Laufen nimmt etwa 25 Prozent ein und der Rest ist Schwimmen und Krafttraining.“ Bei den rund 80 bis 100 Kilometern, die er in der Woche laufend zurücklegt, spielt die Qualität eine entscheidende Rolle. „Ich mache keine leeren Kilometer. Wenn ich laufe, dann mit entsprechender Intensität.“ Für den Berliner Halbmarathon habe er in den vergangenen Wochen den Fokus auf härtere und kürzere Intervalle gelegt.

Die entsprechende Qualität im Training abliefern kann Lange nur mit dem entsprechenden Equipment. Der Ironman-Weltmeister wird von Adidas ausgestattet. „Ich bin durch und durch Profisportler, da müssen die Schuhe maximal auf Leistung ausgelegt sein. Meinen Input beizusteuern und so nur das für mich beste Equipment zu bekommen, ist mir wichtig. Ich bin ein sehr sensibler Athlet und kann gut Feedback geben.“ Im Wettkampf ist sein Favorit derzeit der Adidas Adizero Sub2.

Stimmung auf der Strecke war megageil

Zwei Tage später war es dann soweit. Patrick Lange hat am Sonntag die 21,097 Kilometer durch Berlin in Angriff genommen. Seine Bestzeit von einer Stunde und elf Minuten hat er deutlich unterboten: Nach 1:09:37 erreicht er das Ziel direkt hinter dem Brandenburger Tor. Wie war es für ihn „nur“ zu laufen? „Mir hat die Erwärmung fehlt, normalerweise schwimme ich ja 3,8 Kilometer und fahre 180 Kilometer Rad, bevor es ans Laufen geht“, meint er und lacht. „Aber im Ernst: Ich habe mich zusammen mit Philipp gut warm gelaufen. Im Rennen habe ich dann gemerkt, dass das eine komplett andere Sportart als das Laufen im Triathlon ist: viel taktischer, was da mit den Gruppen abgeht, daran muss man sich erst mal gewöhnen. Da bin ich noch totaler Rookie, aber ich glaube, ich habe es nicht schlecht gemacht. Ich habe aber einfach nicht die Tempohärte, die man braucht, um in der Wahnsinnsgeschwindigkeit der Spezialisten mitzuhalten.“

Den Generali Berliner Halbmarathon wird er auf jeden Fall in bleibender Erinnerung behalten: „Das Erlebnis gibt mir Auftrieb geben für mein Training in den nächsten Monaten. Es war eine megageile Stimmung in der Stadt. Hut ab vor den Veranstaltern, Hut ab vor den Zuschauern. Das ist deutlich stimmungsvoller als auf Hawaii, wo man sehr viel allein unterwegs ist.“ Ein großes Lob geht von ihm an den SCC: „Ihr macht das toll, ihr bewegt so viele Leute, betreut uns Elite-Athleten erstklassig. Ich kann das als Outsider ja mal sagen, der den Vergleich zu den Ironman-Triathlons hat. Es war ein gelungenes Wochenende.“

Zurück