Ein Team, ein Ziel: Der Traum vom Berlin-Marathon wurde wahr

| Text: Natascha Marakovits | Fotos: Johann Starck/Polar

Fünf Monate begleitete Polar mit dem Laufprojekt zehn Hobbysportler auf dem Weg zu ihrem großen Traum: dem BMW Berlin-Marathon. Professionelle Trainingsbetreuung und Unterstützung von den Marathon-Assen Laura Hottenrott und Philipp Pflieger haben die Teilnehmer bis ins Ziel hinter dem Brandenburger Tor gepusht.

„Vollkommen durchnässt und entkräftet habe ich noch einmal gekämpft und dann hinter dem Brandenburger Tor die Zeit gesehen und gewusst: Jetzt ist es geschafft! Das war ein echt besonderer Marathon mit allen Höhen und Tiefen, einfach genial!“ Es sind zwar bereits einige Wochen seit dem Berlin-Marathon vergangen, doch wenn Uwe Schmitt (im Bild unten) davon erzählt, gehen auch heute noch die Emotionen mit ihm durch. Er ist einer von jenen zehn Teilnehmern, die sich gegen rund 2.000 andere Bewerber durchsetzen konnten und von Polar für das Laufprojekt ausgewählt wurden.

Dass der 54-Jährige an dem Laufprojekt teilnehmen konnte, grenzt an ein medizinisches Wunder, denn vor neun Jahren konnte er durch ein Abszess im Gehirn keinen einzigen Schritt laufen, war halbseitig gelähmt. Die Ärzte hatten ihm ein Leben im Rollstuhl prophezeit.

Doch Uwe Schmitt kämpfte sich Schritt für Schritt zurück und hat schließlich mit dem Laufen angefangen. Seither hat er einige Marathons und sogar einen Ultra in den Beinen. Beim Polar Laufprojekt hatte er sich beworben, weil er seine persönliche Bestzeit von 3:33 Stunden vom Frankfurt-Marathon 2016 unterbieten wollte.

Damit dies klappt, wurden Uwe Schmitt und die neun anderen Teilnehmer unter den wachsamen Augen eines Expertenteams - allen voran Trainerin Alex Proehl, die für die individuellen Trainingspläne zuständig war - begleitet. Als zusätzliche Motivation standen den Teilnehmern die Profis Laura Hottenrott und Philipp Pflieger sowie Blogger Florian Liebig mit Rat und Tat zur Seite.

Im Team gemeinsam stark

Für Uwe war das Projekt ein voller Erfolg. Nach 3:30:41 Stunden ist er am 29. September durchs Ziel gelaufen. „Es war eine sehr spannende und lehrreiche Zeit mit zum Schluss schon sehr intensiven Einheiten, die mich sportlich weitergebracht haben. Um nichts möchte ich diese Zeit missen“, sagt er und verrät: „Ein bisschen Wehmut ist dabei: Das Laufprojekt ist jetzt zu Ende. In der Gruppe zu trainieren, hat mich sehr motiviert. Obwohl wir nicht am gleichen Ort waren, waren unsere Trainings doch vergleichbar und wir haben uns untereinander ausgetauscht. So konnte jeder sehen wo er steht, was mich immer angespornt hat noch mehr zu geben und damit eine bessere Leistung zu erzielen.“

Der Zusammenhalt war es, der auch die anderen Teammitglieder immer wieder aufs Neue motiviert hat. „Besonders gefreut hat mich, dass ich so viele tolle Menschen kennenlernen durfte. Es war sehr schön zu sehen und über die sozialen Medien zu lesen, dass alle auf das gleiche Ziel hinarbeiteten und dass sich alle durch die Trainingspläne von Alex kämpften. Wir sind zu einem richtigen Team zusammengewachsen“, sagt Lara Gansser. Für die 22-Jährige war es nicht der erste Marathon. Dementsprechend hatte sie sich wie Uwe eine bestimmte Zeit als Ziel gesetzt: „Ich wollte unter 3:30 Stunden laufen. Geworden sind es 3:31:17. Auch wenn ich ganz kurz enttäuscht war - damit bin ich total happy! Der Berlin Marathon selbst war ein einzigartiges Erlebnis. Berlin war eine Läuferstadt, der Spirit zog einen nur so mit. Ich werde ganz bestimmt wieder einen Marathon laufen“, sagt sie.

Der erste Marathon

Anders als Uwe und Lara waren unter den Teilnehmern auch einige, die sich im Laufprojekt auf ihren allerersten Marathon vorbereiteten. Unter anderem Franziska (im Bild unten mit Trainerin Alex) und Marcus. Das Ziel der 21-Jährigen lautete daher: „Spaß haben. Die Zeit ist Nebensache.“ In vier Monaten vom Schwimmer zum Marathonläufer sei nicht leicht gewesen, aber besser hätte sie sich die Vorbereitung nicht wünschen können. Der Marathon selbst sei „eine Achterbahn der Gefühle gewesen“, wie sie sagt. „Die letzten zehn Kilometer haben sich gezogen wie Kaugummi. Ich bin die gesamte Zeit mit Jana aus dem Projekt gelaufen und sie war auch der Grund weshalb ich es bis ins Ziel geschafft habe. Als die Knie bei Kilometer 30 geschmerzt haben und ich kurz vor dem Aufgeben war, wich sie mir nicht von der Seite und hat mir gut zu geredet und mich motiviert. Hand in Hand sind wir durchs Ziel und alle Sorgen und Gedanken waren wie weggeblasen- ein überwältigendes Gefühl.“

Als die Challenge seines Lebens bezeichnete Marcus Zweiböhmer im Mai das Laufprojekt. Der zweifache Familienvater hatte sich beworben, weil er in Sachen Fitness mit seinen Kindern nicht mithalten konnte. Das schaut nun anders aus. „Ohne diese externe Motivation hätte ich das Ziel Marathon wohl nicht erreicht. Das heißt der ‚Druck‘ durch die Teilnahme am Halbmarathon Ende Juli in Hausen, die Trainingspläne inklusive Leistungskontrolle durch Alex Proehl und die erneute Leistungsdiagnostik durch Aeroscan haben mich auf Marathon-Kurs gebracht“, sagt er. Mit seiner Zeit von 4:35:31 Stunden sei er voll und ganz zufrieden. „Mein Ziel Marathon habe ich damit erreicht.“

Nachhaltige Veränderungen beim Laufen

Egal auf welchem Leistungsniveau, von der professionellen Trainingsbetreuung haben alle profitiert. „Das Laufprojekt hat mich gelehrt, wie man richtig trainiert. Ich habe meine Lauftechnik verbessert, bin schneller geworden und weiß jetzt, wie ich mich auf der Strecke optimal ernähre“, sagt Patrick Welge, für den Berlin die Marathon-Premiere war. Seine Teamkollegin Maria Wellbrock brachte Erfahrung mit, sagt aber: „Zwar bin ich schon paarmal Marathon gelaufen, aber nie habe ich bewusst an meinem Laufstil gearbeitet, auf meinen Puls und auf meine Gesundheit beim Laufen geachtet wie in dieser Zeit.“

Uwe Schmitt hat nach dem Laufprojekt bereits neue Pläne geschmiedet. So ist er mit Teamkollegin Franziska beim Frankfurt-Marathon in einer Staffel gelaufen. Und für das kommende Jahr hat er auch schon ein Ziel: „Mittlerweile bin ich Mitglied im VfL Engelskirchen und habe einen Startpass, so dass ich im Frühjahr meinen ersten Meisterschaftslauf bestreiten werde.“

Ein Teilnehmer des Polar Laufprojekts hat leider seinen Traum vom Berlin-Marathon in der Vorbereitung leider aufgeben müssen. Torsten Graw hatte sich verletzt und musste daher seinen Start absagen.

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