Corona-Krise
Hamburg geht voran: Hygienekonzepte sollen Events wieder möglich machen

| Text: Jörg Wenig | Fotos: Norbert Wilhelmi

Der Haspa Marathon Hamburg soll am 13. September nach einem ganz neuen Hygiene- und Organisationskonzept mit 30 Elite- und 14.000 Hobbyläufern stattfinden. Der Deutsche Leichtathletik-Verband hat gemeinsam mit German Road Races einen Leitfaden entwickelt, nach dem in Corona-Zeiten wieder Events stattfinden sollen.

Der Haspa Marathon Hamburg soll am 13. September nach einem ganz neuen Hygiene- und Organisationskonzept mit 30 Elite- und 14.000 Hobbyläufern stattfinden. Der Deutsche Leichtathletik-Verband hat gemeinsam mit German Road Races einen Leitfaden entwickelt, nach dem in Corona-Zeiten wieder Events stattfinden sollen.

Der Haspa Hamburg-Marathon soll am 13. September mit einem Eliterennen und einem Massenlauf stattfinden. Dies gaben die Veranstalter heute im Rahmen einer Pressekonferenz bekannt. Dabei stellten sie auch ein umfangreiches Hygiene-Konzept vor, das mit internationaler Expertise entstand und das du hier im Detail nachlesen kannst. Demnach können am 13. September 10.000 Marathonläufer und 4.000 Halbmarathonläufer an den Start gehen. Sofern es angesichts der Corona-Krise wirklich stattfinden kann, dürfte das Rennen in Hamburg weltweit der erste international bedeutende Marathon sein, der seit Beginn der Pandemie mit einem Elite- und Massenfeld gestartet wird. Die Veranstaltung ist ein Gold Label-Straßenlauf des internationalen Leichtathletik-Verbandes World Athletics.

„Wir sind optimistisch, dass der Haspa Hamburg-Marathon am 13. September stattfinden wird. Wir haben das Konzept und die dafür nötige Infrastruktur. Jetzt gehen wir mit der Stadt in die Feinabstimmung, um die Pläne gemeinsam umzusetzen“, sagte Chef-Organisator Frank Thaleiser.

Ursprünglich war der Haspa Hamburg-Marathon für den 19. April geplant. Wie alle anderen Frühjahrs-Marathonrennen konnte die Veranstaltung aufgrund der Coronavirus-Krise jedoch zu diesem Zeitpunkt nicht stattfinden. Nach Absprachen mit der Stadt verschoben die Veranstalter den Lauf dann auf den 13. September. Die Organisatoren erklärten, dass die Stadt die Initiativen und Planungen unterstützt.

In der vergangenen Woche hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Regierungs-Chefs der Bundesländer zwar beschlossen, dass Großveranstaltungen bis Ende Oktober verboten bleiben, jedoch gibt es Ausnahmen: Veranstaltungen, bei denen eine Kontaktverfolgung und die Einhaltung von Hygieneregelungen möglich ist, könnten demnach stattfinden. Die einzelnen Bundesländer können aber auch eigene Regelungen treffen.

Philipp Pflieger: »Jetzt gibt es endlich wieder ein großes Ziel«

„Ich freue mich riesig auf dieses Rennen. Es war sehr frustrierend, als alles abgesagt wurde. Ich habe dann auch eine Trainingspause eingelegt. Jetzt gibt es endlich wieder ein großes Ziel“, sagte Philipp Pflieger (LT Haspa Marathon Hamburg), der eine Bestzeit von 2:12:50 Stunden aufweist und bereits vor vier Jahren beim Olympia-Marathon in Rio startete. Dass in Hamburg im September keine Qualifikation für die Spiele 2021 möglich sein wird - World Athletics hat aufgrund der Corona-Krise den Qualifikationszeitraum bis Anfang Dezember ausgesetzt - spielt für ihn zunächst keine Rolle. „Mit einem Start beim Haspa Hamburg-Marathon planen zu können, ist ein positives Signal. Wir brauchen unbedingt Wettkampf-Möglichkeiten“, sagte Philipp Pflieger.

Die Hamburger planen mit einem stark reduzierten Elitefeld von voraussichtlich rund 30 Athleten. Diese Gruppe wird als einzige direkt an der Startlinie stehen. Die Athleten, die aufgrund der eingeschränkten Reisemöglichkeiten nur aus bestimmten Ländern kommen können, müssen sich vor dem Rennen auf das Coronavirus testen lassen. Teilnehmer aus Corona-Risikoländern werden weder für das Elite- noch für das Massenrennen zugelassen.

Während die Wettbewerbe für Kinder ebenso entfallen wie eine zuletzt integrierte Staffel, wird auch auf das Rahmenprogramm, auf Zuschauertribünen und Hotspots an der Strecke verzichtet. Nur Teilnehmer haben Zugang in die Start-Ziel-Bereiche.

Mindestabstand vor dem Start, Mund-Nasen-Schutz im Ziel

Halbmarathon und Marathon haben dabei unterschiedliche Start- und Zielpunkte. Die Halbmarathonläufer werden ihr Rennen in mehreren Gruppen zwischen 8 und 8.30 Uhr beginnen, die Marathonläufer starten ab 9.30 Uhr in einem Zeitfenster von knapp zwei Stunden. Meist sind es 1.000er-Gruppen, die in Zeitabständen von rund zehn Minuten auf die Strecke geschickt werden. Die Läufer der jeweiligen Gruppen sammeln sich vorher in unterschiedlichen Messehallen. Dort sowie am Start und später in den Zielbereichen - insgesamt stehen 120.000 Quadratmeter kontrollierte Veranstaltungsfläche zur Verfügung - wollen die Veranstalter dafür sorgen, dass die Mindestabstände eingehalten werden. Auf dem Veranstaltungsgelände sowie an der Strecke werden Desinfektionsstationen eingerichtet.

Alle Teilnehmer erhalten zudem ein Schlauchtuch mit einem Atemwegs-Schutzfilter. Dieses muss in den Veranstaltungsbereichen des Start-Ziel-Bereiches getragen werden. Während des Laufes soll es mitgeführt werden, damit es nach dem Zieleinlauf wieder über Nase und Mund gezogen werden kann. Im Zielbereich wird es keine offenen Getränke oder Einzelverpflegung geben. Statt dessen erhalten alle Teilnehmer einen Verpflegungsbeutel. Auch das sonst übliche Angebot von Massagen und Duschmöglichkeiten entfällt.

Wie die Veranstalter mitteilten, wurde das detaillierte Hygiene-Konzept mit Unterstützung der Universität Manchester Metropolitan (Crowd Managing) erstellt. Die Engländer sind für eine Reihe von großen internationalen Marathonläufen aber auch für die Premier League und den Deutschen Fußball-Bund (DFB) tätig.

„Das Organisations- und Hygienekonzept soll verdeutlichen, dass eine Laufveranstaltung mit bis zu 14.000 Teilnehmenden im städtischen Raum unter Wahrung der seit Ausbruch der Covid-19-Pandemie beschlossenen Kontaktbeschränkungen sowie der aktuell geltenden Hygieneschutzregeln verantwortungsbewusst durchgeführt werden kann“, sagte Frank Thaleiser.

Auch in Köln ist Marathon für Herbst geplant - Renndirektor Markus Frisch maßgeblich an Hygienekonzept beteiligt

Unterdessen haben auch der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) und die German Road Races (GRR) dargelegt, wie Laufsportveranstaltungen ab sofort wieder offiziell stattfinden können. Diese Bekanntmachung und das Hamburger Beispiel könnte - natürlich in Abhängigkeit von der weiteren Entwicklung der Coronavirus-Pandemie - für viele Laufveranstalter die Basis sein für eine Rettung ihrer Rennen.

„Auf dieses Signal haben zehntausende von Läufern gewartet: Unter Einhaltung der Corona-Schutzverordnungen können nach Wochen und Monaten strikter Verbote künftig wieder Laufveranstaltungen durchgeführt werden“, heißt es in einer Mitteilung von GRR. Der Deutsche Leichtathletik-Verband und die German Road Races - die Interessengemeinschaft der deutschen Laufveranstalter - haben ein gemeinsames Konzept erarbeitet, das als Orientierungshilfe für die Genehmigungsbehörden und als Leitfaden für Laufveranstalter gelten wird.

„Die Leichtathletik muss gerade im Zuge der dynamischen Anpassung der Schutzmaßnahmen in den Bundesländern und den einhergehenden Lockerungen in ihrer gesamten Vielfalt wieder sichtbarer werden“, fordert Idriss Gonschinska, der Generaldirektor Sport des DLV. „Wir unterstützen daher natürlich auch die Bemühungen um eine Öffnung für Lauf-Wettbewerbe auf der Straße, immer auf der Basis von an die jeweiligen Rahmenbedingungen angepassten Durchführungs- und Hygienekonzeptionen. Wir freuen uns, dass wir in Zusammenarbeit mit der Vereinigung der German Road Races Impulse erarbeiten konnten, die den Ausrichtern bei der Durchführung ihrer Läufe Orientierung bieten können.“

Markus Frisch und Michael Brinkmann haben als Veranstaltungsleiter der Marathonrennen von Köln und Münster ein achtseitiges Konzept erarbeitet, das nunmehr in seinen Kernaussagen Eingang in das Dokument des DLV gefunden hat. „Ziel dieses Hygienekonzeptes ist es, sinnvolle und organisatorisch wie wirtschaftlich umsetzbare Rahmenbedingungen zu definieren, die eine Durchführung einer Laufveranstaltung möglich machen“, sagt Markus Frisch.

Der DLV veröffentlichte eine Reihe von Details zu seinem Konzept. Veranstalter sollen demnach unter anderem einen Zonenplan für das Veranstaltungsgelände inklusive eines Personen-Aufteilungsplans je Zone erstellen, Laufwege zu Funktionsbereichen, Aufwärmflächen und zum Start-Ziel-Bereich festlegen, eine Raumplanung nach Hygienevorschriften umsetzen, auf Umkleiden, Duschen und Massagen verzichten, das Startprozedere zeitlich mit Wellenstarts entzerren und Startblöcke nach Zielzeiten sortieren sowie auch im Ziel die Mindestabstände einhalten.

„Draußen sind momentan so viele Läufer unterwegs, wie selten zuvor. Unabhängig von der Größe der Veranstaltung ist es daher wichtig, dass wir jetzt auch mit den Veranstaltungen wieder ins Laufen kommen. Die Menschen brauchen in einer Krisenzeit ein Ziel, für das es sich lohnt, sich sportlich zu betätigen. Für eine Rückkehr in die Normalität ist daher dieses gemeinsam mit dem DLV erarbeitete Konzept als Leitfaden für die Politik zu verstehen, Laufveranstaltungen wieder zu erlauben. Ich bin auf die Reaktion der Politik gespannt", knüpft Markus Frisch zugleich Erwartungen und Hoffnungen an die politischen Gremien auf Länder- und kommunaler Ebene.