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Berliner Marathon-Wochenende
Gleich zwei stark besetzte Rennen in der Hauptstadt

| von Jörg Wenig

Eigentlich würden wir jetzt auf den BMW Berlin-Marathon hinfiebern, der für Sonntag geplant war. Doch auch ohne das wegen Corona abgesagte Rennen ist die Hauptstadt am Wochenende Nabel der Laufwelt.

Der kommende Sonntag ist der traditionelle Veranstaltungstermin des Berlin-Marathons. Doch der bedeutendste deutsche Straßenlauf fällt in diesem Jahr der Corona-Krise zum Opfer - so wie fast alle Rennen weltweit. Am Wochenende wird in Berlin trotzdem gelaufen. Und dabei gibt es gleich zwei Veranstaltungen: Am Sonnabend findet ein national sehr gut besetztes 10-km-Rennen statt und tags darauf messen sich eine Männer- und eine Frauenstaffel an der Siegessäule am Marathon-Weltrekord von Eliud Kipchoge. Der Kenianer war vor zwei Jahren in Berlin 2:01:39 Stunden gelaufen. Ein paar Athleten starten dabei sogar bei beiden Rennen. Unter ihnen ist Philipp Pflieger (LT Haspa Marathon Hamburg).

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Ironman-Siegerin Anne Haug gegen die Spezialistinnen über zehn Kilometer

Die prominenteste Starterin kommt jedoch aus dem Triathlon: Anne Haug (LAZ Saar 05) gewann im vergangenen Jahr überraschend den Ironman auf Hawaii. Gegen die Langstrecken-Spezialistinnen wird die bereits 37-jährige Triathletin am Sonnabend über 10 Kilometer keine Chance haben. Aber ihre Bestzeit von 35:10 Minuten könnte sicherlich ein Ziel sein.

Beim 10-km-Wettbewerb am Sonnabend - einem reinen Eliterennen - gibt es einen großen Favoriten: Am Start sein wird der Kenianer Daniel Simiu Ebenyo, der mit einer hochklassigen Bestzeit von 27:12 Minuten ins Rennen geht. Im vergangenen Dezember gewann er damit den Silvesterlauf von Houilles (Frankreich). Der 25-Jährige kam direkt aus Kenia nach Berlin und läuft hier sein erstes Rennen in diesem Jahr.

Gute Form zeigte bei seinen letzten Wettkämpfen Philipp Pflieger, der aus dem Marathontraining heraus an den Start gehen wird. Seine 10-km-Bestzeit steht bei 28:54 Minuten und ist bereits fünf Jahre alt. Zu seinen nationalen Konkurrenten zählen am Sonnabend unter anderem Simon Boch (Bestzeit: 28:31), Florian Orth (beide LG Telis Finanz Regensburg/28:59), Simon Stützel (LG Region Karlsruhe/29:26) und Thorben Dietz (LG Filstal/29:30).

Auch bei den Frauen gibt es eine internationale Topläuferin im Feld: Helen Tola geht als Favoritin mit einer Bestzeit von 31:13 Minuten ins Rennen. Im Marathon erreichte die 25-jährige Äthiopierin bereits 2:21:01 Stunden. Aufgrund einer leichten Blessur wird Melat Kejeta (Laufteam Kassel) am Sonnabend nicht starten. Mit Katharina Steinruck (Eintracht Frankfurt/Bestzeit: 32:39), die bei ihren letzten Rennen gute Form zeigte, Miriam Dattke (32:43), Domenika Mayer (32:45,81 über 10.000 m) und Anja Scherl (alle LG Telis Finanz Regensburg/33:06) sowie Rabea Schöneborn (LG Nord Berlin/34:02) und Laura Hottenrott (TV Wattenscheid/34:15) sind eine Reihe von deutschen Topläuferinnen am Start.

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Die „2:01:39-Stunden-Challenge“: Weltweit und an der Siegessäule in Berlin

Ein virtuelles Rennen bieten die Veranstalter des BMW Berlin-Marathons am Sonntag an: Die „2:01:39-Stunden-Challenge“ - diesen nach wie vor aktuellen Weltrekord lief der Kenianer Eliud Kipchoge beim BMW Berlin-Marathon vor zwei Jahren - ist weltweit offen für alle Läufer. Es ist also egal, ob sie für den Marathon gemeldet waren oder nicht. „Wer teilnehmen möchte, muss die entsprechende App herunterladen und entweder über eine Smart-Watch oder ein Smartphone starten“, erklärt der Race-Direktor des Rennens, Mark Milde. Die App zeichnet dann auf, welche Distanz binnen 2:01:39 Stunden zurückgelegt wird. Dabei kann individuell vom 26. September (0 Uhr) bis 27. September (24 Uhr) gelaufen werden. Am Montag nach dem Rennen wird dann eine Ergebnisliste veröffentlicht.

Am Sonntagmorgen starten zudem eine vierköpfige Männer- und Frauen-Staffel an der Siegessäule. Die beiden Teams müssen über 100-mal um die Siegessäule herumrennen, um auf die Marathondistanz von 42,195 Kilometern zu kommen. Für Philipp Pflieger (LT Haspa Marathon Hamburg), den 10.000-m-Spezialisten Richard Ringer (LC Rehlingen), Johannes Motschmann (SCC Events Pro-Team) und Florian Orth (LG Telis Finanz Regensburg) geht es darum, die Zeit von Eliud Kipchoge zu unterbieten. „Um nicht zu lange am Stück immer nur im Kreis zu laufen, werden sich die Läufer voraussichtlich alle zwei Runden abwechseln“, sagt Mark Milde. Ein „Pace-Car“ wird zudem das Weltrekord-Tempo vorgeben.

Während davon auszugehen ist, dass die vier Topathleten im Wechsel die Zeit von Eliud Kipchoge unterbieten werden, ist dies für das Frauen-Team nicht möglich. Keine der Läuferinnen ist über kürzere Distanzen schnell genug, um das Marathon-Weltrekordtempo von Eliud Kipchoge zu erreichen. Neben Melat Kejeta (Laufteam Kassel), die für den Sonntag eine Startzusage gegeben hat, sollen Anja Scherl (LG Telis Finanz Regensburg), Christina Gerdes (SCC Events Pro-Team) und Deborah Schöneborn (LG Nord Berlin) um die Siegessäule rennen.

Lisa Hahner startet nicht in Berlin und auch nicht beim London-Marathon

Nicht dabei sein wird SCC-Events-Athletin Lisa Hahner. Die 30-Jährige musste auch ihre für den 4. Oktober geplante Teilnahme am London-Marathon absagen. Wie sie über Social Media erklärte, verhinderte eine Entzündung im Darm in den letzten Wochen ein zielgerichtetes Training. Lisa Hahner, die 2015 in Frankfurt ihre Bestzeit von 2:28:39 Stunden erreichte, musste seit Jahren immer wieder gesundheitliche Rückschläge verkraften, die einen Marathon-Start nicht zuließen. Zuletzt lief sie bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio ins Ziel eines Marathons.

In London starten werden Lisas Zwillingsschwester Anna Hahner (SCC-Events Pro-Team/2:26:44) und Deutschlands Marathon-Rekordler Arne Gabius (Therapie Reha Bottwartal/2:08:33). Beide streben die Qualifikation für die Olympischen Spiele an. Um den dritten deutschen Startplatz bei Olympia zu belegen sind zurzeit Zeiten von mindestens 2:11:30 Stunden beziehungsweise bei den Frauen unter 2:28:25 nötig.