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Hand in Hand ins Ziel: Kritik an den Hahner-Zwillingen

| Andreas Schirmer (dpa), Martin Neumann I Foto: imago
War das alles nur eine PR-Aktion? Die Marathon-Zwillinge Lisa und Anna Hahner machten nicht nur sportlich keine gute Figur in Rio. Dass sie Hand in Hand au

War das alles nur eine PR-Aktion? Die Marathon-Zwillinge Lisa und Anna Hahner machten nicht nur sportlich keine gute Figur in Rio. Dass sie Hand in Hand auf den Plätzen 81 und 82 landeten, kam nicht gut an. DLV-Sportdirektor Kurschilgen: „Hand in Hand geht man spazieren.“ Bei dem ganzen Trubel um die Zwillinge ging zudem die gute Leistung von Anja Scherl in vielen Beiträgen unter.

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In ungewöhnlicher Schärfe hat der Deutsche Leichtathletik-Verband den Marathon-Auftritt der Hand in Hand über die Ziellinie gelaufenen Zwillinge Lisa und Anna Hahner bei den Rio-Spielen kritisiert. „Einen olympischen Lorbeer haben sich die Hahner-Zwillinge mit ihrem Auftritt und ihren Leistungen nicht verdient“, schimpfte DLV-Sportdirektor Thomas Kurschilgen am Montag in Rio de Janeiro. „Hand in Hand geht man spazieren, aber nicht über eine olympische Marathon-Distanz.“

Die Hahner-Geschwister hatten ihr olympisches Marathon-Rennen mit mehr als 21 Minuten Rückstand und 2:45-Stunden-Zeiten auf die Siegerin und mehr als 15 Minuten über ihren Bestleistungen auf Platz 81 und 82 beendet. „Es wirkte so, als absolvierten sie einen Volkslauf und nicht die olympische Entscheidung“, wetterte Kurschilgen. Die Hahner-Zwillinge wollten sich dazu am Montag nicht öffentlich äußern. „Wir lassen das unkommentiert“, sagte Manager Thomas Dold.

Lisa und Anna Hahner hatten ihr Rio-Rennen auf Facebook so kommentiert: „Platz 81 und 82. Definitiv nicht das, was wir uns erhofft haben. Ob wir zufrieden sind? Nein. Das Überqueren der Ziellinie? Dennoch eines unser größten sportlichen Momente.“ Seit vier Jahren hätten sie auf diesen Moment hingelebt und hintrainiert. „Dafür sind wir im Training an unser Limit und ab und zu auch darüber hinausgegangen“, betonten sie. „Danke, an alle, die mitgefiebert haben. Wir wollen euch an unseren Lauferlebnissen teilhaben lassen.“ Und am Ende folgte noch der Hinweis: „Alle, die kein Interesse daran haben, dürfen die Seite gerne disliken.

Anja Scherl kämpft und überzeugt

Kurschilgen äußerte sein Unverständnis über die Nonchalance der beiden Athletinnen. Wenn Platzierung und Zeit bei einem olympischen Wettbewerb in den Hintergrund treten, wie es beide unmittelbar nach dem Zieleinlauf formuliert hatten, „dann ist das respektlos und ein Schlag ins Gesicht gegenüber allen anderen Athleten der deutschen Olympiamannschaft“. Bei Olympia dürfe „die PR-Strategie nicht über den Interessen“ einer deutschen Nationalmannschaft stehen, kritisierte Kurschilgen. Die „Hahner-Twins“ hatten zwei Tage zuvor bei einem PR-Termin ihres Ausrüsters in Interviews sowie mit Foto-Shootings und Filmaufnahmen kräftig für sich geworben.

Bei den Olympischen Spielen würden die Besten der Besten aus allen Ländern und Kontinenten antreten und ihre Sieger ermitteln. „Damit grenzt sich ein olympisches Finale, ein olympischer Marathon von Fun-oder Fitnessbewegungen, Volks- oder Hobbyläufen ab“, argumentierte Kurschilgen. „Das ist die Ästhetik des Leistungssports, der sich die Athleten einer Olympiamannschaft oder einer Nationalmannschaft stellen sollten.“ Es gehe immer auch um die Art und Weise, wie eine Leistung erbracht werde. „Das macht neben dem Sieg für jeden einzelnen Akteur den Wert seines Spitzensports aus“. Marathon-Bundestrainerin Katrin Dörre-Heinig hatte sich unmittelbar nach dem Marathon ebenfalls kritisch geäußert. „Die Ablenkung war viel zu groß“, monierte sie.

Was wir an dieser Stelle nicht vergessen wollen: Knapp acht Minuten und 40 Plätze vor den Zwillingen kam bei knapp 25 Grad und Sonnenschein die stärkste deutsche Läuferin ins Ziel: Anja Scherl (LG Telis Finanz Regensburg) lief 2:37:23 Stunden und hatte auf der Strecke alles gegeben. Direkt nach dem Zieleinlauf musste sie sich setzen. Die Leistung ist umso höher einzuschätzen, da die 30-Jährige voll berufstätig und nicht wie die Hahner-Zwillinge ein Lauf-Profi ist. Ihre ungewöhnliche Geschichte auf dem Weg zur Olympiastarterin liest du hier.