Philipp Pflieger pocht auf EM-Doppelstart

| Interview: Christian Ermert | Foto: Ruben Elstner (Jung von Matt)

Philipp Pflieger von der LG Telis Finanz Regensburg soll am 12. August das deutsche Marathon-Team bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in Berlin anführen. Beim Haspa Marathon Hamburg hat er sich Ende April in einem sehr kontrollierten Rennen in 2:13:39 Stunden qualifiziert. Allerdings droht jetzt Ärger mit dem Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV), nachdem dieser dem Olympia-Marathonläufer von Rio den Wunsch nach einem Doppelstart über 10.000 Meter und im Marathon trotz erfüllter Nominierungsbedingungen verwehrt hat. In unserem Interview spricht der 30-Jährige darüber, warum er sogar juristische Schritte gegen die Nicht-Nominierung über 10.000 Meter in Betracht zieht.

DLV: Erfolg durch Konzentration auf eine Strecke

Der DLV hat seinen Läuferinnen und Läufern Doppelstarts verboten. Sie sollen sich zugunsten des maximalen Erfolges auf die Strecke konzentrieren, auf denen ihre Aussichten am besten sind. Ausnahmen werden nur für Athleten gemacht, die auf zwei Strecken Medaillenhoffnungen hegen. Zu denen gehört Philipp Pflieger aber nicht: Im Marathon ist er zwar Elfter der europäischen Bestenliste, in der von seinem deutschen Teamkollegen Richard Ringer (VfB LC Friedrichshafen) mit 27:36,52 Minuten angeführten Liste über 10.000 Meter aber nur 36. Und so wurde über 10.000 Meter jetzt neben Ringer und Amanal Petros (SV Brackwede) nicht der in der deutschen Bestenliste drittplatzierte Philipp Pflieger, sondern der knapp drei Sekunden hinter ihm rangierende Sebastian Hendel von der LG Vogtland für die EM nominiert.

Philipp Pflieger: Erfolgreiche Doppelstarts sind machbar

Philipp Pflieger, wie laufen die Vorbereitungen auf den EM-Marathon in Berlin?
Philipp Pflieger: Sehr viel versprechend. Aktuell läuft das Training in der Höhe von St. Moritz sehr gut. Nach Hamburg habe ich nur drei Wochen pausiert und dann die nächste Marathonvorbereitung gestartet. Das war für mich eine neue Herausforderung. Ich habe dann auch in den ersten drei Wochen des Trainings gespürt, dass ein wenig die Frische fehlte. Da bin ich aber auch schon wieder 200 Kilometer pro Woche gelaufen.

Und kurz danach bist du dann in Regensburg schon wieder in 28:41,75 Minuten über 10.000 Meter auf Platz drei der aktuellen deutschen Bestenliste gelaufen …
Philipp Pflieger: ... ja, nach einer Woche Entlastung und dem 5000-Meter-Rennen in Tübingen, das ja in 13:50 Minuten auch schon überraschend schnell war. Bei den 10.000 bin ich dann die zweite Hälfte schneller gelaufen als die erste und den letzten Kilometer in 2:40 Minuten. Und weil ich ja deutlich unter der Norm für die Europameisterschaften geblieben bin, habe ich mich danach beim DLV für einen EM-Doppelstart angemeldet.

Also dienstags, am ersten Tag der EM, die 10.000 Meter und sonntags dann zum EM-Finale den Marathon …
Philipp Pflieger: … das war der Plan.

Aber der ist ja jetzt hinfällig. Oder?
Philipp Pflieger: Eigentlich geben die Nominierungsrichtlinien des DLV keinen Grund her, mich bei der Nominierung für die 10.000 Meter zu übergehen. Die Verweigerung von Doppelstarts für "Nicht-Medaillenkandidaten“ ist in diesen Richtlinien ja gar nicht verankert, sondern wurde nachträglich als Argument angeführt. Wir werden das jetzt juristisch prüfen.

Ist es denn überhaupt möglich, innerhalb von fünf Tagen 10.000 Meter und einen Marathon auf höchstem Niveau zu laufen?
Philipp Pflieger: Ich glaube, dass das machbar ist. Und international gibt es ja auch Beispiele, bei denen das funktioniert hat. Der Italiener Daniele Meucci ist 2014 in Zürich Marathon-Europameister geworden, nachdem er fünf Tage zuvor über 10.000 Meter in 28:19 Sechster war. Und Galen Rupp aus den USA hat 2016 Olympia-Bronze im Marathon gewonnen, nachdem er zuvor Fünfter über 10.000 Meter war.

Aber in Rio lagen aber auch neun Tage zwischen den beiden Entscheidungen …
Philipp Pflieger: … ich weiß natürlich nicht, wie diese Athleten das genau gemacht haben, aber ihre Erfolge zeigen, dass es möglich ist. Ich finde, dass wir Deutschen auch mal was riskieren können. Wir Marathonläufer sind ja so gut trainiert, dass wir uns schneller von kürzeren Belastungen erholen können. Nach dem Rennen samstags in Regensburg konnte ich am Mittwoch darauf in der Höhe von St. Moritz schon wieder sehr gut trainieren.

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