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Dieter Baumann: Kampf gegen Doping gescheitert

| Text: Ralf Jarkowski (dpa) | Foto: Imago
Der weltweite Kampf gegen Doping ist nach Überzeugung von Dieter Baumann gescheitert. Man muss dem Sport den Anti-Doping-Kampf entziehen, fordert er.

Der weltweite Kampf gegen Doping ist nach Überzeugung von Olympiasieger Dieter Baumann gescheitert. "Der Sport hat jegliches Vertrauen verspielt und ist völlig unglaubwürdig. Es gibt unter den Protagonisten niemanden mehr, dem man trauen könnte", sagte der 51-Jährige in einem Interview der "Stuttgarter Nachrichten" und der "Stuttgarter Zeitung".

Dieter Baumann war in den 90er-Jahren die Lauf-Ikone Deutschlands. 1992 wurde er Olympiasieger über 5000 Meter. Bis heute hält der Tübinger die deutschen Rekorde über 3000, 5000 und 10.000 Meter. Zu Beginn der Nuller-Jahre schrieb er nach einer positiven Dopingprobe mit der Zahnpasta-Affäre Schlagzeilen. Bis heute ist nicht zweifelsfrei geklärt, ob er unschuldig eine Doping-Sperre abgesessen hat, die ihm der Leichtathletik-Weltverband aufgebrummt hatte. Zuvor war er vom Deutschen Leichtathletik-Verband freigesprochen worden. Der DLV folgte damals der These Baumanns, nach der er Opfer eines Anschlages geworden ist, bei dem man seine Zahnpasta mit Dopingmitteln versetzt hat.

Kurz vor den Olympischen Spielen in Rio und in der Diskussion um eine mögliche Sperre Russlands wegen systematischen Dopings sieht Baumann "überall die Möglichkeit, Leute zu kaufen". Von den Kontrolleuren über die Anti-Doping-Agenturen bis hin zu den Schiedsgerichten. "Und überall sitzen Lobbyisten aus den Sportverbänden und der Politik, die Einfluss nehmen, und das oft nicht im Sinne eines fairen, sauberen Sports." Aus seiner Sicht könne es nur einen Ausweg geben: "Man muss dem Sport den kompletten Anti-Doping-Kampf entziehen."

Baumann rechnet damit, dass die russischen Leichtathleten am kommenden Freitag durch den Leichtathletik-Weltverband IAAF von den Olympischen Spielen in Rio ausgeschlossen werden. "Man braucht immer irgendeinen Ausgleich, vor allem IOC-Präsident Thomas Bach ist kein Haudrauf-Typ", sagte der Schwabe. "Deshalb gehe ich davon aus, dass wir zwar russische Sportler in Rio sehen werden, aber vermutlich keine Leichtathleten." Dies wäre nach Meinung Baumanns "auch eine diplomatische Entscheidung, die Thomas Bach seinem russischen Freund Wladimir Putin gut verkaufen könnte".