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Der Wochen(end)-Rückblick
Hitze bremst fast alles aus, aber die Besten glänzen in Paris und Zagreb

| von Christian Ermert

Events werden abgesagt, aber Karl Bebendorf gewinnt in Paris den 3000-Meter-Hindernislauf bei einem Leichtathletik-Meeting der höchsten Kategorie. Und Gesa Krause läuft weiter von Bestzeit zu Bestzeit.

Das vergangene Wochenende war auch fürs Laufen historisch. Leider im negativen Sinn. Reihenweise wurden Laufveranstaltungen wegen der noch nie dagewesenen Gluthitze abgesagt. Darunter mit dem Hella Hamburg Halbmarathon und dem Stadtlauf in Trier zwei sehr große Events mit tausenden Teilnehmenden. Vorweg: Die Absagen waren richtig. Auch wenn es mitunter in der Szene rumorte und sich einige in ihrer Eigenverantwortlichkeit beschnitten fühlten, was auch Ausdruck in dem einen oder anderen medialen Kommentar fand.

Aber: Eigenverantwortlich können alle gern bei fast 40 Grad auf eigene Faust zehn Kilometer, einen halben, vielleicht oder ganzen Marathon laufen. Aber wenn tausende auf den glühend heißen Straßen unterwegs sind und vielen der Hitzekollaps droht, betrifft das ja längst nicht nur die Laufenden. Die Rettungsdienste waren vielerorts am Limit. In Köln mussten reihenweise Menschen aus ihren heißen Wohnungen geholt werden. Es wurde ein Notlazarett zur Kühlung eingerichtet. 120 Menschen mehr Menschen als an so einem Wochenende üblich starben – viele von ihnen wahrscheinlich an den Folgen der Hitze. Und dann lässt man es zu, dass tausende in der Hitze laufen und auch Helfende und Zuschauende sich von der Sonne braten lassen und es so garantiert zu noch mehr Notfällen kommt? Ginge gar nicht. So waren die Absagen unabdingbar. Sie wurden von der großen Mehrheit der Läufer*innen auch unterstützt.

Angesichts der durch den Klimawandel immer häufigeren und extremeren Hitzewellen müssen sich Veranstalter sogar fragen lassen, ob es künftig noch Sinn ergibt, längere Laufstrecken im Juni, Juli und August außerhalb der ganz frühen Morgen oder sehr späten Abendstunden anzubieten.

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Spitzensport trotz extremen Temperaturen

Anders sieht das indes im Spitzensport aus: In Ratingen traten Deutschlands beste Mehrkämpfer um Zehnkampf-Weltmeister Leo Neugebauer trotz der Hitze zu zehn oder sieben Disziplinen mit den abschließenden 800- und 1500-Meter-Läufen an. Im kroatischen Zagreb und in Paris waren einige der besten Läuferinnen und Läufer des Landes am Start. Alle lieferten Spitzenleistungen ab. Aber diese Athletinnen und Athleten sind so gut trainiert, dass ihnen auch extreme Wärme viel weniger anhaben kann als Hobbysportler*innen oder gar dem untrainierten Publikum. Zumal sie vor und nach dem Wettkampf alle Möglichkeiten zur Kühlung haben.

Und so können wir auch diese Woche sehr Erfreuliches von den deutschen Lauf-Assen vermelden: In ihrem dritten Bahnrennen der Saison durfte sich Gesa Krause (Silvesterlauf Trier e.V.) zum dritten Mal über eine neue Bestzeit freuen: Die Hindernis-Spezialistin lief am Freitagabend in Zagreb über 3000 Meter in 8:45,34 Minuten auf Rang drei.

Die zweimalige Europameisterin (2016 und 2018) unterbot mit 8:45,34 Minuten nicht nur ihre Freiluft- (9:02,04 min), sondern auch ihre Hallenbestleistung (8:49,43 min). „Drittes Rennen, dritte Bestleistung, dritter Platz“, schrieb Gesa Krause auf Instagram. In ihren ersten beiden Rennen der Saison hatte sie in Pfungstadt und Doha (Katar) jeweils ihren 1.500-Meter-Hausrekord verbessert. Nach dem Rennen fühlte sie sich wie ein Steak auf dem Grill: „Ich bin 'well done', würde ich sagen!“

Den ausführlichen Bericht aus Zagreb liest du hier auf leichtathletik.de.

Zwei Tage später zeigte ihr Hinderniskollege Karl Bebendorf (Dresdner SC 1898) in Paris wieder einmal, dass deutsche Läufer Rennen in der Diamond League – der weltweit höchsten Klasse von Leichtathletik-Meetings – gewinnen können. Der 30 Jahre alte EM-Dritte von 2024 gewann die 3000 Meter Hindernis und steigerte seine Bestleistung um fast drei Sekunden auf 8:05,55 Minuten.

Im vergangenen Jahr hatte Europarekordler (7:57,80 min) Frederik Ruppert (LAV Stadtwerke Tübingen) schon das Diamond League-Finale in Zürich (Schweiz) gewonnen, Mohamed Abdilaahi (Cologne Athletics) war zum Auftakt der laufenden Diamond League-Saison in Keqiao (China) ein Sieg über 3.000 Meter gelungen.

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Audrey Werro nähert sich weiter dem 800-Meter-Weltrekord

International sorgte Audrey Werro für das Highlight des Abends in Paris. Die Schweizerin gewann die 800 Meter in 1:53,80 Minuten und bestätigte damit ihre Ausnahmestellung. Als drittschnellste Athletin der Geschichte rückte sie dem seit 1983 bestehenden Weltrekord ein weiteres Stück näher.

In keiner olympischen Disziplin der Leichtathletik ist der Weltrekord so alt wie über 800 Meter der Frauen. Und die 1:53,28 Minuten der Tschechin Jarmila Kratochvilova aus dem Jahr 1983 wirkten lange unantastbar. In diesem Sommer hat sich das geändert. Als dritte Athletin der Geschichte unterbot die Schweizerin Audrey Werro in Stockholm (Schweden; 1:53,98 min) die Marke von 1:54,00 Minuten und lief damit die schnellste Zeit seit mehr als 40 Jahren. In Paris legte die 22-Jährige nach.

Mit einer 55er-Runde auf den ersten 400 Metern von Tempomacherin Myrte van der Schoot (Niederlande) auf die Reise geschickt, hielt die Zweite der Hallen-WM das Tempo hoch, setzte sich vor allem auf der Zielgeraden von ihrer Konkurrenz ab und die Uhr blieb bei 1:53,80 Minuten stehen.

Den ausführlichen Bericht aus Paris liest du hier auf leichtathletik.de.