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DM in Kassel: Lauf-Talent Klosterhalfen brilliert

| mbn/sim/fc/pr I Foto: imago
Bei der Leichtathletik-DM am Wochende in Kassel gab's viele hochklassige Rennen. Hier geben wir dir den Überblick über die Lauf-Entscheidungen am Sonntag

Bei der Leichtathletik-DM am Wochende in Kassel gab's viele hochklassige Rennen. Hier geben wir dir den Überblick über die Lauf-Entscheidungen am Sonntag. Die beeindruckenste Leistung ging aufs Konto der erst 19 Jahre alten 1500-Meter-Siegerin Konstanze Klosterhalfen (Foto). Die Entscheidungen von Samstag mit dem Meisterschaftsrekord von Gesa Krause liest du hier.

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800 Meter

Männer

Der in diesem Jahr konstanteste deutsche 800-Meter-Läufer hat sich im Auestadion durchgesetzt: Benedikt Huber (LG Telis Finanz Regensburg) kontrolliere das Rennen von der Spitze weg, wehrte alle Angriffe der Konkurrenz ab und ließ sich im Spurt die Goldmedaille nicht mehr nehmen. Nach 1:47,17 Minuten feierte der 26-Jährige seinen ersten DM-Titel. Benedikt Huber hatte eine kluge Taktik gewählt, da einige andere Läufer nach 550 Metern hinter ihm ins Straucheln kamen. Der Braunschweiger Andreas Lange verlor nach einem heftigen Rempler sogar komplett den Anschluss und ging aus dem Rennen. „Der erste Titel, es fühlt sich sehr schön an. Ich war nicht drauf eingestellt, dass ich alles von vorn machen muss. Ich habe die Konkurrenten auf der Anzeigetafel gesehen, insbesondere den Angriff von Marc Reuther. Natürlich habe ich dann wieder angezogen, damit er nicht vorbeikommt. Vor dem Rennen habe ich mir eine Medaille ausgerechnet. Auf Gold habe ich gehofft“, jubelte Benedikt Huber nach seiner Titel-Premiere.

Silber und Bronze wurde auf der Zielgeraden unter einem Quartett vergeben. Sören Ludolph (LG Braunschweig) – Deutscher Meister 2011 an selber Stelle – setzte sich in 1:47,80 Minuten knapp vor Marc Reuther (Wiesbadener LV; 1:47,82 min) durch. Dahinter folgten der entthronte Deutsche Meister Dennis Krüger (1. VfL Fortuna Marzahn; 1:47,92 min) und Patrick Zwicker (1:48,10 min). Der Rehlinger hatte auf den finalen 150 Metern einen guten Speed, doch nach der Rempelei kurz zuvor einen zu großen Rückstand auf die Medaillenplätze. Robin Schembera verzichtete auf einen DM-Start. Der dreimalige Deutsche Meister vom TSV Bayer 04 Leverkusen laboriert seit vielen Monaten an einer Entzündung an der Hüfte. Da aufgrund der Schmerzen kein geregeltes, spezifisches Training möglich war und somit die Normen für EM und Olympia außer Reichweite, entschied sich der 27-Jährige, die Saison nach dem DM-Start mit der 4x400-Meter-Staffel abzubrechen.

Frauen

Der Samstag gehörte Fabienne Kohlmann, am Sonntag schlug die Münchnerin Christina Hering in einem packenden 800 Meter-Duell mit ihrer Trainingskollegin zu. Fabienne Kohlmann hatte in den Vorläufen ihren furiosen Auftritt. Mit einem Sololauf stürmte die Universiade-Dritte in 2:00,49 Minuten zur Olympia-Norm. „Ich hatte die letzten zwei Rennen versemmelt. Ich habe gewusst, dieses Wochenende heißt es für mich Alles oder Nichts. Ich habe zwei Chancen. Die erste Mission war, die Norm abzuhaken.“

Bei der zweiten Mission griff die Läuferin der LG Karstadt/Gambach/Lohr auch am Sonntag im Finale zunächst wieder von vorne an. Bis zum Ende der ersten Runde, die in 59,63 Sekunden absolviert war, hatte sich aber Christina Hering an die Spitze geschoben. Die Deutsche Hallenmeisterin musste sich dann auf der letzten Kurve noch einmal dem Angriff der Titelverteidigerin erwehren. Schulter an Schulter wurde bereits dort gefightet und Fabienne Kohlmann lag kurzzeitig wieder in Front.

Die größeren Reserven hatte dann aber doch Christina Hering, die nach 2:02,19 Minuten im Ziel war und Fabienne Kohlmann (2:03,15 min) noch um fast eine Sekunde hinter sich ließ. Auf Platz drei kämpfte sich in der Schlussphase Tanja Spill (LAV Bayer Uerdingen/Dormagen; 2:03,71 min). Christina Hering holte sich damit ihren Titel wieder zurück. In den letzten vier Jahren hat nun entweder sie oder Fabienne Kohlmann das DM-Gold im Freien gewonnen. „Heute zählte für mich der Titel. Ich bin stolz, dass ich das geschaffte habe. Fabienne und ich können beide nach dem Wochenende glücklich nach Hause fahren“, sagte Christina Hering.

1500 Meter

Männer

Es war Homiyu Tesfaye, der an der Spitze anfangs das Tempo anzog und das Rennen schnell machte. „Ich wollte unbedingt meinen ersten deutschen Meistertitel im Freien“, sagte der Frankfurter. Im Schlepptau hatte er Florian Orth (LG Telis Finanz Regensburg), Timo Benitz (LG farbtex Schwarzwald) und den Erfurter Sebastian Keiner. So ging es bis 1.000 Meter. Dann nahm Titelverteidiger Florian Orth zwischenzeitlich das Heft in die Hand und ging in Führung. „Ich bin vorne lange alleine gelaufen, das Tempo war schwer durchzuhalten“, erklärte Tesfaye, dem am Ende nach intensiven Trainingswochen doch die nötige Kraft für den Titel fehlte. Die Olympia-Norm hat Europas Schnellster aber in der Tasche und der Fokus ist nach überwundener Verletzung optimistisch auf Rio gerichtet.

So schlug in Kassel der Deutsche Meister von 2014 zu: Eingangs zur Zielgeraden witterte Timo Benitz seine Chance und spielte wie schon so oft seine Spurtstärke aus. Auf den letzten Metern biss er sich noch an Tesfaye und Orth vorbei, die im Fotofinish (beide 3:40,67 min) Silber und Bronze unter sich ausmachten. Rankämpfen konnte sich mit Bestleistung auch Marius Probst (TV Wattenscheid 01; 3:40,69 min), der mit nur zwei Hundertstel Rückstand Vierter wurde. „Es war ein klasssicher Timo Benitz auf den letzten 100 Metern“, sagte der Sieger von sich selbst. „Ich habe die ganze Zeit nur darauf gewartet, dass ich Vollgas geben kann.“ Sein Ziel ist es immer, Homiyu Tesfaye zu schlagen, dann wisse er, dass er fit ist. Vor den Europameisterschaften will er nochmal einen Angriff auf die Olympia-Norm (3:36,20 min) starten, die er zuletzt nur um zwei Zehntel verpasst hatte.

Frauen

Das war wahrscheinlich die schnellste Ehrenrunde der Kasseler Meisterschaften. Konstanze Klosterhalfen war auf den 400 Metern nach dem Zieleinlauf fast genauso schnell wie kurz zuvor auf der Laufbahn. Die Leverkusenerin übernahm nach 500 Metern das Kommando. Für die zwei Runden zwischen 400 und 1.200 Meter brauchte die 19-Jährige nur 2:07 Minuten, diesem Zwischenspurt konnten die Konkurrentinnen nicht mehr folgen. Nach 4:07,92 Minuten stürmte Konstanze Klosterhalfen jubelnd ins Ziel. „Das war nicht einfach, da ich die Gejagte war und die anderen Läuferinnen auch sehr stark sind“, sagte die U20-Cross-Europameisterin. So schnell wie Konstanze Klosterhalfen war keine Deutsche 1.500-Meter-Meisterin in den vergangenen 20 Jahren.

Den Spurt um Silber entschied Maren Kock zu ihren Gunsten. Die Titelverteidigerin der LG Telis Finanz Regensburg setzte sich mit 4:11,89 Minuten vor Diana Sujew (LG Eintracht Frankfurt; 4:12,27 min) durch. Beide verpassten wie Denise Krebs (TV Wattenscheid 01; 4:15,39 min) als Fünfte hinter Caterina Granz (LG Nord Berlin; 4:14,01 min) die EM-Norm von 4:09,00 Minuten, die sich Denise Krebs im Saisonverlauf schon bis auf 21 Hundertstel genähert hatte. Corinna Harrer – von 2011 bis 2013 Deutsche Meisterin – verpasste das Finale. Nach überstandener schwerer Fußverletzung ging die Regensburgerin im Vorlauf nach 700 Metern aus dem Rennen. 

5000 Meter

Männer

Der große Favorit fing das Rennen verhalten an. Richard Ringer sortierte sich im hinteren Feld ein. Als noch acht Runden zu laufen waren, schob sich der Läufer des VfB LC Friedrichshafen langsam weiter nach vorne – konnte aber von der Mitte des Pulkes Jens Nerkamp (PSV GW Kassel) das Tempo an der Spitze machen sehen. Sechs Runden vor Schluss übernahm Simon Stützel (Team Memmert) die Führungsarbeit.

Es gab noch weitere zwischenzeitliche Führungswechsel. Ehe Richard Ringer nach dem lockeren Start vier Runden vor Schluss an Position eins stürmte und sie nicht mehr abgeben sollte. Mit dem Schrillen der Glocke, die die letzte Runde einläutete, zog er nochmal an und ließ seinen Verfolgern keine Chance mehr.

Sein Vereinskollege Martin Sperlich und Amanal Petros (SV Brackwede) mussten abreißen lassen. Richard Ringer lief so ungefährdet seiner Titelverteidigung entgegen. Die Uhr stoppte bei 13:51,18 Minuten. Hinter ihm konnte Sperrlich (13:56,27 min), der mit der EM-Norm über diese Strecke ausgestattet ist, den Bronzemedaillengewinner der U23-EM Petros (13:58,10 min) abschütteln und lief auf den Silberrang.

Frauen

Eine Runde lang schaute sich Fate Tola das Treiben der Konkurrenz an, dann zündete die Braunschweigerin – in Turnschuhen statt Spikes unterwegs – den Turbo. Mit stabilen Rundenzeiten zwischen 73 und 74 Sekunden zog die gebürtige Äthiopierin, die kurz vor der Einbürgerung in Deutschland steht, auf und davon. Mit 15:30,35 Minuten verpasste die 28-Jährige als Solistin die Olympia-Norm nur um 6,35 Sekunden. Eventuell könnte die Einbürgerung noch bis zu den Olympischen Spielen Mitte August in Rio über die Bühne gehen. Bis zum 10. Juli hat Fate Tola noch Zeit, die Norm über 5.000 oder 10.000 Meter zu unterbieten.

Silber ging an eine Läuferin, die international für Lettland startet: Agata Strausa (LT Haspa Marathon Hamburg) setzte sich mit 16:07,39 Minuten vor Anna Gehring (SC Itzehoe) durch. Die 19-Jährige jubelte im Ziel ausgelassen über Bronze. Schließlich steigerte sie ihre Bestzeit gleich um mehr als 35 Sekunden auf 16:09,95 Minuten. Eine andere Medaillenkandidatin kam nicht ins Ziel. Lokalmatadorin Laura Hottenrott (GSV Baunatal) ging drei Runden vor Schluss aus dem Rennen.

Drei Medaillenkandidatinnen mussten ihren Start in Kassel kurzfristig absagen. Die erst 19 Jahre alte Titelverteidigerin Alina Reh (SSV Ulm 1846) laboriert an einer Überlastung im Fuß. Sabrina Mockenhaupt (LG Sieg) – schon 13-mal Deutsche 5.000-Meter-Meisterin – vermasselte eine Zerrung den Start. „Das möchte ich nun erst einmal ärztlich abklären lassen. Im Hinblick auf Olympia in Rio habe ich aber noch nicht aufgegeben“, schrieb die 35-Jährige bei Facebook. Auch die Olympia-Achte Julia Bleasdale – bis zum Frühjahr für Großbritannien startberechtigt – verzichtete auf einen Start. Die Tochter einer Deutschen und eines Deutsch-Briten hatte sich zuletzt in St. Moritz vorbereitet und wollte bei den Deutschen Meisterschaften Richtung EM-Norm laufen.

3000 Meter Hindernis Männer

Im letzten Jahr war er noch Dritter, jetzt schlug bei den Deutschen Meisterschaften die große Stunde von Hannes Liebach. Mit einer gut überlegten Taktik holte sich der 29 Jahre alte Berliner in 8:45,50 Minuten seinen ersten DM-Titel. Schon nach dem Startschuss war klar, dass die Olympia- und EM-Norm von 8:30,00 Minuten in diesem Rennen kein Thema und es ein klassisches Meisterschaftsrennen werden würde. Zu gemächlich war das Anfangstempo, für das der Magdeburger Johannes Motschmann und der Ochsenfurter Patrick Karl sorgten.

In 2:59,93 Minuten wurden die ersten 1.000 Meter zurückgelegt. Zur Halbzeit war dann die Geduld des Titelverteidigers Martin Grau (LSC Höchstadt/Aisch) zu Ende. Er schob sich nach vorne und übernahm schließlich auch die Spitze mit einem leicht erhöhten Tempo. 5:56,81 Minuten war die Zwischenzeit für den zweiten Kilometer. Mit diesem Angriff formierte sich die Spitze auch neu. Martin Grau folgten dicht Hannes Liebach, der Frankfurter Nico Sonnenberg und Patrick Karl. Es war klar: Dieses Quartett würde die Medaillen unter sich ausmachen.

Auf der letzten Runde fiel dann die Entscheidung frühzeitig. Hannes Liebach schob sich auf der Gegengerade gemeinsam mit Patrick Karl am Titelverteidiger vorbei, während Nico Sonnenberg abfiel. Mit einem langgezogenen Finish ließ sich schließlich der Berliner den Titel nicht mehr nehmen (8:45,50 min) und hielt auch nach dem letzten Hindernis noch Patrick Karl (8:45,98 min) in Schach. Martin Grau (8:48,97 min) rettete sich auf Platz drei ins Ziel.

„Ich dachte auf der letzten Runde: Wenn, dann jetzt. Dann bin ich vorbei. Wenn man sich an die Spitze setzt, dann sollte man zusehen, dort auch zu bleiben“, erklärte Hannes Liebach sein Erfolgsrezept sehr einfach. Er sagte aber auch: „Ich weiß nicht, warum ich es geschafft habe, Patrick Karl abzuhängen. Ich war mir sicher, dass er der stärkste Konkurrent ist.“

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