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Im Ziel einer langen Karriere: Lagats letzter Lauf

| Martin Neumann I Foto: imago
Er gehört noch immer zu den besten Langstrecklern der Welt. Doch nun ist endgültig Schluss: Im Alter von 41 Jahren und 266 Tagen hat Bernard Lagat seine

Er gehört noch immer zu den besten Langstrecklern der Welt. Doch nun ist endgültig Schluss: Im Alter von 41 Jahren und 266 Tagen hat Bernard Lagat seine Karriere am Samstag beim Berliner ISTAF beendet. Der US-Amerikaner trat gegen Konkurrenten an, die bis zu 25 Jahre jünger waren.

Noch einmal forderte er die deutlich jüngere Konkurrenz bis aufs Äußerste. Auf der Zielgeraden des 3000-Meter-Rennens beim Berliner ISTAF griff Bernard Lagat an. Er wollte bei seinem zehnten ISTAF-Start noch einmal den Sieg – und das im stolzen Läuferalter von 41 Jahren und 266 Tagen. Zwei Wochen nach Platz sechs im olympischen 5000-Meter-Finale von Rio reichte es für den nimmermüden US-Amerikaner auf der blauen Rundbahn im Olympiastadion nicht ganz. Den Kenianer Augustine Choge (7:43,00 min) konnte er nicht mehr stoppen.

Doch Platz zwei und die Zeit von 7:43,63 Minuten waren am Samstagabend nur Nebensache. Schließlich ging in Berlin eine ganz außergewöhnliche Läuferkarriere zu Ende. Für Bernard Lagat war’s das letzte Rennen in Europa. Gehüllt in die US-Flagge verbeugte er sich vor den rund 45.000 Zuschauern im Olympiastadion: „Wegen euch wollte ich in Berlin meine Karriere beenden. Ihr habt mich alle Jahre so toll unterstützt.“ Anschließend umarmte er alle Konkurrenten noch einmal, absolvierte im Laufschritt die Ehrenrunde und schrieb jede Menge Autogramme.

Auch die Abendgestaltung hatte er schon geplant. „Wenn man in Deutschland ist, muss man auch ein deutsches Bier trinken!“ Zu Berlin hat der gebürtige Kenianer eine besondere Beziehung. Vor sieben Jahren bei den Weltmeisterschaften hatte er eben im Olympiastadion eins seiner vielen großen Rennen abgeliefert. Über 5000 Meter musste sich der US-Amerikaner 2009 nur ganz knapp Weltrekordler Kenenisa Bekele (Äthiopien) geschlagen geben.

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Kenia- und USA-Rekordler

Es sind ohnehin die knappen Niederlagen Lagats, die in Erinnerung bleiben. Und die er stets ganz fair akzeptierte. Auch deshalb ist der Läufer mit der Sommer-Basis in Tübingen bei Athleten und Zuschauern so beliebt. Schon 2000 in Sydney war der Dauerbrenner Olympia-Dritter, vier Jahre später in Athen lief er zu Silber. Dazwischen schob er sich 2001 über 1500 Meter in 3:26,34 Minuten auf Rang zwei der ewigen Bestenliste. Im wohl besten 1500-Meter-Rennen der Geschichte musste er in Brüssel nur Weltrekordler Hicham El Guerrouj den Vortritt lassen.

Erst nach dem Rücktritt des Marokkaners war für Bernard Lagat der Weg für große Titel frei. 2007 wurde der taktisch clevere Läufer Doppel-Weltmester über 1500 und 5000 Meter. Doch auch in den vergangenen Jahren stand der 41-Jährige immer wieder in großen Finals. Ob Olympische Spiele 2016, Hallen-WM 2014 oder WM 2013. Der elegante Läufer aus Kapsabet mischte immer vorn mit. Natürlich hält er auch die Masters-Weltrekorde von 1500 Meter (3:41,87 min) bis 10.000 Meter (27:49,36 min) für über 40-Jährige.

Ein Schmunzeln konnte sich der „Lauf-Oldie“ bei der Pressekonferenz vor dem Rennen nach dem Blick auf die Starterliste nicht verkneifen: „Der zweitälteste Starter ist elf Jahre jünger als ich.“ Was er nicht sagte: Der jüngste 3000-Meter-Starter beim ISTAF, der Äthiopier Yeneblo Biyazen, kam acht Monate vor Lagats Bronzelauf bei den Olympischen Spielen in Sydney zur Welt. Nun gehört der junge Äthiopier zur Weltspitze, Bernard Lagat noch immer.

Lagats 1500-Meter-Bestzeit ist nach 15 Jahren noch immer kenianischer Rekord. Ein Beleg für die Extraklasse dieser Zeit im Läuferland Nummer eins. Ganz nebenbei hält der 41-Jährige auch den US-Rekord. 3:29,30 Minuten lief er 2005 knapp neun Monate nach seiner Einbürgerung. Zuvor hatte er in den USA an der Washington State studiert und dort auch seine spätere Ehefrau Gladys kennengelernt. „Ich freue mich darauf, in die USA zurückzukehren und meine Kinder aufwachsen zu sehen“, sagte er nach seinem letzten Rennen. Dafür wird der Lauf-Globetrotter nun deutlich mehr Zeit haben.