Emotionale Events erleben
Dubai-Marathon: Äthiopisches Duo siegt mit Weltklassezeiten

| Jörg Wenig I Foto: Dubai-Marathon
Weltklassezeiten beim Dubai-Marathon: Die Siege und das Preisgeld von 200.000 Dollar gingen an Tesfaye Abera (2:04:24 h) und Tirfi Tsegaye (2:19:41 h).

Weltklassezeiten beim Dubai-Marathon: Die Siege und das Preisgeld von jeweils 200.000 Dollar gingen an die Äthiopier Tesfaye Abera (Foto; 2:04:24 h) und  Tirfi Tsegaye (2:19:41 h). Da kannte der Jubel der Fans keine Grenzen. Bei den Frauen überzeugte zudem die Berlinerin Mayada Al-Sayad. Die 23-Jährige startet international für Palästina und steigerte ihren eigenen Landesrekord auf 2:39:48 Stunden.

Einmal mehr hat ein äthiopischer Youngster den Dubai-Marathon mit einer Weltklassezeit gewonnen: Der 23-jährige Tesfaye Abera lief am Freitagmorgen 2:04:24 Stunden. Damit verfehlte er den Streckenrekord seines Landsmannes Ayele Abshero um lediglich eine Sekunde und setzte ein erstes starkes Maß im olympischen Jahr. In der Liste der schnellsten je auf rekordkonformen Strecken gelaufenen Zeiten sortiert sich Abera an 15. Stelle ein. Er steigerte sich bei seinem bisher größten Triumph, für den er in Dubai 200.000 US-Dollar erhält, gleich um gut fünf Minuten. Bisher stand seine Bestzeit bei 2:09:46 Stunden. Hinter ihm folgten seine Landsleute Lemi Berhanu, der als Titelverteidiger angetreten war, mit 2:04:33, Tsegaye Mekonnen (2:04:46 h) und Sisay Lemma (2:05:16 h). Sie kassierten beim höchstdotierten Citxy-Marathon der Welt noch 80.000 bzw. 40.000 Dollar.

Auch bei den Frauen dominierten erwartungsgemäß die Äthiopierinnen. Hier siegte Tirfi Tsegaye mit hochklassigen 2:19:41 Stunden. Die 31-jährige Berlin-Marathon-Siegerin des Jahres 2014 stellte damit ebenfalls eine persönliche Bestzeit auf und rückte in der Alltime-Liste auf Position 17 vor. Zweite wurde die Debütantin Amane Beriso mit 2:20:48 Stunden vor ihrer äthiopischen Landsfrau Meselech Melkamu, die nach 2:22:29 Stunden im Ziel war. Das Trio kassierte ebenfalls 200.000, 80.000 und 40.000 US-Dollar.

Ohne Preisgeld aber mit einer neuen Bestzeit im Gepäck geht es für Mayada Al-Sayad zurück ins heimische Berlin. Die 23-Jährige blieb als 17. mit 2:39:48 Stunden erstmals unter der 2:40er-Marke und steigert damit ihren eigenen Landesrekord von Palästina um fast zwei Minuten. Damit war sie in Dubai schnellste Läuferin außerhalb der eingeladenen Elite-Läuferinnen.

Mayada Al-Sayad ist in Berlin geboren, startet für den 1. VfL Fortuna Marzahn und hat einen deutschen und eine palästinensichen Pass. Für Palästina wird sie auch bei den den Olympischen Spielen im August in Rio starten. Die Qualifikation dafür hat sie bereits sicher. „Ich möchte das Abenteuer und die Atmosphäre in einem Superfeld erleben“, sagte die 23-Jährige, die schon 2015 erste Starterin für Palästina bei einem WM-Marathon war.

Einmal mehr entwickelte sich in Dubai bei guten Wetterbedingungen ein sehr schnelles Männerrennen. Lange Zeit lagen die Zwischenzeiten im Bereich des aktuellen Weltrekordes, den der Kenianer Dennis Kimetto mit 2:02:57 Stunden im Jahr 2014 in Berlin aufgestellt hatte. Geführt von Tempomachern passierte eine 16-köpfige Spitzengruppe die Halbmarathonmarke nach 61:37 Minuten. Bei 30 km war diese Gruppe auf sechs Läufer zusammengeschrumpft. Der Punkt wurde in 1:27:20 Stunden passiert, wobei die Kenianer Edwin Koech und Amos Kipruto zusammen mit Sisay Lemma an der Spitze liefen - theoretisch wäre diese Zeit ein 30-km-Weltrekord. Doch offenbar hatten die Veranstalter an diesem Punkt keinen Kampfrichter platziert, so dass eine Anerkennung wohl nicht möglich sein wird. Die Bestmarke hält der Kenianer Geoffrey Kamworor, der 2014 in Berlin die 30 km im Marathon nach 1:27:37 passiert hatte.

In der Folge wurde das Tempo jedoch deutlich langsamer. Abgesehen von einem Kilometer wurden die Abschnitte zwischen 30 und 40 km nicht unter 3:00 Minuten gelaufen. Dadurch geriet der Weltrekord schnell außer Reichweite. Nach 35 km (1:42:27) lagen vier Läufer an der Spitze: Neben dem späteren Sieger Abera liefen Titelverteidiger Berhanu sowie Lemma und Mekonnen, der vor zwei Jahren in Dubai mit einem inoffiziellen Junioren-Weltrekord gewonnen hatte (2:04:32).  Knapp 1,5 km vor dem Ziel schien eine Vorentscheidung zugunsten des Titelverteidigers gefallen zu sein. Berhanu konnte sich etwas absetzen. Während Lemma und Mekonnen geschlagen waren, lag Abera jedoch nur rund fünf Meter zurück.

 Entscheidung auf der Zielgeraden

Auf der langen Zielgeraden setzte sich dann der Außenseiter durch, der vor einem Jahr seine Bestzeit von 2:09:46 als Sieger des Mumbai-Marathons aufgestellt hatte. Außerdem war er 2015 Achter in Hamburg und Zweiter in Hengshui (China). „Mein Ziel war es, eine persönliche Bestzeit zu erreichen“, sagte der 23-Jährige und erklärte bezüglich des knapp verpassten Streckenrekordes seines Landsmannes Abshero, der aufgrund einer Verletzung nicht starten konnte: „Es ging mir in der Schlussphase nur darum, das Rennen zu gewinnen.“

Ein insgesamt gleichmäßigeres Tempo lief Tirfi Tsegaye, die den Dubai-Marathon bereits vor drei Jahren gewonnen hatte. Die Äthiopierin passierte die Halbmarathonmarke in einer zehnköpfigen Spitzengruppe nach 70:17 Minuten. Eine nach der anderen fiel in der Folge zurück, und am 30-km-Punkt war die Debütantin Amane Beriso die einzig verbliebene Konkurrentin. Tsegaye, die ihre bisherige Bestzeit von 2:20:18 bei ihrem Sieg in Berlin 2014 aufgestellt hatte und damit die schnellste Läuferin auf der Dubai-Startliste war, setzte sich dann kurz vor der 35-km-Marke ab. Am Ende durchbrach sie zum ersten Mal die prestigeträchtige 2:20-Stunden-Barriere und hatte mit 2:19:41 gut eine Minute Vorsprung. „Dubai ist nach meinem zweiten Sieg wie eine zweite Heimat für mich“, sagte Tirfi Tsegaye.