Hidden Run: Gegen den Wind auf Texel

| Text | Fotos: Christian Ermert

Der Rheinenergie Köln-Marathon veranstaltet jedes Jahr im Frühjahr oder Sommer vor seinem Rennen, das dieses Jahr am 7. Oktober stattfindet, einen so genannten „Hidden Run“. Das ist eine Tagesreise zu einem spektakulären, aber zunächst unbekannten Laufziel in Europa. Diesmal ging es – unterstützt vom Sportartikelhersteller Saucony – auf die holländische Nordseeinsel Texel, aber das wussten die Teilnehmer natürlich noch nicht, als sie sich frühmorgens in Köln trafen …

Gemeinsam gegen eine steife Brise am Strand

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Mittwochmorgen fünf Uhr. Ein Reisebus steht mit geöffneten Türen auf einem Parkplatz am RheinEnergie-Stadion Köln. Davor ein Haufen Menschen in Laufklamotten. Manche sind lange vor vier Uhr aufgestanden, um diesen Bus nicht zu verpassen, der vom Köln-Marathon gechartert wurde. Und das, ohne zu wissen, wohin der Bus sie bringen würde.

Hidden Run ist für Läufer das, was früher mal die Fahrt ins Blaue war. Bereits zum 14. Mal hatten die Kölner Marathon-Macher auf ihrer Webseite eingeladen, mit ihnen irgendwo hin zu fahren, auszusteigen und einen Lauf zu absolvieren. Und wieder war die Fahrt binnen weniger Stunden ausgebucht. 50 Plätze hat so ein Bus, mehr Läufer können nicht mit. Bei der Anmeldung ist immer die Nummer des Personalausweises anzugeben. Das nährt auch diesmal Spekulationen. Geht es zum Flughafen, um von dort in Richtung einer europäischen Metropole abzuheben?

Nein, nach der Abfahrt ist schnell klar: Der Flughafen liegt in der anderen Richtung. Von Köln aus nimmt der Bus auf der Autobahn Kurs Nordwest. Also wird das Ziel wohl in den Niederlanden liegen. Die meisten spekulieren schon auf einen Lauf durch Amsterdam. Doch nach knapp drei Stunden Fahrt lässt der Bus die große Stadt links liegen und fährt immer weiter Richtung Meer. „Wir müssen pünktlich wieder losfahren. Wir haben Termine“, hatte Reiseleiter Hajo Fetten schon vor der ersten Pause verkündet, in der die Teilnehmer mit selbst geschmierten Brötchen versorgt wurden.

Kurz hinter Amsterdam ist dann klar, was für ein Termin einzuhalten ist: Die Abfahrt der Fähre auf die Nordseeinsel Texel um 10:30 Uhr. Es klappt, der Bus rollt auf die Fähre, die Teilnehmer können sich kurz an Deck die Beine vertreten und knapp 20 Minuten später ist Texel erreicht. Im aus Meer, Strand, Dünen und Wald bestehenden Naturschutzgebiet an der Westküste der Insel ist die Fahrt zu Ende und der Lauf beginnt. Aus dem Bus geht’s direkt in den Wind. Denn der bläst an diesem Tag kräftig aus Nordwesten. Nachdem die Dünen durchquert sind, geht es auf den bei Ebbe fast einen Kilometer breiten Strand. Durch den Sand, mit dem Wind im Gesicht. Der Hidden Run beginnt mit einer Herausforderung.

Doch die Anstrengung ist vergessen, als sich die Gruppe auf dem Strand zu einer breiten Linie formiert. Alle nehmen sich an den Händen und laufen jubelnd gegen den Wind. „Das war eigentlich der schönste Moment des ganzen Tages“, schwärmt Isabella Dobija. Die Wirtschaftsprüferin ist zum zweiten Mal bei einem Hidden Run dabei und komplett begeistert. „Der Köln-Marathon ist wirklich kreativ und hat diesmal eine total schöne Landschaft ausgewählt.“

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Reiseleiter Hajo Fetten führt die Gruppe über den Strand und durch Dünen und Wald

Verantwortlich dafür war diesmal Hajo Fetten. Der 66 Jahre alte ehemalige Sportlehrer gilt als Urgestein der Kölner Laufszene. Er organisiert den Marathon am Fühlinger See, Texel kennt er aus zahlreichen Urlauben gut. Er hat die Laufstrecke dort geplant, wo jedes Jahr im Frühjahr auch viele Top-Läufer im Trainingslager unterwegs sind.

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Das Vogelparadies Texel hautnah erlebt

Nach sieben anstrengenden Kilometern über den Strand ging es in die Dünen und den dahinter liegenden Wald. Geschützt vor dem Wind ließ sich die Natur der Insel genießen. Texel ist ein Vogelparadies, die Dünenlandschaft steht unter strengem Schutz, die Strände sind breit und weiß. Unterwegs war eine Verpflegungsstation aufgebaut, der Lauf endete schließlich nach knapp 18 Kilometern an einem Hallenbad, wo alle duschen konnten, bevor es zum Barbecue in einem der schönsten Strandcafes der Insel ging.

Am späten Nachmittag rollte der Bus dann mit 50 glücklichen Läufern an Bord wieder auf die Fähre und nach vier Stunden ist die ganze Truppe wieder in Köln – allerdings nicht, ohne auf einer holländischen Autobahnraststätte noch zwei kleine Fässchen Kölsch geleert zu haben, die Köln-Marathonsprecher Jan Broniecki in einem kühlen Versteck im Bus deponiert haben. Danach waren sich alle einig: Es war trotz insgesamt acht Stunden im Bus ein toller Lauftag. Un zum Preis von nur 89 Euro geradezu ein Schnäppchen.

Und hier das Video vom Hidden Run nach Texel

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