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DOSB senkt Normen: Sechs Marathonläufer zu Olympia

| Martin Neumann (mit dpa) I Foto: imago
In den vergangenen Monaten hatte es viel Zoff um die „harte“ deutsche Olympia-Norm im Marathon gegeben. Nun wurden diese und weitere Normen angepasst.

In den vergangenen Monaten hatte es viel Zoff um die „harte“ deutsche Olympia-Norm im Marathon gegeben. Nun hat der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) auf Antrag des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) diese und weitere Normen angepasst. Somit werden höchstwahrscheinlich sechs deutsche Marathonläufer bei den Spielen in Rio dabei sein. Auch Philipp Pflieger (Foto). laufen.de hat Reaktionen gesammelt.

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Die Olympia-Normanforderungen für die deutschen Leichtathleten werden gesenkt. Der Vorstand des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) stimmte auf seiner Sitzung am Dienstagabend einem entsprechenden Antrag des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) „vollumfänglich“ zu. Der DLV hatte nach dem Doping- und Korruptionsskandal beantragt, 17 der 43 Einzelnormen für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro zu senken. Das war möglich geworden, weil der Leichtathletik-Weltverband IAAF viele der internationalen Normen im Dezember gesenkt hatte.

Davon profitieren in Deutschland vier Marathonläufer: Das Quartett Philipp Pflieger (LG Telis Finanz Regensburg; 2:12:50 h), Julian Flügel (Team Memmert; 2:13:57 h) und die Zwillinge Lisa (2:28:39 h) und Anna Hahner (Run2sky.com; 2:30:19 h) hatten im Herbst die ursprüngliche Rio-Norm von 2:12:15 bzw. 2:28:30 Stunden knapp verpasst. Gestern beschloss der DOSB nun, die Normen auf 2:14:00 und 2:30:30 Stunden zu senken.

Auch auf der Bahn wurden die Normen gelockert

Auch auf den Bahn-Langstrecken wurden die Normen gesenkt. Über 10.000 Meter (jeweils Männer und Frauen) von 27:45,00 auf 28:00,00 Minuten bzw. von 31:45,00 auf 32:15,00 Minuten. Über 5000 Meter von 13:18,00 auf 13:25,00 Minuten bzw. von 15:13,00 auf 15:24,00 Minuten. Und über 3000 Meter Hindernis von 8:22,80 auf 8:30,00 Minuten bzw. von 9:39,00 auf 9:45,00 Minuten. Alle Olympia-Normen der Leichtathletik sind hier aufgelistet.

„Es hat bis zu diesem Entschluss seine Zeit gebraucht. Da waren die Vorfälle bei der IAAF natürlich eine Steilvorlage“, sagte Philipp Pflieger gegenüber laufen.de. Der 28-Jährige hatte einen Start bei einem Frühjahrsmarathon ausgeschlossen und musste auf die „weichere“ Norm hoffen. Der Regensburger plant in den kommenden Monaten, an der Grundschnelligkeit zu arbeiten. Erster Härtest könnte der Berliner Halbmarathon Ende März sein.

Die deutlich „weicheren“ Normen dürften aber auch André Pollmächer (Rhein-Marathon Düsseldorf), den im vergangenen Jahr einmal mehr Verletzungen stoppten, und Steffen Uliczka (SG TSV Kronshagen-Kieler TB) Mut machen. Sie könnten sich in den nächsten Monaten noch für Rio qualifizieren und Philipp Pflieger und Julian Flügel verdrängen.

Anna Hahner wird hingegen auf jeden Fall am 10. April beim Hannover-Marathon laufen. „Auch wenn die Norm-Senkung auf 2:30:30 Stunden ein wenig überraschend kommt, verändert das meine Pläne nicht“, sagte die Siegerin des Wien-Marathons 2014. Für sie sei die Zeit zwischen dem Berlin-Marathon im September und dem Olympia-Marathon im August einfach zu lang. „Nach Berlin war mir schnell klar, dass ich noch einen Marathon laufen möchte. Weil die Strecke schnell ist und der Termin früh liegt, haben wir uns für Hannover entschieden“, sagte Anna Hahner. Dort wird auch ihre Zwillingsschwester starten. Ob Lisa nach dem geplanten Halbmarathon im Februar in Barcelona die ganze oder die halbe Strecke läuft, entscheidet sich aber erst kurzfristig. In einem waren sich die Zwillinge jedenfalls einig: „Wir waren ja letztes Jahr schon mal in Rio. Jetzt freuen wir uns, dass wir bei Olympia gemeinsam am Marathon-Start stehen können."

Aufgrund der zuletzt aufgedeckten Skandale in der Welt-Leichtathletik hatte sich der DLV dazu entschlossen, eine Norm-Senkung zu beantragen. „Für uns zeigt sich immer mehr, dass das statistische Material, auf das wir zur Entwicklung der Normen zurückgegriffen haben, in hohem Maße belastet, also nicht manipulationsfrei war und ist“, sagte DLV-Sportdirektor Thomas Kurschilgen vor der DOSB-Entscheidung der Deutschen Presse-Agentur. Nach den Herbst-Marathons hatte die Laufszene mit den großen City-Marathons an der Spitze den Olympia-Start des deutschen Quartetts gefordert. DOSB und DLV hielten Mitte November allerdings an den „alten“ Normen fest. Damals war das Ausmaß des IAAF-Skandals aber noch nicht absehbar.

Damit dürften die drei deutschen Marathon-Startplätze bei Männern und Frauen in Rio besetzt werden. Denn neben den vier genannten Läufern hatte schon Arne Gabius (LT Haspa Marathon Hamburg) bei seinem deutschen Rekord in Frankfurt (2:08:33 h) und Fate Tola (LG Braunschweig; 2:28:24 h) die „alte“ Norm unterboten. Die gebürtige Äthiopierin durchläuft gerade das Einbürgerungsverfahren und wartet auf den deutschen Pass. Noch sind alle sechs Läufer aber noch nicht für die Olympischen Spiele nominiert. Der Qualifikationszeitraum im Marathon läuft bis zum 1. Mai, außerdem muss ein Leistungsnachweis über die Halbmarathonstrecke erbracht werden. Eine Kandidatin für Rio wäre Sabrina Mockenhaupt (LG Sieg). Nach ihrem Fußbruch im Dezember hatte die 35-Jährige allerdings angekündigt, sich über 5000 Meter (15:24,00 min) oder 10.000 Meter (32:15,00 min) für Rio qualifizieren zu wollen.