EM Spezial: So trotzen die Athleten der Hitzewelle

| Text: Redaktion laufen.de | Foto: Imago

Im Sommer 2018 drohen die Ausdauerwettbewerbe bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in Berlin zu Hitzeschlachten zu werden. Für Dienstag und Mittwoch sind Temperaturen von über 35 Grad Celsius angesagt. Hier liest du, was Experten den Athleten raten, um in der Hitze Top-Leistungen zu bringen.

Sie hat mit Ausdauersport nicht viel am Hut, aber Kugelstoßerin Christina Schwanitz brachte es heute in der Pressekonferenz zum EM-Auftakt in Berlin auf den Punkt: „In Kienbaum ging tatsächlich die Frage um: Schwitzt du noch oder klebst du schon?" Doch während die Schnellkraft-Athleten im deutschen Team mit der Wärme relativ locker umgehen können, stellt sie Langstreckenläufer und Geher vor echte Herausforderungen. „An Hitze kann und muss man sich anpassen. Wir haben mit den Medizinern und Trainern versucht, uns entsprechend vorzubereiten“, sagt Idriss Gonschinska, Sportdirektor im Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV). So wurde unter Hitze trainiert, gleichzeitig achtete man auf eine adäquate Flüssigkeitszufuhr.

Für die Geher-Wettbewerbe am Dienstagmorgen erwartet Gonschinska einen starken Einfluss der Hitze. „Die Strecke über 50 Kilometer ist unheimlich hart. Nicht alle Athleten sind unter Hitzebedingungen vergleichbar leistungsfähig“, meinte der DLV-Direktor: „Man kann versuchen, sich anzupassen. Gerade bei den Gehern werden wir den einen oder anderen Athleten erleben, der das nicht so optimal kann.“

Tipps von Weltrekordlerin Paula Radcliffe

Das ist auch einer der Tipps, die Marathon-Weltrekordlerin Paula Radcliffe gibt. „Es ist entscheidend, vor dem Rennen bei ähnlichen Bedingungen zu trainieren. Und dazu hatten die meisten Europäer dieses Jahr ja genug Gelegenheit“, meint sie lachend. Beim Deutschen Leichtathletik-Verband hat man den Ausdauer-Athleten außerdem empfohlen, in Vorbereitung auf die Hitzerennen nach dem Training warme Bäder zu nehmen. „Dadurch passt sich der Körper den Hitzebedingungen schneller an“, erklärt DLV-Arzt Paul Schmidt.

Daneben sei es vor allem für längere Läufe wie den Marathon wichtig, vor und während des Rennens genug zu trinken, um nicht zu dehydrieren. Und die Athleten sollten einen gewissen Respekt vor den Bedingungen mitbringen und nicht zu schnell angehen. „Man muss sich im Marathon immer ein paar Körner für die letzten fünf Kilometer aufsparen.“

Für schwierig hält sie es hingegen, während des Rennens die Herzfrequenz zu kontrollieren. „Im Training kann man das gut machen, aber in der Rennsituation stelle ich es mir eher schwierig vor. Ich denke es ist dann einfacher, auf generelle Zeichen deines Körpers zu achten.“

Eine weitere Möglichkeit sei es, sich unterwegs etwas Kühlung zu verschaffen. Mit gekühlten Mützen, oder kühlem Wasser, das es an den Verpflegungspunkten gebe und das man sich in den Nacken, über die Handgelenke oder gleich über den Kopf kippen könne.

Beim DLV plant man genau das, wie DLV-Arzt Paul Schmidt verrät: „Neueste Untersuchungen zeigen, dass Spezialgetränke unter Belastung in der Hitze am schnellsten vom Körper aufgenommen werden, wenn sie nicht wärmer als vier Grad sind“, erklärt der Mediziner, der selbst ein erfahrener Marathonläufer ist. Deshalb wird beim DLV die Logistik organisiert, auch bei extremen Außentemperaturen Kühlboxen mit Getränke an die Laufstrecken zu bringen. „Ich werde selbst an der Strecke stehen und die Getränke reichen“, kündigt Schmidt an.

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