Emotionale Events erleben
Ein Hamburger im Hochgebirge

| Martin Neumann I Foto: asics
Beat The Sun: Das sind 150 Kilometer und 8370 Höhenmeter. Mit dabei: Finn Vogler, der dem Abenteuer entgegenfiebert.

Beat The Sun: Das sind 150 Kilometer und 8370 Höhenmeter. Mit dabei im Sechserteam: Finn Vogler (li.), der dem Abenteuer entgegenfiebert. Dabei hat der Hamburger gar keine Trail-Erfahrung. Anders als sein Teamkamerad und Mentor Lukas Naegele (re.).

Exakt 116,2 Meter. So hoch ist der Hasselbrack, Hamburgs höchster Berg. Oder sollte man besser sagen: Hamburgs höchstes Hügelchen? Als solches wird es Finn Vogler jedenfalls am Sonntag vorkommen. Dann rennt der Hamburger im Hochgebirge. Als einer von weltweit nur 15 Hobbyläufern und einziger deutscher Amateur wurde er für „Beat The Sun“ ausgewählt; dem Staffelrennen über 150 Kilometer und 8370 Höhenmeter rund um den höchsten Alpengipfel, den Mont Blanc (4810 m). 15 Stunden, 41 Minuten und 35 Sekunden haben die fünf Sechserteams Zeit, um das Mont-Blanc-Massiv in 13 Etappen zu umrunden. So lange braucht die Sonne von Auf- (5:44 Uhr) bis Untergang (21:25 Uhr) am längsten Tag des Jahres für ihren Weg um den majestätischen Berg. Start- und Zielort ist Chamonix, der französische Olympiaort von 1924.

„Ich bin noch nie bei einem Trailrennen gestartet. Darum wird „Beat The Sun“ eine ganz neue Herausforderung für mich und ein Höhepunkt meines Läuferlebens. Davon werde ich mit Sicherheit noch meinen Kindern erzählen“, schaut Vogler gespannt auf den 21. Juni voraus. Aus den Worten des Hamburgers klingt eine Mischung aus Respekt und Ehrgeiz. Klar will er seine Strecken so schnell wie möglich absolvieren. Doch welche läuferischen Aufgaben auf ihn warten, das kann der 26-Jährige noch schwer einschätzen: „Ich habe in Hamburg möglichst viel am Berg und auf Treppen trainiert. Trotzdem bin ich super aufgeregt“, gibt er zu.

Gut dass Vogler im Team Nordeuropa erfahrene Trail- und Straßenläufer zur Seite stehen, um Teile der mit fünf Gipfeln zwischen 2400 und 2800 Metern gespickten Strecke zu meistern. Dabei ist die Höhe lange nicht die einzige Herausforderung: Temperaturunterschiede von bis zu 30 Grad zwischen Tälern und hochalpinen Passagen, Wind, Regen und schneebedeckte Abschnitte werden die Teams an ihre Grenzen treiben. Die Profis werden damit naturgemäß besser zurechtkommen als die Freizeitläufer, aber sie müssen auf ihrem Weg durch Frankreich, Italien und die Schweiz auch ein deutlich höheres Tempo anschlagen, um die Sonne zu besiegen.

Zu den „Pros“ zählen im Team Nordeuropa neben dem Freiburger Marathon- und Trail-Spezialisten Lukas Naegele der Österreicher Christian Schiester und Holly Rush (Großbritannien). Dazu kommen die Amateure Charlotte Love (Großbritannien) und Benjamin Druml (Österreich). Sie wurden aus mehr als 1000 Bewerbern ausgesucht. Das Sextett trifft am Fuße des Mont Blanc auf die Teams Südeuropa, Asien-Pazifik, Amerika und Afrika.

„Doch eigentlich laufen wir nicht gegen die anderen Teams, sondern gegen die Natur. Die Sonne ist unser Gegner“, stellt Lukas Naegele klar. Der 2:28-Stunden-Marathonläufer war schon 2014 bei der Erstauflage des von Asics organisierten Events („Outrun The Sun“) dabei und liebt die anspruchsvollen Strecken rund um seine Heimatstadt Freiburg. Damit ist er bestens geeignet für die technisch anspruchsvollen Etappen im Hochgebirge. Bis rund 2800 Meter geht es nach oben. Die Königsetappe ist die drittletzte mit zwei Gipfeln und 2080 Höhenmetern auf 19 Kilometern (siehe Übersicht unten).

So viel Erfahrung wie der Freiburger hat der Hamburger auf den Trails nicht. So wies der 26-jährige Naegele seinen gleichaltrigen Teampartner Finn Vogler bei einem Laufwochenende in die Geheimnisse der Trail-Technik ein. Zwar ist der Hamburger ein ordentlicher Straßenläufer, doch eine so fordernde Strecke wie die am Mont Blanc musste er noch nie bewältigen. „Meine Bergerfahrung beschränkt sich auf Wanderurlaube in Österreich. Und die sind schon ein Weilchen her“, sagt Vogler und lacht.

Das Rennen 2014: Gänsehaut pur

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Vor einigen Jahren entdeckte der angehende Grundschullehrer die Liebe zum Laufen. 2008 wagte er die ersten Schritte, ein Jahr später folgte der erste Halbmarathon. Mittlerweile ist er fünf Marathons gelaufen, den besten in 3:50 Stunden. In diesem Frühjahr finishte er drei Halbmarathons an drei Tagen. Alle drei unter 1:50 Stunden. Dabei sind die Zeiten für den Hamburger nur Nebensache: „Für mich ist es nicht wichtig, schneller als die anderen zu sein. Laufen gibt mir das Gefühl, etwas für meine Gesundheit getan zu haben. In Zukunft möchte ich mich auf die Ultrastrecken jenseits des Marathons wagen.“

So oft es geht, verbringt Vogler Zeit in der freien Natur. Er liebt Outdoorsport und neue Abenteuer. Davon wird er am Sonntag einige meistern müssen – und das auf einer Höhe deutlich oberhalb des Hasselbrack.

Willst du mehr über Finn Vogler erfahren? Dann schau doch mal auf seinem Instagram-Blog vorbei

Die Etappen in der Übersicht

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1.: Länge: 8,5 km/154 HM; Art: Trail; Läufer: Profi; Sollzeit: 36 Minuten
2.: Länge: 3,0 km/656 HM; Art: Vertical Race; Läufer: Amateur; Sollzeit: 31 Minuten
3.: Länge: 15,0 km/398 HM; Art: Trail; Läufer: Amateur; Sollzeit: 1:07 Stunden
4.: Länge: 15,0 km/1287 HM; Art: Höhen-Trail; Läufer: Profi; Sollzeit: 1:44 Stunden
5.: Länge: 16,0 km/1020 HM; Art: Höhen-Trail; Läufer: Profi; Sollzeit: 1:38 Stunden
6.: Länge: 12,5 km/114 HM; Art: Straße; Läufer: Amateur; Sollzeit: 57 Minuten
7.: Länge: 4,0 km/751 HM; Art: Vertical Race; Läufer: Profi; Sollzeit: 46 Minuten
8.: Länge: 12,0 km/555 HM; Höhen-Trail; Läufer: Amateur; Sollzeit: 1:12 Stunden
9.: Länge: 12,0 km/790 HM; Art: Höhen-Trail; Läufer: Amateur; Sollzeit:1:18 Stunden
10.: Länge: 16,0 km/595 HM; Art: Trail; Läufer: Profi; Sollzeit: 1:23 Stunden
11.: Länge: 19,0 km/2080 HM; Art: Alpin-Trail; Läufer: Profi; Sollzeit: 2:46 Stunden
12.: Länge: 5,0 km/50 HM; Art: Downhill; Läufer: Profi; Sollzeit: 26 Minuten
13.: Länge: 12,0 km/50 HM: Art: Trail; Läufer: Amateur; Sollzeit: 1:07 Stunden

Wie sich am Donnerstag herausgestellt hat, darf Finn Vogler die Schlussetappe laufen. Wir wünschen ihm viel Spaß bei dieser besonderen Aufgabe!